Nach dem tragischen Unfalltodes ihrer Mutter im angrenzenden Bootshaus landete die labile Anna Rydell (Emily Browning) in einer psychiatrischen Anstalt. Zehn Monate später wird sie als geheilt entlassen. Doch inzwischen verlobte sich ihr Vater Steven (David Strathairn), ein Schriftsteller, mit der blonden Rachel (Elisabeth Banks), die einst als Pflegerin der Mutter bei der Familie lebte. Anna misstraut der neuen Frau an Vaters Seite. Schon kurze Zeit nach der Rückkehr wird das traumatisierte Mädchen von furchtbaren Visionen heimgesucht, bei denen ihr die verbrannte Mutter als warnender Geist erscheint. Während der Vater Annas Beschuldigungen gegen Rachel kein Gehör schenken will, zeigt sich ihre Schwester Alex (Arielle Kebbel) als einzige Verbündete.
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| FILMKRITIK
Während der längst unübersichtlichen Flut asiatischer Spukfilme entstand Kim Ji-woos Drama „Tale of two Sisters“, der von seiner überdurchschnittliche Fotografie, der düsteren Atmosphäre und einigen klug platzierten Schockeffekten lebt, aber mittels surrealem Plot zwischen Traum und Realität die Zuschauer nachhaltig verwirrte. Aufgrund seiner Reputation stießen auch die amerikanischen „The Ring“-Produzenten auf den koreanischen Schocker.
Von einem darf man zumindest ausgehen: Bei dem auf ein jugendliches Publikum zugeschnittenen Remake bleibt sicherlich keine Frage ungelöst und keine Wendung unerklärlich. Mit ihrer Umsetzung bügelten die Brüder Charles und Thomas Guard alle Dissonanzen glatt, bis sich die leidlich gruselige Story in vorhersehbaren Bahnen bewegt.
Ohnehin scheinen sich US-Schauerfilme in letzter Zeit stärker darauf zu konzentrieren, ihre jungen Protagonistinnen in Unterwäsche zu präsentieren anstatt neue Wege bei der Spannungsdramaturgie zu suchen. Dabei könnte man Annas zermürbende Schreckensvisionen durchaus als Angst vor ihrer aufkeimenden Sexualität interpretieren. Das Stofftier neben dem Bett weist noch auf die kindliche Seite des Teenagers hin. Doch insgesamt bewegen sich die Bilder der Guard Brothers zu sehr auf vertrautem Terrain. Hierbei dürfen die über den Boden kriechende langhaarige Schreckensgestalt, deformierte Körper, Geisterkinder, ein zerbrechendes Milchglas oder durchs Schlüsselloch fließendes Blut nicht fehlen.
Erst allmählich offenbaren sich in Rückblenden die Zusammenhänge. Da die Mutter durch einen Brand ums Leben kam, spielen die Elemente Feuer und Wasser eine entscheidende Rolle. Ebenso hängt das Glöckchen, das Anna immer wieder hört, mit dem Ableben der Mutter zusammen. Immer neue Indizien weisen auf Rachels mysteriöse, ungeklärte Vergangenheit hin, so wie Anna etwa eine Kiste mit Briefen im reichlich aufgeräumten Speicher entdeckt. Für das Mädchen ohne Erinnerung bleibt die bestimmende Schwester schließlich der einzige Bezugspunkt, nachdem die misstrauische Ex-Pflegerin ihren Freund Matt vertreibt.
Während Independentstar David Strathairn als gleichgültiger, alle Verdachtsmomente hinweg weisender Vater wenig leisten muss, wirkt Elisabeth Banks trotz ihres stets zweideutigen Lächelns als zu sympathisch für den Part der „bösen Stiefmutter“. Zwar kein Neuling im Horrorgenre, vermag die hübsche Akteurin nicht die Abgründe einer Figur zu verdeutlichen, die es nach eigenen Worten satt hat, „alten Leuten, die bald sterben werden, den Hintern abzuwischen“ und den Platz an der Seite eines wohlhabenden Mannes mit allen Mitteln verteidigen will. Immerhin kann sie eine stärkere Leistung liefern als die beiden Mädchen, denen lediglich optische Reize abverlangt werden.
Zu den Vorzügen des wenig aufregenden Thrillers gehören immerhin die stimmigen Aufnahmen von Bowen Island in British Columbia, wo das abgelegene Familiendomizil liegt Doch dadurch wirken die Bilder insgesamt zu freundlich, und eine düstere, sinistere Atmosphäre will sich nur selten einstellen. Für Zuschauer, die das koreanische Original nicht kennen, bleibt zumindest das überraschende Finale und eine neu ersonnene Schlusspointe in der letzten Einstellung. Für die wenigen Spannungsmomente zuvor bietet dies allerdings nur einen geringen Ausgleich, doch wen harte Schocker wie „Last House on the Left“ aus dem Kino treiben, findet in dieser Mainstream-Produktion eine harmlosere Alternative.
| FAZIT
Mittelmäßige Neuverfilmung einer komplexen koreanischen Schauermär, die lediglich von ihrer finalen Auflösung lebt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung