Montag | 28. Mai 2012 | 06:28 Uhr
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  • FILM REVIEW | Simons Geheimnis
  • Simons Geheimnis

    Drama | Kanada 2008
  • | INHALTSANGABE

  • Die Französischlehrerin Sabine diktiert ihrer Klasse einen Text über einen Jahre zurückliegenden Vorfall an einem Flughafen. Eine schwangere Frau wollte nach Israel fliegen, doch bei der Gepäckkontrolle fand man Sprengstoff in ihrer Handtasche. Ihr jordanischer Mann hatte ihn dort versteckt, in der Absicht, das Flugzeug und damit auch sie in die Luft zu sprengen. Der jugendliche Schüler Simon spinnt diese Geschichte weiter, indem er sich selbst als das ungeborene Baby von damals ausgibt.

    Seine Lehrerin stellt ihn zur Rede, und Simon, dessen Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen, gibt zu, alles erfunden zu haben. Die Lehrerin aber ermuntert Simon dazu, seine Version als dramaturgisches Experiment weiterzuführen und vor der ganzen Klasse vorzutragen. Auch in einem Chatroom im Internet erzählt Simon über seinen Vater, den Terroristen. In Wirklichkeit aber beschäftigt den Jugendlichen die Frage, ob sein muslimischer Vater die Mutter absichtlich in den Tod gefahren hat, wie der Großvater behauptet.
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      • | FILMKRITIK

      • Der kanadische Regisseur und Drehbuchautor Atom Egoyan geht in dem Drama „Simons Geheimnis“ Fragen nach, die wenig miteinander zu tun haben. Es geht um die Rolle des Internets im Leben von Jugendlichen, die Vorurteile gegenüber Muslimen, die fließende Grenze zwischen Fantasie und Realität. Die verschachtelte Handlung wird dabei mit der Lehrerin als Schlüsselfigur immer abenteuerlicher und mündet, nach langem Warten auf atmosphärische Verdichtung, in eine ziemlich dürftige Antwort. Dabei wirkt Egoyans Film immer engagiert und verfehlt das Ergebnis eher unabsichtlich – das kann auch erfahrenen Regisseuren wie ihm hin und wieder passieren.

        Im Mittelpunkt steht das Drama eines Jugendlichen, der gerne wissen würde, wer sein Vater wirklich war und ob er seine Mutter liebte. Der Großvater mütterlicherseits erzählt Simon, der muslimische Vater habe den tödlichen Autounfall absichtlich verursacht. Simon, gespielt von Devon Bostick, hängt an seinem Großvater, den er als Quelle der Wahrheit betrachtet. Sein Onkel, der seit dem Tod der Eltern bei ihm wohnt und ihn großzieht, kann Simon nicht helfen: Der von Scott Speedman gespielte Abschleppunternehmer Tom sagt, er habe seinen Schwager zu wenig gekannt.

        Es bleibt letztendlich offen, warum Simon diese Ausgangslage dazu benutzt, sich den Vater als Terroristen vorzustellen, der die schwangere Mutter in die Luft sprengen wollte. Irgendwie aber will er Antworten auf die Möglichkeit, dass sein Vater böse gewesen sein könnte, und er sucht sie im Internet. Egoyan zeigt Simon vor seinem in kleine Kästchen aufgeteilten Bildschirm, auf dem er sich selbst sieht, neben vielen anderen Gesprächsteilnehmern, die sich alle filmen.

        Während Simon seine Cornflakes isst, hört und sieht er nebenbei, wie sich seine Gesprächspartner ereifern: Der eine findet die versuchte Tat des Terroristen unverzeihlich, der andere begründet sie mit einer anderen Mentalität, die man in dieser Kultur nicht verstehen könne, ein dritter wiederum gibt sich als Insasse des Flugzeugs aus, das damals in die Luft gesprengt werden sollte. Simon selbst konfrontiert die Community immer wieder damit, dass sich seine Gedanken über den Vater ändern.

        Arsinée Khanjian spielt die Lehrerin Sabine, die ihre Familie am Kriegsschauplatz Beirut verlor. Sie hat ein Geheimnis, das sie erst ganz am Schluss offenbart, aber ihre Figur schleppt noch mehr unbeantwortete Fragen durch den Film. Sie kann nicht plausibel erklären, warum sie Simon angehalten hat, sich als Kind des Terroristen auszugeben – angeblich eine Übung in Theaterspiel, die aus dem Ruder lief. Während Simon weiter und weiter probiert, die Eltern und den Großvater so zu begreifen, wie sie wirklich waren, leistet sich der Film einige kitschige Ausrutscher mit der Geige spielenden Mutter.
      • | FAZIT

      • Atom Egoyans unausgegorene Verbindung eines Familiendramas mit philosophischen Gedanken über Wahrheit, Glauben und Vorurteil im Internet-Zeitalter.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 4.5/10 (2 votes)

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