In ihrem Doppelleben als blondes Popidol Hannah Montana steigt Teenager Miley Stewart allmählich der immense Erfolg zu Kopf. Ihr Gastauftritt bei der großen Strandparty ihrer besten Freundin Lilly sorgt unvermittelt für Chaos, wobei kein Gast mehr Interesse am eigentlichen Geburtstagskind zeigt. Als sich noch ein aufdringlicher britischer Sensationsreporter für Mileys Geheimnis interessiert, zieht Vater Robby Ray kurzerhand die Notbremse und verfrachtet seine Tochter statt zum nächsten Auftritt zurück zum Heimatort Crowley Corners. Nachdem der erste Ärger bei dem verwöhnten Mädchen verflogen ist, findet sie zunehmend Gefallen am Farmerdasein, aber mehr noch am ihrem Schulkameraden Travis Brody, der sich zum angehenden Cowboy entwickelte.
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| FILMKRITIK
„Best of Both Worlds“ lautet nicht nur der Titelsong der populären TV-Serie um Billy Ray Cryus’ begabte Tochter Miley sowie das Motto des besonders in Amerika immens erfolgreichen 3D-Konzertfilms. Es gilt gleichfalls als Konzept des Spielfilm-Ablegers, der die Welt der Eitelkeiten und Oberflächlichkeiten, der Designerklamotten und Luxuslimousinen mit dem scheinbar friedlichen Rancherleben von Tennessee voller herzlicher Zeitgenossen und glücklicher Kühe konfrontiert. „Back to the Roots“: Die eingebildete Miley muss lernen, wieder ihre wahren Freunde und Familie anzuerkennen statt sich von jubelnden Fans und schnellem Ruhm blenden zu lassen. Echte Beziehungen bleiben dabei auf der Strecke, so dass Mileys beste Freundin Lilly empört auf Distanz geht – wenn auch nur für die Dauer einer halben Spielfilmlänge. Das Aufeinandertreffen zweier Welten setzt sich gleichfalls auf musikalischer Ebene fort, wo auf Hitparaden kompatiblen Plastikpop á la Britney Spears eine bodenständigere Songauswahl zwischen Folk, Country und Square Dance-Einlagen folgt.
Der Einstieg mit einem karikierenden Blick auf das lärmende, oberflächliche Showgeschäft gibt sich bewusst selbstreferenziell und kann durchaus als Kommentar zu Mileys eigener Lage verstanden werden. Alles, was das Modell für Millionen junger Fans anfasst, verwandelt sich kurzerhand zur Geldquelle. Kein Wunder, dass im Film Publikum und Presse dem Teenager mit dem Doppelleben ständig auf den Fersen sind. Auf dem Land muss sich Miley in typischer „Fish-out-of-Water“-Situation erst einmal mit den widrigen Umständen arrangieren. Nicht einmal ihr eigenes Pferd ‚Blue Jeans’ erkennt die Heimkehrerin wieder, das Reiten hat sie längst verlernt, und selbst das Einsammeln von Hühnereiern wird zum klebrigen Balanceakt. Für Hannah Montana interessiert sich hier zunächst niemand. Glücklicherweise gibt es sowohl für Vater Robby Ray als auch für seine Glamour verwöhnte Tochter ein blondes „Love Interest“, was das fremde Landleben schnell versüßt. Dazu ertönen gelegentlich Weisheiten wie „Das Leben ist wie ein Aufstieg, aber oben hast Du eine tolle Aussicht“.
Man muss den Spielfilmableger eben als typisches Disney-Märchen begreifen und darf ihn nicht nach dem Realitätsgehalt abklopfen. Dazu gehört die Ausgangssituation, dass der quirligen Miley nur eine blonde Perücke genügt, um für jedermann als Superstar Hannah Montana durchzugehen. Offenbar verfügt sie über den gleichen Hypnoseblick wie Superman, dessen geheime Identität niemand hinter Clark Kents Brillengläsern vermutet. Wenn Miley, dem Promi-Dasein müde, am Ende bei einem Hannah Montana-Benefizkonzert für das von skrupellosen Bauplanern bedrohte Crowley Corners dem erstaunten Publikum ihr Doppelleben enthüllt, glaubt man zunächst an den Schlusspunkt der Serie. Doch letztlich darf sie auf die Solidarität und Verschwiegenheit ihrer Freunde und Zuschauer bauen, als existieren in Tennessee kein Internet und keine Fotohandys. Letztlich muss man nur auf das Gute im Menschen bauen.
Immerhin fand Disney in Peter Chelsom einen auf dem Komödienparkett erfahrenen Regisseur. Nach seinem mehrfach ausgezeichneten Debüt „Hear My Song“ folgte der Brite dem Hollywoodruf und drehte für Miramax subtile Werke wie „The Mighty“, die anfangs perfekt die Balance zwischen Humor und Tragik hielten. In „Hannah Montana – Der Film“ setzt Chelsom zwar streckenweise zu stark auf platten Klamauk, wie etwa zu Beginn der überzogene Zickenkrieg zwischen Miley und Supermodel Tyra Banks um ein Paar Designerschuhe oder das hektische Springen zwischen zwei gleichzeitigen Terminen - Hannahs Hummer-Dinner beim Bürgermeister und Mileys erstes Date mit ihrem Schwarm Travis. Auf der anderen Seite gibt es komische inszenatorische Kabinettstückchen wie die Splitscreen-Montage vom unfreiwilligen Schlammbad des penetranten Paparazzo Oswald (Peter Gunn zählt zu Chelsoms Stammschauspielern) zum freiwilligen Schönheitsbad seiner herrischen Chefin Lucinda vom Sensationsblatt „Bon Chic“.
Zu den Schwachpunkten zählt Billy Ray Cyrus, der im Gegensatz zu seiner talentierten Tochter, die auch einige Songs selbst komponierte, häufig etwas hilflos in der Szenerie steht. Nur auf der Bühne kann er mit seinen musikalischen Fähigkeiten glänzen Überhaupt zählt der abwechselungsreiche Soundtrack zu den Stärken der munteren Popkomödie, ohne dass die eingängigen Songs in ihrer Leinwandumsetzung letztlich die choreografische Finesse von Disneys „High School Musical 3“ erreichen.
| FAZIT
Jenseits der weltweiten „Hannah Montana“-Vermarktung von der lila Gitarre zum rosa Parfüm gehört der erste Spielfilmableger zu den kurzweiligen, amüsanten Disney-Produktionen für ein junges Publikum, das manche Ungereimtheiten und etwas Klamauk kaum stören dürfte.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung