FILM REVIEW | Chéri - Eine Komödie der Eitelkeiten
Chéri - Eine Komödie der Eitelkeiten
Drama,
Romanze
| Deutschland / Frankreich / Großbritannien 2009
| INHALTSANGABE
Paris in der Belle Epoque (Wende 19./20. Jahrhundert). Léa (Michelle Pfeiffer) ist eine Kurtisane. Sie gehört zu dem erlesenen Kreis der wunderschönsten und geistreichsten Damen Frankreichs, die so erfahren in der Kunst der Liebe sind, dass sich Kronprinzen, Herzöge und Industriebarone deren Gegenwart viel Geld kosten lassen. Léa ist allerdings keine 20 mehr und überlegt, sich zur Ruhe zu setzen. Doch da kommt Madame Peloux (Kathy Bates) – eine ehemalige Kollegin – mit einer schwer ablehnbaren Bitte dazwischen: Sie hat einen neunzehnjährigen Sohn – Chéri (Rupert Friend), der allerdings momentan ausschließlich das sorgenfreie Leben eines wohlhabenden Sprösslings genießt, sich in der feinen (Damen-) Gesellschaft rumtreibt und dem Opium ein wenig zu sehr zugetan ist. Léa soll sich seiner annehmen und in Liebes- sowie Lebensdingen unterweisen. Léa nimmt Chéri mit auf ihren Landsitz und dort geschieht das Unfassbare: Sie verliebt sich in den arroganten, aber bildschönen jungen Mann und aus dem Unterricht wird eine leidenschaftliche Liebesbeziehung, die sechs Jahre andauert.
Chéris Mutter hingegen verfolgt ihren Plan unbeirrt weiter: Léa sollte Chéri nur den nötigen Schliff verpassen, damit er gewinnbringend verheiratet werden kann. Eine Ex-Kurtisane in fortgeschrittenem Alter wie Léa gehört jedoch keinesfalls zu ihrer engeren Wahl der potentiellen Schwiegertöchter und da weder Léa noch Chéri – aus Angst, das Gesicht zu verlieren – sich oder anderen ihre Liebe zueinander gestehen, nimmt eine tragische Liebesgeschichte ihren Lauf.
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| FILMKRITIK
Es ist wohl unmöglich, „Chéri“ zu sehen, ohne ihn mit „Gefährliche Liebschaften“ (1988) zu vergleichen. Die Literaturverfilmung von Choderlos de Laclos´ Briefroman dürfte Stephen Frears bisher größter Erfolg sein und gilt längst als Klassiker. „Chéri“ liegt nun erneut eine literarische Vorlage – ein Roman (ebenfalls über Intrigen, Liebe und Leid) der französischen Autorin Colette – zu Grunde und wieder stammt das Drehbuch von Christopher Hampton.
„Chéri“ besticht vor allem durch seine Ausstattung. Sämtliche Kulissen sind wunderbar und versetzen einen definitiv in das Paris vergangener Zeiten. Auch die Kostüme – vor allem Michelle Pfeiffers Kleider – sind atemberaubend bis zum Taschentuch mit feinstem Spitzenrand.
Aber auch die Schauspieler sind durchaus positiv zu erwähnen. Michelle Pfeiffer ist endlich wieder in einer Hauptrolle zu sehen und meistert die Herausforderung, eine alternde Kurtisane darzustellen mit Würde und Bravour. Rupert Friend ist fabelhaft als arroganter gelangweilter Schnösel, der zu feige, zu bequem und noch viel zu unreif für die wahre Liebe ist.
Bei den Dialogen fängt es allerdings an. Zwar sind sie bissig und voller unterschwelliger Sticheleien, allerdings nicht konsequent. Der gesamte Film wird durch eine Voice Over leicht spöttisch kommentiert, wodurch das Ganze einen satirischen Touch erhält, was jedoch zu sehr im Hintergrund bleibt. Drehbuchautor Hampton hätte aus dieser Idee deutlich mehr machen und die Kommentare fieser wirken lassen können. Leider ist auch die Figur der Madame Peloux nicht halb so dämonisch wie einst Glenn Close als Marquise Isabelle de Merteuil in „Gefährliche Liebschaften“. Das liegt keinesfalls an Kathy Bates, denn das nötige Potential hätte diese Figur durchaus gehabt, Hampton hat es nur nicht genutzt.
Insgesamt ist es leider so, dass die Möglichkeiten, die „Chéri“ bietet, nicht in ihrer Gänze genutzt werden. Es ist eine tragische Liebesgeschichte, wühlt aber trotz aller Tragik nicht auf. Vor allem Chéris Liebeskummer wird nicht glaubhaft geschildert. Eigentlich plätschert die Geschichte nur so dahin.
| FAZIT
Ein Drama mit grandioser Ausstattung. Verliert nur leider im direkten Vergleich mit „Gefährliche Liebschaften“ haushoch.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung