Eric Wilson ist ein Kind, als er gemeinsam mit seinem Freund Philip wegen des Mordes an einer Mitschülerin zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wird. Vierzehn Jahre verbringt er im Gefängnis, bis er als 24jähriger wieder in die Gesellschaft entlassen wird. In eine Welt, die ihm mittlerweile vollkommen fremd geworden ist. Damit es ihm trotzdem gelingt, wieder in ein geregeltes Leben zurückzufinden, wird ihm der Bewährungshelfer Terry zur Seite gestellt, der ihm mit Hilfe einer neuen Identität einen neuen Anfang ermöglichen soll.
Und so nennt sich Eric fortan Jack, findet - getarnt als Terrys Neffe - Unterkunft im Haus einer netten älteren Dame und Arbeit bei einer Speditionsfirma. Dort lernt er nicht nur neue Freunde kennen, sondern auch die schöne Michelle, die ihm den Hof macht. Dann jedoch wird Jack von seiner Vergangenheit eingeholt. Durch einen Zufall wird sein dunkles Geheimnis aufgedeckt und droht sein ganzes neu aufgebautes Leben zu zerstören.
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| FILMKRITIK
Hat nicht eigentlich jeder Mensch, der einen Fehler begangen hat eine zweite Chance verdient? Und wenn ja, was ist notwendig, damit sich aus der Chance ein neues Leben entwickeln kann? Dieser Frage geht der Film \"Boy A\" von John Crowley nach, indem er einen jugendlichen Straftäter in den Mittelpunkt stellt, der nach einem langen Gefängnisaufenthalt wieder in die Freiheit entlassen wird, um unter neuem Namen einen neuen Start ins Leben zu beginnen.
In Rückblenden setzt sich fragmentarisch die Vergangenheit Erics/Jacks zusammen, ohne jedoch zu viel preiszugeben. Am Ende bleibt es der Fantasie des Zuschauers überlassen, das lückenhafte Puzzle zusammenzusetzen. Da man den Täter also zunächst nicht mit einer Tat in Verbindung bringen kann, begegnet man ihm unvoreingenommen und neugierig. Für Eric sieht die Sache hingegen anders aus. Er kennt seine Vergangenheit. Vor sich selbst kann er sie nicht verleugnen und die Lücke, die der Gefängnisaufenthalt in sein Leben geschlagen hat, ist groß.
Den Ansprüchen Terrys kann Eric ebenso wenig genügen, wie seinen eigenen oder denen der Gesellschaft. Und so hat er von Anfang an kaum eine Chance. Schon als Kind leidet er unter Vernachlässigung durch die Eltern und Schlägen der Mitschüler. Der einzige Freund den er findet, ist selbst ein Gequälter, allerdings einer, der zurückschlägt und Eric auf diese Weise mit in den Abgrund reißt. Dass dann ausgerechnet die Rettung eines kleinen Mädchens zum entscheidenden Wendepunkt in Erics Leben wird, ist angesichts seiner Vergangenheit ein wenig zu melodramatisch. Fast könnte man glauben, das Ereignis finde bloß in seiner Fantasie statt, als Ausdruck des persönlichen Wunsches, die Vergangenheit endlich wieder zu relativieren.
Trotz der positiven Entwicklung, die Erics Leben zu nehmen scheint, verströmt der Film ein ständiges Unbehagen. Entsättigte grobkörnige Bilder und nahezu leere Räume, in denen sich der junge Mann kaum heimisch fühlen kann, sorgen dafür, dass man nicht vergisst, ein Sozialdrama vor sich zu haben, das böse enden kann.
Seine Gesellschaftskritik versteckt Crowley hinter harmlos erscheinenden Bildern. Was ist das zum Beispiel für eine Welt, in der angeklagte Kinder, deren Füße nicht einmal den Boden berühren, als das Böse schlechthin gebrandmarkt werden, das so lange wie möglich vom Rest der Gesellschaft weggesperrt gehört? Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie ein Strafvollzug aufgebaut ist, in dem es einem Jungen in zwölf langen Jahren nicht ermöglicht wird, das Trauma der Vergangenheit erfolgreich auf- und abzuarbeiten. Dabei versteht sich der Film selbst wohl als kleines Manifest gegen die Dämonisierung von Straftätern durch die Medien, wobei er am Ende zu einem wenig optimistischen Ausgang findet.
Newcomer Andrew Garfield zeigt in der Hauptrolle eine beeindruckende Leistung. Doch auch die anderen Darsteller sind überzeugend in ihren Rollen. Ihrer gemeinsamen Leistung und der eindrücklichen Geschichte selbst ist es zu verdanken, dass es sich bei \"Boy A\" um einen Film handelt, der länger im Gedächtnis haften bleibt.
| FAZIT
Ein Film, der die Dämonisierung von Straftätern infrage stellt und nicht zuletzt wegen seines beeindruckenden Hauptdarstellers lange im Gedächtnis haften bleibt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung