Thriller,
Drama
| Argentinien / Brasilien / Südkorea 2008
| INHALTSANGABE
In der Wohnung der jungen Julia in Buenos Aires wird ein Mann ermordet aufgefunden, ein anderer liegt schwer verletzt am Boden. Die schwangere Julia, die sich an das Geschehen nicht erinnern kann, kommt in Untersuchungshaft. Der überlebende Mann bezichtigt sie der Tat. Julia weiß, dass sich einiges anders zugetragen hat, als er das erzählt, zum Beispiel, dass die beiden Männer, die ein Verhältnis hatten, vor dem Mord heftig stritten. Dennoch sieht das Gericht sie als die Schuldige.
In der Gefängnisabteilung für Schwangere und Mütter mit Kleinkindern bringt sie ihren Sohn Tomas auf die Welt, der bis zum Alter von vier Jahren bei ihr bleiben darf. In dem beengten Zellenblock mit Gemeinschaftsraum schließt Julia Freundschaft mit ihrer Nachbarin Marta. Doch eines Tages nimmt Julias Mutter den kleinen Tomas zu einem Arztbesuch mit nach draußen und bringt ihn nicht mehr zurück.
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| FILMKRITIK
Der argentinische Spielfilm „Löwenkäfig“ erzählt in dokumentarisch anmutendem Stil vom Alltag einer jungen Mutter mit Kind im Gefängnis. In Argentinien dürfen die Kinder bis zum Alter von vier Jahren bei ihren inhaftierten Müttern leben. Die des Mordes angeklagte Julia kommt schwanger ins Gefängnis. In ihrem Trakt teilen sich die Frauen die Zelle mit ihren Kindern, die Kleinen haben ein wenig Auslauf im Gemeinschaftsbereich und einen winzigen Spielplatz im Hof.
Regisseur Pablo Trapero schildert minutiös die Zustände und das Leiden in einer solchen Abteilung. Julia wartet ungefähr vier Jahre auf ihren Prozess, dann wird sie zu zehn Jahren Haft verurteilt. Wie ihr geht es in diesem Film den meisten Frauen: Sie leben viele Jahre hinter Gittern. Wenn Besuchszeit ist oder einmal Ausgang gewährt wird, müssen die Frauen durch zahllose Gänge zwischen vergitterten Türen eskortiert werden, es gibt demütigende Körperkontrollen und den Spießrutenlauf vorbei an Zellen, in denen Männer lauthals auf sich aufmerksam machen.
Die Geschichte lässt es bis zum Schluss im Unklaren, ob Julia schuldig ist. Dass sie und nicht der mitangeklagte Mitbewohner schließlich verurteilt wird, lässt aber Zweifel an der Gerechtigkeit des Prozesses aufkommen. Julia erscheint während des Wartens auf unbestimmte Zeit ziemlich rechtlos. Dennoch klagt der Film das Gefängnispersonal nicht an, im Gegenteil wirkt der Alltag in diesem Trakt sogar relativ kinderfreundlich und es gibt Momente von Mitgefühl und Menschlichkeit.
Martina Gusman spielt Julia als apathische, verlorene Seele, die sich in ihr Schicksal aus purer Ohnmacht heraus fügt. Ihr Kind lehnt sie anfangs ab, doch dann wird der kleine Tomas zum Lebensmittelpunkt seiner Mutter. Er und die Gefängnisnachbarin Marta, die Julia unter ihre Fittiche nimmt, sind sogar die ersten positiven Beziehungen in ihrem Leben. Zwar kommt ihre Mutter auch auf Besuch, doch ihr Verhältnis zu Julia ist gestört.
Die beengte Atmosphäre im Müttertrakt, das Elend der Frauen, das sich in spontanen Wutausbrüchen entlädt, werden eindringlich gezeigt. Auf der anderen Seite gibt es einen Zusammenhalt der Mütter, der Julia und ihrem Kind das Überleben erst möglich macht. Der gut gemeinte Spielfilm läuft allerdings manchmal Gefahr, über das Ziel hinauszuschießen und Julia zur Übermutter zu stilisieren. Auch das Rätselraten darüber, was in der Mordnacht wirklich geschah, beansprucht letztlich zu viel Aufmerksamkeit.
| FAZIT
Der argentinische Spielfilm macht auf den prekären Alltag von Müttern mit Kleinkindern im Gefängnis aufmerksam.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung