Abenteuer,
Science Fiction,
Fantasy
| Frankreich 2008
| INHALTSANGABE
Katie lebt mit Tochter Lisa in einer kleinen Plattenbauwohnung. Sie lernt bei der Arbeit Paco kennen, er zieht ein, sie bekommen ein Kind, Ricky. Paco arbeitet Nachtschicht, Lisa ist reserviert gegen den neuen Mann und gegen das Baby, und Katie hängt an ihrem Sohn Ricky. Doch auch sie muss wieder arbeiten gehen, Paco und Ricky scheinen nicht miteinander klar zu kommen, Ricky hat blaue Flecken am Rücken. Paco, den Katie beschuldigt, haut ab. Und sie ist mit zwei Kindern allein. Da passiert ein Wunder, und Ricky entpuppt sich als ein ganz außergewöhnliches Kind.
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| FILMKRITIK
Dies ist ein Film, über den man eigentlich gar nicht schreiben kann. Weil jede Beschreibung den Clou zerstören würde, das Überraschungsmoment, mit dem François Ozon spielt. Den Film kann man in seiner Fülle nur genießen, wenn man vorher gar nichts über ihn weiß; ein Zustand der Unschuld, der mit der ersten Vorführung auf der Berlinale 09 verlogen gegangen ist.
Ozon spielt. Er spielt mit den Erwartungen der Zuschauer und ihrer Gefühlswelt, mit den filmischen Konventionen, mit Symbolik und Metaphorik. Und lässt am Ende die Interpretationshoheit ganz dem Zuschauer. Auch die Freiheit, gar nichts an dem Film zu deuteln, sondern ihn einfach stehen zu lassen: als Sozialdrama-wird-zu-Fantasymärchenkomödie.
Da ist also die Familie mit Mutter Katie und Tochter Lisa, sieben Jahre alt. Und Katie ist verzweifelt: Beim Sozialamt bittet sie, ihr Baby in Pflege zu geben, sie kommt nicht mehr zurecht. Rückblende. Kleine Familie ohne Vater, Plattenbau, Unterschichts-Arbeitermilieu. Katie lernt Paco kennen. Wird schwanger, Ricky wird geboren. Nichts wird einfacher: Das Liebesglück lässt nach, Tochter Lisas Reserviertheit gegenüber Paco weitet sich auf das Baby aus. Es ist schwierig, sich zu arrangieren. Dann: blaue Flecken auf dem Rücken von Ricky. Paco, der ohnehin nie einen Draht zu seinem Sohn gefunden hat, scheint ihn zu misshandeln. Und haut ab.
Ozon begibt sich geradewegs in den Strom der Sozialerzählungen, der Dramas um das Elend kleiner Leute, die hart kämpfen, um irgendwie zurechtzukommen. Porträtiert eine Familie, die nicht richtig funktioniert. Der zu Anfang der Vater fehlt, in der die Mutter unreif erscheint, von Lisa geweckt und dazu angehalten werden muss, zur Arbeit zu gehen. Immer tendiert Ozon zur Sichtweise Lisas, blickt mit ihre Augen auf diese kleine Welt, zeigt das Eindringen Pacos, dann Rickys in ihr Leben – und all dies stürzt er dann um. Indem er fantastisch wird, absurd. Das einzig Richtige in diesem Fall einer in Verzweiflung gefangenen Familie.
Ozon lässt die Zuschauererwartungen ganz ins Leere laufen, beginnt etwas ganz Neues: Ricky, das Baby, ist anders, besonders. Mutter Katie und Lisa arrangieren sich damit. Und sind glücklich mit Ricky und seiner ganz speziellen Fähigkeit.
Auch nun lässt Ozon das (ironische) Spiel mit der Haltung des Zuschauers nicht. Wird mal ganz albern, ja: total bescheuert, um dann wieder Symbolik einzubauen, die allegorisch gedeutet werden kann (aber nicht muss).
Am Ende jedenfalls: Eine Familie, in der sich der Status quo ganz verschoben hat, und in der dann doch jeder seinen Platz gefunden hat. Durch ein Wunder, das Wunder eine Babys.
| FAZIT
Was als veritables Sozialdrama beginnt, entpuppt sich als fantastisch-absurde Märchenkomödie.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung