Thriller,
Action,
Drama,
Biografie
| Frankreich / Italien / Kanada 2008
| INHALTSANGABE
Aufs Tiefste angewidert von den Gräueltaten, die ihm im Algerienkrieg von der Obrigkeit befohlen wurden, beschließt der junge Jacques Mesrine (Vincent Cassel) nach seiner Rückkehr nach Frankreich sich von nichts und niemandem mehr etwas sagen zu lassen. Durch seinen alten Freund Paul (Gilles Lellouche) lernt Mesrine den Unterweltboss Guido (Gérard Depardieu) kennen und wird schon bald zu seiner rechten Hand. Allerdings bleibt sein gesetzloses Leben nicht lange ohne Folgen: Nachdem ihn seine Ehefrau Sofia (Elena Anaya) verlassen hat, beginnt er mit seiner neuen Freundin Jeanne Schneider (Cécile De France) in Kanada ein neues Leben. Nach einem missglückten Entführungsversuch fliehen die beiden in die USA, wo sie allerdings von der Polizei gefasst und nach Kanada ausgeliefert werden. Mesrine gilt dort bereits als Staatsfeind Nr. 1.
Nun wartet eine nahezu unmenschliche Gefängnisstrafe im Hochsicherheitstrakt auf ihn. Durch jahrelange Isolationshaft und Folter soll Mesrine gebrochen werden. Das Vorhaben der Gefängnisdirektion schlägt allerdings fehl und Mesrine gelingt zusammen mit seinem Komplizen Mercier die Flucht bei der erstbesten Gelegenheit. Aber mit seiner Freiheit ist Mesrine noch lange nicht zufrieden. Er will auch den Häftlingen, die ihn bei seinem Ausbruch unterstützt haben, zur Flucht verhelfen. Mesrine ist wild entschlossen, gegen die staatliche Obrigkeit zu rebellieren – egal wessen und wie viel Blut dabei vergossen werden muss.
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| FILMKRITIK
Ein großer Mann mit Lockenkopf, Bart, Brille und sichtbarem Bauchansatz tritt vorsichtig aus einem Pariser Hauseingang heraus. Während er die Straße herunter läuft, blickt er sich immer wieder um. Mit einigen Metern Abstand folgt ihm eine Frau. Beide sind sichtlich nervös, steigen gemeinsam in einen BMW ein und fahren davon. An einer roten Ampel kommt das Auto zum Stehen. Vor ihnen wartet ein blauer Lieferwagen auf das grüne Licht. Doch plötzlich hebt sich die Deckplane und das Paar im BMW blickt auf mehrere Gewehrläufe...
So beginnen beide Teile der Lebensgeschichte des legendärsten Verbrecher Frankreichs und Regisseur Jean-François Richet erreicht damit, dass dem Zuschauer das grausame Ende von Jacques Mesrine immer im Hinterkopf bleibt. Die ungewöhnliche Montage dieser Eingangssequenz sorgt dafür, dass sie auch bei mehrmaligem Sehen nicht langweilig wirkt. Hierbei wird nämlich das Split-Screen-Verfahren verwendet, was bedeutet, dass nicht ein großes Bild die Leinwand ausfüllt, sondern mehrer kleinere, die ermöglichen, das Geschehene gleichzeitig aus mehreren Perspektiven zu sehen. Der Film besticht generell durch die sehr innovative Kameraführung von Robert Gantz: Viele Fahrten, die die rasante Handlung auch in ihren ruhigen Momenten vorantreiben, sich ständig abwechselnde Perspektiven, denn der Zuschauer begegnet den Figuren oft nicht auf Augenhöhe. Bei der ersten Liebesszene zwischen Mesrine und Sofia verliert die Kamera jede Distanz und mündet in einer Detailaufnahme ihres Mundes. Und speziell die Grausamkeit der Isolationshaft wird zusätzlich durch bestimmte Techniken – wie schnelle aufeinander folgende 360°-Drehungen – verstärkt.
Die Story des ersten Teils ist rasanter erzählt als die des zweiten. Vieles Unwichtige wird ausgespart wie zum Beispiel der missglückte Banküberfall, der zu Mesrines ersten Haftstrafe führt. Schon als Mesrine mit seinen Komplizen bespricht, wer dabei sein soll, wird klar, dass irgendetwas schief gehen wird, was sich in der nächsten Szene dann bestätigt. Den Banküberfall selbst zu zeigen, ist daher völlig unnötig. Auf diese Weise wird die Spannung die ganze Zeit über aufrechterhalten.
Ein Manko des Films ist allerdings Gérard Depardieu in der Rolle des Unterweltbosses Guido. Depardieu wirkt mehr wie ein Möchtgern-Pate und weniger wie ein Respekt einflößender Verbrecher. Vincent Cassel hingegen skizziert den „Werdegang“ des Soldaten Mesrine zum Staatsfeind Nr. 1 glaubhaft nach und brilliert vor allem in den Szenen der Isolationshaft.
„Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt“ ist im Großen und Ganzen sehenswert und zeigt auf spannende Weise, wie Jacques Mesrine beginnt, zu einer Legende zu werden. Und auch wenn der erste Teil nicht gerade mit einem Cliffhanger endet, tut er das jedoch mit einem Knall, der Lust macht auf den zweiten Teil. Schade nur, dass dieser das Niveau nicht halten kann.
| FAZIT
Spannender Auftakt der Lebensgeschichte eines charismatischen Verbrechers, der vor allem durch Kamera und Montage überzeugt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung