Montag | 28. Mai 2012 | 00:58 Uhr
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  • FILM REVIEW | Illuminati
  • Illuminati

    Thriller, Drama, Mystery | USA 2009
  • | INHALTSANGABE

  • Nach dem Tod des Papstes müssen die Kardinäle dessen Nachfolger während der Konklave bestimmen. Doch ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt kidnappt eine längst vergessene Geheimorganisation, die „Illuminati“, vier Preferiti, aus deren Reihen mit großer Wahrscheinlichkeit der neue Heilige Vater gewählt wird. Zudem ermordet ein Unbekannter einen Kernforscher, der mittels Antimaterie eine gefährliche Waffe herstellte. Unentdeckt deponieren die verfemten Kirchengegner die Atombombe im Vatikan. Zu jeder vollen Stunde soll einer der entführten Kardinäle auf vorbestimmte Art sterben, bevor um Punkt Mitternacht die Zeitbombe detoniert. Zusammen mit der attraktiven Kollegin des ermordeten Wissenschaftlers macht sich Symbologe Robert Langdon unverzüglich auf den Weg, die verschlüsselten Fundorte in Rom aufzuspüren.
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      • | FILMKRITIK

      • Zum zweiten Mal tritt Tom Hanks als Harvard-Professor Robert Langdon auf, der anhand der Entschlüsselung eines religiös-literarischen Rätsels nicht nur mehrere Menschenleben, sondern gleich den gesamten Vatikan vor der Vernichtung retten muss. Die zweite Dan Brown-Adaption wurde inhaltlich nach dem Vorgängerfilm „The Da Vinci Code“ angesiedelt, obwohl der Roman davor entstand. Dies spielt aber im Grunde keine Rolle, denn nur an einer Stelle wird kurz die Schwierigkeiten des Kunstgeschichtsexperten mit der Kirche erwähnt. Das zweite Bindeglied findet sich nur in der Originalfassung, wo Alfred Molina in Teil eins Langdons Gegenspieler verkörpert und in der Fortsetzung als Erzählstimme den Prolog einleitet.

        Während ihn der Camerlengo, der befristete Papst-Stellvertreter, bei seinen Nachforschungen unterstützt, handelt der verständnislose Chef der Schweizer Garde, in der Verfilmung mit dem deutlichen Namen Commander Richter versehen, reichlich unkooperativ. Da die Schlüssel zum Aufenthaltsort der sterbenden Priester durch Engels- und Teufelsstatuen des Bildhauers Giovanni Bernini erfolgen, erweist sich der Originaltitel „Angels and Demons“ eigentlich als zutreffender. Langdon muss den „Weg der Erleuchtung“ finden, wobei die Ziele durch die Elemente Erde, Feuer, Wasser und Luft angezeigt werden.

        Es lang auf der Hand, dass die erfahrenen Autoren David Koepp und Akiva Goldsman die umfangreiche Vorlage abändern mussten. Um nicht lange bei der Trauer der Hinterbliebenen verweilen zu müssen, handelt es sich bei der langhaarigen Vittoria Vetra nicht um die Tochter des ermordeten Physikers, sondern lediglich um eine Mitarbeiterin. Allerdings erscheint die einzige weibliche Figur inmitten einer reinen Männerriege als zu oberflächlich charakterisiert, und für eine Liebesgeschichte jenseits kleiner Frotzeleien existiert bei der religiösen Schnitzeljagd durch Rom kein Platz. Es entfällt zudem Robert Langdons eigentlicher Auftraggeber Maximilian Kohler, so dass der Amateurdetektiv im Tweed-Jackett und mit Micky-Maus-Uhr von der italienischen Polizei zu Rate gezogen wird. Deren Einsatzleiter, Inspektor Olivetti, verkörpert vom viel beschäftigten Pierfrancesco Favino („Die Unbekannte“, „Saturno Contro“), erhielt den Romannamen des Leiters der Schweizer Garde. Daneben verkörpern alle drei skandinavischen Darsteller zwielichtige Charaktere: Nicolaj Lie Kaas agiert als selbst gerechter Killer, Stellan Skarsgard als abweisender Kommandeur der Schweizer Garde und Thure Lindhardt als dessen undurchschaubarer blonder Untergebener. Wie schon bei „Tage des Zorns“ bekommt man nur in der Originalfassung Lindhardts (schweizer-)deutsche Sprachkenntnisse zu hören.

        Die Autoren verstehen es, den Stoff sinnvoll zu reduzieren und die Intrige um die „Erleuchteten“ in eine fesselnde Dramaturgie zu bringen. Dan Browns nachhaltige Kritik am Machtmissbrauch der katholischen Kirche oder den verborgenen Reichtümern des Vatikan wird bei der Verfilmung jedoch auf wenige Andeutungen verkappt. Weiterhin zieht sich aber auf der Suche nach dem „Pfad der Erleuchtung“ eine Schneise der Verwüstung durch die Heiligtümer, angefangen von einer heraus gerissenen Seite aus einem historischen Galileo-Manuskript bis zur Zerstörung ganzer Kirchen. Mittels steter Einblendungen von Zeit und Ort baut Ron Howard langsam Spannung bis zum actionreichen Finale auf. Außenstehende Reaktionen inszeniert er dabei durch Einblendungen internationaler Medienberichte. Einige vorhersehbare Finten und Ungereimtheiten wie der Killer als Ein-Mann-Armee, der am Spätabend unbemerkt zwei Polizisten auf offenem Platz beseitigt, muss man wohl akzeptieren.

        Davon abgesehen bietet Howard einen rasant-schnörkellosen Mystery-Thriller für Fans düsterer Verschwörungstheorien.
      • | FAZIT

      • Auch ohne Dan Browns Kirchenkritik stellt die atemlose Jagd durch Kathedralen und Katakomben einen der wenigen Fälle dar, bei dem die Fortsetzung dem ersten Teil überlegen ist.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

      Wertung: 8.3/10 (6 votes)

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