Der achtjährige Bruno erfährt, dass er mit seiner Familie aus Berlin wegziehen muss. Sein Vater ist als Nazioffizier in Deutschland zu Anfang der vierziger Jahre befördert worden. Er nimmt Frau und Kinder mit an seinen neuen Arbeitsplatz auf dem Land. Bruno fühlt sich dort sehr einsam. Vor dem Haus liegt ein von einem hohen Stacheldrahtzaun umgebenes Gelände, das der Junge für einen Bauernhof hält. Dort leben viele Menschen in gestreiften Anzügen, so auch der kleine Schmuel, den Bruno eines Tages am Zaun trifft. Instinktiv hält Bruno seine neue Freundschaft geheim.
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| FILMKRITIK
„Der Junge im gestreiften Pyjama“ basiert auf dem gleichnamigen Jugendroman des irischen Schriftstellers John Boyne. Seine Fabel über zwei gleichaltrige Jungen, die sich am Zaun des Konzentrationslagers Auschwitz begegnen, wurde vom britischen Regisseur und Drehbuchautor Mark Herman verfilmt. In der Kinoadaption hat der Ort keinen Namen, denn mit der fiktiven Person von Brunos Vater ist nicht konkret Rudolf Höß gemeint. Brunos Vater ist Kommandant eines KZs, in dem es Verbrennungsöfen gibt, doch als seine Frau davon durch ein Versehen erfährt, ist sie völlig schockiert. Ihr Mann hatte selbst vor ihr verbergen wollen, worin seine Arbeit besteht.
Wie in der Buchvorlage zieht das Unfassbare, mit dem der kleine Bruno konfrontiert wird, langsam enger werdende Kreise. Mit diesem Kunstgriff, dass der Junge im Gegensatz zu den Zuschauern nicht weiß, was es mit dem Lager auf sich hat und dass er sich mit einem jüdischen Kind hinter dem Zaun anfreundet, werden das Grauen und die Absurdität der Herrenmenschen-Philosophie und der Massenvernichtung deutlich. Bruno bewundert seinen Vater, den Lagerkommandanten, will aber selbstverständlich auch mit seinem neuen Freund Schmuel spielen.
Schmuel jedoch hat Angst, wenn Bruno einen Ball über den Zaun wirft, und springt immer verschreckt auf, sobald jemand in der Ferne seinen Namen ruft. Beide Jungen ahnen, dass ihre Treffen in diesem entlegenen Teil des Lagers geheim bleiben müssen. Die Kinderdarsteller sind gut gewählt und führen glaubwürdig durch die Geschichte: Asa Butterfield verleiht Bruno einen staunenden, fragenden Blick, mit dem er dem Schweigen der Erwachsenen begegnet. Jack Scanlon ist als Schmuel zum ersten Mal in einer Kinorolle zu sehen und macht das großartig. Wenn ihn Brunos naive Fragen ratlos machen oder er mal ein Lächeln wagt, rückt er scheinbar mühelos in den Mittelpunkt der Geschichte.
Die Kamera fängt die beklemmende Atmosphäre im neuen Haus von Brunos Familie gekonnt ein. So gibt es auch hier ein Gitter aus senkrechten Stäben. Es ist hier aber nur ein Treppengeländer, das den Betrachter eher beiläufig an das Lager nebenan erinnert. Brunos Mutter, gespielt von Vera Farmiga, schlägt die Nähe des KZs zunehmend aufs Gemüt, vor allem als sie erkennt, dass sie es nicht vollständig aus dem Bewusstsein ihrer Kinder fernhalten kann.
Hier kommt die Konstruktion der Fabel, die für das junge Publikum gedacht ist und ihre Lehre wirkungsvoll entfaltet, an ihre Grenzen: Dass die Frau des Lagerkommandanten zuerst nicht weiß, was im Lager geschieht und dann entsetzt ist, lässt sie normal und sympathisch erscheinen. So viel Unwissen und innere Distanz zu behaupten, macht über diese Fabel hinaus wenig Sinn. Hier aber ermöglicht gerade das Verleugnen der Realität, dass Bruno ganz nahe an das Lager herankommt. David Thewlis ist jedoch als nachdenklicher, weicher Charakter in der Rolle des Lagerkommandanten eine ziemliche Fehlbesetzung.
| FAZIT
Atmosphärisch dichte Romanverfilmung über eine fiktive Kinderfreundschaft am Zaun eines Konzentrationslagers.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung