Im November 2005 wurde der zwölfjährige Palästinenser Ahmed Khatib bei einer israelischen Militäraktion erschossen. Die Soldaten, die eine Razzia im Flüchtlingslager Jenin durchführten, hatten den Jungen mit seinem Spielzeuggewehr für einen bewaffneten Kämpfer gehalten. Sein Vater Ismael Khatib gab im Krankenhaus von Haifa die Einwilligung zur Organspende. Der Dokumentarfilm schildert die damaligen Ereignisse und begleitet Ismael Khatib im Sommer 2007 auf eine Reise durch Israel zu drei Kindern, die dank der Organe überlebten.
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| FILMKRITIK
„Das Herz von Jenin“ des israelischen Regisseurs Leon Geller und seines deutschen Kollegen Marcus Vetter hat schon 2008 einige Festivalpreise erhalten und in diesem Jahr in Berlin den Cinema for Peace Award. Im Zentrum der bewegenden Dokumentation steht Ismael Khatib, der seinen Sohn im israelisch-palästinensischen Konflikt verliert und sich dazu entscheidet, andere Leben zu retten. Im Laufe des Films wird deutlich, wie sich die Menschen nach einem friedlichen Miteinander sehnen. Auch religiöse Gräben erscheinen nicht unüberwindlich, wenn es um das Wohl von Kindern geht.
Ismael Khatib hält Kontakt zu drei israelischen Familien, deren Kinder dank der gespendeten Organe seines Sohnes gesund aufwachsen können. Die verschiedenen Personen gewähren einen lebendigen Einblick in die Gegenwart in Israel und dem Westjordanland. Leon Geller erfuhr von Ahmeds Tod noch am gleichen Tag und filmte im Krankenhaus Szenen im Vorfeld der Organtransplantationen und sprach mit den Familien nach den Eingriffen. 2007 stieg Marcus Vetter in das Filmprojekt ein und es folgten weitere Aufnahmen, wie die Besuchsreise Ismael Khatibs zu den Kindern Mohammed, Sameh und Menuha.
Die Filmemacher rollen die Geschichte von ihrem tragischen Anfang bis zum Sommer 2007 auf, indem sie Angehörige erzählen lassen, Ausschnitte aus den Fernsehnachrichten zeigen, in denen über die Organspenden berichtet wurde und vor allem immer wieder Ismael in seinem Alltag über die Schulter blicken. Nach und nach entfaltet sich so die Geschichte eines Palästinensers, der in den achtziger Jahren selbst gegen die Besatzung kämpfte und während der zweiten Intifada wiederholt seine berufliche Existenz verlor. Von der Organspende erfuhren auch die Bewohner einer Stadt in Italien, die in Jenin ein Jugendzentrum errichten ließ. Nun leitet Ismael Khatib diese Einrichtung, in der Flüchtlingskinder ihre Freizeit verbringen und Bildungsangebote erhalten.
Zweimal begleitet die Kamera Ismael Khatib an den Checkpoint, den er passieren muss, wenn er nach Israel fahren will. Das Warten und die Ungewissheit vor dem streng bewachten Übergang sind eine demütigende Erfahrung. Aber in Haifa schließt der Palästinenser dann den Krankenpfleger in die Arme, der ihm damals zur Organspende riet. Und er wird von den Eltern der kleinen Sameh beschenkt, die das Herz von Ahmed erhielt. Die Drusenfamilie spendet dem Jugendzentrum 180 Schultaschen.
In der Wüste Negev werden Ismael und ein Verwandter, der ihn begleitet, von der Beduinenfamilie bewirtet, deren kleiner Sohn Mohammed eine Niere erhielt. Die Familie haust in ärmlichen Verhältnissen, aber der kleine Junge strampelt glücklich auf seinem Fahrrad. Schließlich wagt es Ismael, auch die orthodoxe jüdische Familie in Jerusalem zu kontaktieren, deren Tochter Menuha eine Niere bekam. Hier ist das Gespräch sehr viel schwieriger, stellenweise auch bedrückend, die Unterschiede in der Mentalität gleichen den politischen Fronten. Und dennoch, auch hier gibt es Umarmungen, Dank, Hoffnung.
| FAZIT
Bewegende Dokumentation über einen palästinensischen Vater, der die Organe seines getöteten Sohnes Kindern in Israel spendete.
| BEWERTUNG
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