FILM REVIEW | Birdwatchers - Im Land der roten Menschen
Birdwatchers - Im Land der roten Menschen
Drama
| Brasilien / Italien 2008
| INHALTSANGABE
Die Guarani-Kaiowá-Indianer in einem brasilianischen Reservat beklagen den Selbstmord zweier junger Mädchen. Der Stammesführer Nádio beschließt, mit einer Vorhut das trostlose Reservat zu verlassen und wieder auf dem Land zu siedeln, das den Vorfahren gehörte. Die kleine Gruppe von Männern, Frauen und Kindern baut also ein paar Hütten auf dem Acker des Großgrundbesitzers Moreira. Bald kommen weitere Indianer nach.
Der jugendliche Osvaldo wird als Schamane ausgebildet. Aber am Fluss im Urwald lernt er Maria, die Tochter des Großgrundbesitzers, kennen. Alle Indianer, die auf dem Acker siedeln, befinden sich im Zwiespalt zwischen Tradition und Moderne und es entstehen Konflikte um das Geldverdienen und um Jobs bei den Weißen. Moreira versucht, die ungebetenen Siedler loszuwerden.
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| FILMKRITIK
Der italienische Regisseur Marco Bechis, der in Argentinien aufwuchs, widmet sich in „Birdwatchers“ den Problemen der brasilianischen Guarani-Kaiowá-Indianer. Die Ureinwohner aus dem Bundesstaat Mato Grosso do Sul, die Bechis kennen lernte, beeindruckten ihn mit ihrem Kampf um das angestammte Land. Daraus konstruierte er eine Spielfilmhandlung, die er vor Ort mit Stammesangehörigen als Darstellern drehte. In den Rollen der Weißen agieren professionelle Schauspieler. „Birdwatchers“ hat also semidokumentarische Authentizität und stellt die Indianer in den Mittelpunkt. Der Film zeigt sie am Scheideweg zwischen Tradition und weißer Zivilisation, zwischen Eigenständigkeit und Anpassung.
Am Anfang sieht man Touristen in einem Boot über den Fluss gleiten. Die Vögelbeobachter schauen gebannt zum bewaldeten Ufer, an dem eine Gruppe nackter Wilder auftaucht. Die Indianer haben Pfeil und Bogen und sehen aus, als würden sie zum ersten Mal mit der Zivilisation in Kontakt treten. Als das Boot außer Sicht ist, gehen die Indianer zu einem Lastwagen, ziehen Hose und Hemd an und nehmen ihren Lohn in Empfang, bevor sie zurück ins Reservat gefahren werden. Das ist der Alltag der beiden Jugendlichen Osvaldo und Ireneu, bevor sie mit Nádio und ein paar anderen das Reservat verlassen und auf dem Acker Moreiras siedeln. Das fruchtbare Land gehörte den Vorfahren der Gemeinschaft und grenzt an den Urwald, der von dem Großgrundbesitzer gerodet wurde. Ein Schamane unterweist Osvaldo in seiner Kunst. Am Fluss übt Osvaldo die Rituale, als Moreiras Tochter und ihre Freundin im Bikini zum Baden kommen.
Osvaldo ist hin- und hergerissen zwischen den Wertvorstellungen des alten Schamanen und den Reizen der Mädchen. Maria lehrt Osvaldo, wie man Motorrad fährt. Auch der junge Ireneu kommt in Konflikt mit den Werten seiner Gruppe. Nádio, sein Vater, will nicht, dass er als Tagelöhner arbeitet, doch Ireneu interessiert sich für die Turnschuhe, die es in der Stadt zu kaufen gibt, und er sehnt sich nach einer Freundin. Der Konflikt spitzt sich tragisch zu, wie die ganze Siedlungsaktion auf dem Acker auf Dauer unhaltbar scheint.
Marco Bechis’ Film verzichtet auf Romantisierung. Nádio, Osvaldo und die anderen werden nicht als Gutmenschen dargestellt, die um die Sympathien der Zuschauer werben. Vielmehr wirken die Figuren mit ihren Flip-Flops an den Füßen und mit ihrer unverblümten Ausdrucksweise sehr lebendig und realistisch. Auf der Suche nach einer Zukunft stranden sie buchstäblich auf dem Acker.
Die schamanischen Rituale im Wald, das naturnahe Leben, die Armut in den mit Planen bedeckten Hütten und der wundersame Kontakt mit der reichen Maria und anderen Weißen entfalten ihre Wirkung aus der Begegnung zweier Welten. Dem täglichen Elend und der Perspektivlosigkeit trotzen die Indianer, vor allem die scharfzüngigen Frauen, mit Humor und Gewitztheit.
| FAZIT
Beeindruckender Film ohne Beschönigungen über den Überlebenskampf eines brasilianischen Indianerstammes.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung