Ein namenloser Auftragskiller reist durch Spanien, geleitet von kleine Hinweiszetteln, die er in Streichholzschachteln findet und die ihn zu seinem Opfer bringen. Auf seiner Reise trifft er die unterschiedlichsten Boten, die ihm den Weg weisen.
WERBUNG
| FILMKRITIK
Eines vorneweg: „The Limits of Control“ wurde als Thriller angekündigt. Diese Bezeichung trifft es nicht wirklich. Das ist aber auch nicht schlimm, denn langweilig ist der Film trotzdem nicht – sondern ein spannendes post-modernes Gedankenspiel, wie eine Essenz von Jim Jarmuschs Werken, und strengstens durchkomponiert wie ein klassisches Musikstück. In den Strophen bewegt sich der namenlose Held (Isaach de Bankolé) von Ort zu Ort. Er startet an einem französischen Flughafen und reist dann mit dem Zug quer durch Spanien, ohne genau zu wissen, wohin ihn sein Weg führt - bis er am Ende sein Opfer trifft. Und im Refrain wiederholt sich, von kleinen Nuancen, den beteiligten Schauspielern, abgesehen, ein immergleiches Szenario: Der Killer setzt sich in ein Café, bestellt zwei Espressi in zwei einzelnen Tassen, wartet auf einen Boten, der sich versichert, dass er kein Spanisch spreche. Der Killer verneint. Dann kommt es zum Austausch zweier Streichholzschachten. Sobald der Bote gegangen ist zieht der Killer einen kleinen Zettel aus der Schachtel, schaut kurz auf die Informationen, spült den Zettel mit einem Schluck Espresso runter und macht sich auf den Weg.
Der geheimnisvolle Fremde ist ein Mann mit einer Mission – kühl, präzise, fast stoisch geht er seinen Weg. Diesem Weg, von dem er nicht weiß, wohin er ihn führen wird, stellt er seine absolute Ordnung gegenüber: jeden Morgen Tai Chi, an jedem Ort ein neuer Anzug mit messerscharfen Bügelfalten und zwei einzelne Tassen Espresso. Keine Frage, Isaach de Bankolé ist die brilliante Verkörperung dieses coolen, in sich ruhenden Auftragskillers. Ihm gelingt es, durch minimale, kaum wahrnehmbare Veränderungen seiner Mimik die Geschichte des Films zu erzählen, am Ende sogar ein mildes Lächeln aufzusetzen, dass man kaum sieht, aber zu spüren glaubt.
Worum es eigentlich geht in „The Limits of Control“? Der Auftragskiller auf dem Weg zu seinem Opfer scheint für Regisseur Jim Jarmusch nur ein Vorwand zu sein – ein Vorwand, um als Boten eine ganze Menge Berühmtheiten und Lieblingsschauspieler von ihm auftreten zu lassen, von Tilda Swinton über Gael Garcia Bernal bis Bill Murray. Ein Vorwand, um einen Film über den Film zu drehen, um lakonisch mit den Konventionen des Film Noir zu spielen und Tilda Swinton über Orson Welles philosophieren zu lassen, als spiele sie in einem französischen Autorenfilm mit. Und ein Vorwand, um selbst ein bisschen über das Leben zu philosophieren, über die menschliche Existenz, über Bohemians, Musik und die Biologie. Und ein Vorwand, um fröhlich Querverweise innerhalb des Films und zu anderen Werken einzustreuen – immer mit einem leicht humorvollen Unterton, als wolle Jarmusch den Zuschauern sagen : „Nehmt mich bloß nicht zu ernst.“
Man kann diesen Film als selbstdarstellerisch kritisieren – oder man kann sich im Kinosessel zurücklehnen und den geheimnisvollen Fremden auf seiner Reise begleiten und die brillianten Bilder von Kameramann Chris Doyle genießen, als würde man selbst mit im Zug sitzen, der den Killer auf seiner Mission durch Spanien bringt.
| FAZIT
Streng durchkomponierte, enigmatische Parabel über die Kunst und das Leben, voller Andeutungen und Querverweise. Ob man das selbstverliebt oder mediativ findet bleibt Geschmackssache. Aber Fakt ist: allein für Hauptdarsteller Isaach de Bankolé und die beeindruckenden Bilder lohnt sich der Weg ins Kino.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung