Montag | 28. Mai 2012 | 07:57 Uhr
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    Drama | Belgien / Frankreich / Schweiz 2008
  • | INHALTSANGABE

  • Marthe und Michel wohnen mit ihren drei Kindern in einem einsamen Häuschen auf freiem Feld. Direkt vor ihrem Garten verläuft eine Autobahntrasse, die seit Jahren nicht fertig gebaut wird. Die Familie genießt jeden Tag auf ungezwungene und fröhliche Weise, bis die Bauarbeiten aus heiterem Himmel wieder aufgenommen werden.

    Dann rollt der Verkehr und nichts ist mehr, wie es war. Die Familie kommt nicht mehr über die Straße, um zum Auto und zur Bushaltestelle zu gelangen, Tochter Judith kann nicht mehr unbehelligt in der Sonne liegen, der Lärm ist auch im Haus ohrenbetäubend. Die Spannungen in der Familie nehmen zu, doch Marthe will nicht wegziehen.
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      • | FILMKRITIK

      • Die Schweizer Regisseurin Ursula Meier erzählt in ihrem ersten langen Kinofilm die skurrile Geschichte einer ungewöhnlichen Familie am Rande der Gesellschaft. Isabelle Huppert als Marthe führt die Riege der in allen fünf Rollen überzeugenden Darsteller an. „Home“ mit seinen rätselhaften Zügen ist eines dieser seltenen, schrägen Kinovergnügen, die einen mit ihrem Zauber gründlich umgarnen.

        Schon zu Beginn, als sich die fünf Familienmitglieder im Badezimmer begegnen, werden Verhaltensregeln und gesellschaftliche Konventionen gleich in Serie gebrochen. Der kleine Sohn Julien benutzt die Toilette, während seine Mutter zuschaut und seine große Schwester nackt in der Wanne sitzt. Julien steigt zu ihr in die Wanne, die Schwester raucht, der Vater kommt ins Bad. Es wird ausgelassen herumgealbert, wie auf einer Geburtstagsparty im Schwimmbad.

        Die glückliche Familie hat den Asphalt der unfertigen Autobahn mit einem Sofa und anderen Möbel belegt, mit einem Hockeytor, einem Grill. Julien fährt hier rasante Touren auf seinem Fahrrad. Jeden Morgen gehen der Junge und die mittlere Tochter Marion über die Trasse und die angrenzende Wiese zum Bus, der sie zur Schule bringt. Vater Michel überquert die Fahrbahn, um zu seinem Auto zu gelangen und zur Arbeit zu fahren. Er kehrt mit Einkäufen zurück, die er über den Asphalt zum Haus trägt. Mutter Marthe bleibt zu Hause und die erwachsene Tochter Judith verbringt die Tage im Bikini neben dem Haus bei lauter Musik. Eine ungetrübte Idylle mit leichten Verwilderungserscheinungen präsentiert sich hier, die die Träume angepasster Städter anregt. Abends sitzen alle draußen vor dem Fernseher und der Vater verspricht, den kleinen Pool für die Ferien fertig zu bauen.

        Seit zehn Jahren existiert dieses Refugium, doch dann rücken Bauarbeiter an und räumen die Autobahn von den Möbeln frei, teeren, montieren Leitplanken, ziehen weiße Linien. Als die Fahrzeuge schließlich vorbeirauschen, trifft es die Familie mit ungeahnter Wucht: Die Kinder können nicht mehr auf die andere Seite, und der Verkehrslärm legt sich mit Gewalt über jedes andere Geräusch, selbst Judith braucht große Kopfhörer, um ihre Musik noch zu vernehmen.

        Der packende Film lässt offen, warum die Familie ausgerechnet hier leben muss, warum die Mutter nicht weg will, ob die Eltern also eine ernsthafte oder nur eine kleine Macke haben. Die lebensfeindliche Nähe der Autobahn aber zerstört ihre unordentliche Idylle, hinter der freien Entfaltung drohen Verwahrlosung und Aggression. Dieser Suspense, diese fragile Balance werden unterstützt von der Spielfreude der Darsteller und der emotionalen Komplexität ihrer liebenswerten Figuren. Die Inszenierung zieht unmittelbar und wirkungsvoll hinein in den verheerenden Lärm und die Hilflosigkeit am Fenster.
      • | FAZIT

      • Skurriles kleines Meisterwerk mit Isabelle Huppert über eine unangepasste Familie, die an einer Autobahn zu überleben versucht.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 0.0/10 (0 votes)

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