Drama,
Biografie,
Kriegsfilm,
Historie
| China / Deutschland / Frankreich 2009
| INHALTSANGABE
Nanking 1937. Seit Jahren leitet der Hamburger Geschäftsmann John Rabe (Ulrich Tukur) die dortige deutsche Siemens-Niederlassung. Die chinesische Stadt ist für ihn und seine Frau Dora (Dagmar Manzel) zu einer zweiten Heimat geworden, doch jetzt soll er nach Berlin zurück. Während des Abschiedsballs wird Nanking allerdings von der japanischen Armee bombardiert.
In letzter Minute öffnet Rabe die Tore seiner Fabrik, um seinen Arbeitern und deren Familien Schutz zu bieten. Nach diesem ersten Angriff ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Japaner die chinesische Hauptstadt vollkommen einnehmen. Daher beschließt Rabe mit den übrigen Ausländern Direktorin Dupres (Anne Consigny), Dr. Wilson (Steve Buscemi) und dem deutsch-jüdischen Diplomat Dr. Rosen (Daniel Brühl) in Nanking eine Sicherheitszone einzurichten. Rabe wird zum Vorsitzenden ernannt, um die japanische Armee daran zu erinnern, dass Deutschland und Japan Verbündete sind. Bald müssen die Beteiligten jedoch erkennen, dass diese Allianz auf äußerst wackeligen Beinen steht.
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| FILMKRITIK
Florian Gallenberger nimmt sich mit der Geschichte von John Rabe eines bisher unpopulären Kapitels des Zweiten Weltkriegs an. Die Taten von John Rabe erinnern deutlich an die von Oskar Schindler. Wie Schindler setzte auch Rabe sein eigenes Leben aufs Spiel, um Menschen in seiner Umgebung, die in Gefahr sind, das Leben zu retten und erhielt so den Spitznamen „Oskar Schindler Chinas“. Ungewöhnlich, dass ein Film ihm zu Ehren so lange auf sich warten ließ.
Gallenberger verpackt die Schilderung Rabes humanitären Engagements in ein solides Historiendrama. Denn erstens: Was hätte man auch sonst aus diesem Stoff machen sollen? Zweitens wird gewaltig auf die Tränendrüse gedrückt. Allerdings nicht nur, wenn es um das Schicksal der chinesischen Zivilbevölkerung geht, sondern vor allem die Liebesgeschichte zwischen John Rabe und seiner Frau ist nahezu herzzerreißend. Gallenberger verwendet viel Zeit darauf, zu zeigen, dass sich die beiden wirklich sehr lieben, deshalb wiegen die Geschehnisse während das letzte Schiff in Nanking ablegt auch umso schwerer. Und drittens versteht es Gallenberger perfekt, Musik als emotionssteigerndes Hilfsmittel einzusetzen. Etwa wenn Rabe die Tore seiner Fabrik öffnet, sich noch einen kleinen Disput mit seinem eigentlichen Nachfolger liefert, gewinnt und der überdimensionalen Hakenkreuzflagge endlich zu einer nützlichen Funktion verhilf. Kurz gesagt, als er beginnt, heldenhaft zu handeln, schwillt die Orchestermusik gewaltig an und dramatisiert das Geschehen ungemein.
Und das Schöne ist, obwohl die Geschichte nicht wirklich innovativ erzählt wird und die Special Effects mal mehr (Luftangriff auf Nanking), mal weniger gelungen (Schiffbombardement) sind, der Film funktioniert und zwar sehr gut. Nicht zuletzt deshalb, weil die ernste Story hin und wieder durch einen wohl pointierten Schuss Komik gelockert wird. Zum Beispiel wenn John Rabe und Dr. Wilson ein Hitler-Ulk-Lied singen. Dieser Moment ist nicht nur für die beiden sehr befreiend.
„John Rabe“ besticht vor allem durch eine erlesene internationale Schauspielriege. Allen voran Ulrich Tukur und Steve Buscemi, die hervorragende Arbeit leisten, aber auch Daniel Brühl und Anne Consigny (aus „Schmetterling und Taucherglocke“) können sich in dieser internationalen Produktion sehen lassen.
Um den Film noch authentischer wirken zu lassen schreibt John Rabe zum einen ständig Tagebuch – wenn man ihn nicht schreiben sieht, sind seine Einträge aus dem Off zu hören. Zum anderen wird immer wieder Archivmaterial von der Besetzung Nankings zwischen die fiktiven Szenen geschnitten, was die Beklemmung natürlich noch deutlicher macht und die Schonungslosigkeit der Gewaltszenen unterstreicht.
| FAZIT
Nicht unbedingt ein wahnsinnig innovatives Historiendrama. Aber eins, das durch solides Handwerk und vor allem durch die Darsteller überzeugt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung