Der New Yorker Harvey Shine ist in seinem Leben an einem absoluten Tiefpunkt angelangt. Obwohl er immer Jazzpianist werden wollte, fristet er ein Dasein als Komponist von Werbe-Jingles. Und auch diesen Job droht er nun zu verlieren, weil die Kunden ihn und seinen Stil für zu alt halten. Als er dann nach London fliegt, um dort die Hochzeit seiner Tochter zu feiern, muss er realisieren, dass auch sein Privatleben kurz vor dem Scheitern steht. In der illustren Hochzeitsgesellschaft fühlt er sich fehl am Platz und dann teilt ihm seine Tochter auch noch mit, sie werde anstelle von ihm ihren Stiefvater Brian darum bitten, sie zum Traualtar zu führen.
Tief gekränkt verlässt Harvey vorzeitig die Hochzeit, um nach New York zurückzufliegen und zumindest seine Karriere noch zu retten. Doch er verpasst seinen Flieger und lernt stattdessen die frustrierte Flughafenangestellte Kate kennen. Die leidet ebenso unter gutgemeinten Verkupplungsversuchen wie unter den ständigen Ratschlägen ihrer Mutter. Harvey ist von der ersten Sekunde an fasziniert von Kate. Und er weiß, sie wird seine letzte Chance sein, sein Leben doch noch in eine neue Kurve zu lenken.
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| FILMKRITIK
Es gibt Filme, die leben von einer großartigen Idee, es gibt Filme, die leben von großartiger Technik und es gibt Filme, die leben von großartigen Schauspielern. In diesem Fall sind das Emma Thompson und Dustin Hoffman. In „Last Chance Harvey“ tragen sie allein eine Story, die nur wenige Überraschungen zu bieten hat und doch ist der Film schon wegen ihnen wert, gesehen zu werden. Immerhin gelingt es beiden, mit kleinen Gesten das zu erreichen, was andere Schauspieler mit ihrem ganze Körper nicht zustande bringen: Die völlig authentische Vermittlung von Gefühlen.
Der Film widmet sich zunächst jeder Figur allein, um das ganze Ausmaß ihrer Ausgegrenztheit und Einsamkeit zu verdeutlichen. Harvey kann einem schon leid tun, wenn er völlig fehl am Platz auf der Party seiner Tochter herumstolpert und von einer peinlichen Situation in die nächste gerät. Ebenso ergeht es Kate, die bei einem missglückten Verkupplungsversuch in einer derart beschämenden Lage gefangen ist, dass ihre heimlichen Tränen auf dem Klo tatsächlich herzzerreißend sind. Damit das Ganze dann aber doch eine Romantic Comedy und kein Drama wird, wurde die komische Figur von Kates Mutter in die Handlung eingefügt. Die beobachtet zunehmend paranoid ihren neuen, polnischen Nachbarn und nervt Kate per Handy als menschliches Verhütungsmittel in möglichst unpassenden Situationen.
Beide haben die Unbeschwertheit der Jugend lange hinter sich und bitter vom Leben gelernt. Und doch gelingt es ihnen in kurzen Momenten, all ihren Ballast von sich zu werfen. Das sind dann auch die schönsten Momente des Films, die man – dank der Leistung der Hauptdarsteller – nicht in eine Schublade steckt und sofort wieder vergisst. Da macht dann auch der reale Altersunterschied zwischen Hoffman und Thompson von über zwanzig Jahren nur noch wenig aus und Harvey und Kate zu einem wirklich schönen Filmpärchen, dem man bei der Neuentdeckung der Liebe gerne zusieht.
| FAZIT
„Last Chance Harvey“ ist eine Romantic Comedy aus dem Herbst des Lebens, die zwar nicht über die ausgefeilteste Story verfügt, aber doch über großartige Hauptdarsteller, deren Leistung allein schon einen Kinobesuch wert sein kann.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung