Montag | 28. Mai 2012 | 08:09 Uhr
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  • FILM REVIEW | Crossing Over
  • Crossing Over

    Thriller, Drama | USA 2009
  • | INHALTSANGABE

  • Bei der Razzia in einer Fabrik mit zahlreichen illegal beschäftigten Arbeitern fleht eine verhaftete Mutter Max Brogan (Harrison Ford) von der Einwanderungsbehörde an, sich um ihren in einem Motel untergebrachten Sohn zu kümmern. Entgegen allen Vorschriften gibt der ICE-Agent schließlich seinen Bedenken nach und bringt den mexikanischen Jungen zu seinen Großeltern zurück. Doch die abgeschobene Mutter bleibt verschwunden. Auf einer Familienparty lernt Max Zahra Baraheri (Melody Khazae) kennen, die freizügige Schwester seines persischen Kollegen Hamid (Cliff Curtis), deren Verhalten bei der Familie auf Missbilligung stößt. Kurz darauf findet man die junge Angestellte ermordet auf.

    Der Verwaltungsbeamte Cole Frankel (Ray Liotta), dessen Frau Denise (Ashley Judd) als Anwältin Immigranten unterstützt, missbraucht seine Position in der Zulassungsstelle von Green Cards. Als das australische Starlet Claire Shepard (Alice Eve) mit allen Mitteln amerikanische Staatsangehörige werden will, zwingt Cole sie zu einer sexuellen Affäre. Ihr britischer Bekannter Garvin (Jim Sturgess) arbeitet schwarz an einer jüdischen Schule. Als seine Hebräisch-Kenntnisse überprüft werden, verstrickt er sich zunehmend in Lügen.
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      • | FILMKRITIK

      • Auf „L.A. Crash“-Spuren entwickelt Wayne Kramer mit seiner dritten Regiearbeit ein Ensembledrama zum Thema Immigration, amerikanische Lebensart und Meinungsfreiheit. Der Titel steht sowohl für das Überschreiten der US-Grenze als auch für das Überschreiten festgefahrener Denkweisen. So entscheidet sich etwa der von Harrison Ford verkörperte Spezialagent der Einwanderungsbehörde gegen seine Anordnungen, einer illegal eingereisten Mutter zu helfen. Ihr Schicksal beschäftigt ihn weiterhin außerhalb der Dienstzeit. Dagegen sieht sich eine Schülerin aus Bangladesch für ihr USA-kritisches Referat und dem sturen Festhalten an den Vorgaben des islamischen Glaubens massivem Druck von Seiten ihrer Mitschüler, der Schulleitung, Eltern und schließlich sogar durch die Polizei ausgesetzt. Mit diesem Handlungsstrang kritisiert Kramer die US-Paranoia im Nachhall des „9/11“-Traumas, die in einer permanenten Hexenjagd auf Andersdenkende mündet. Im Gegenzug setzt er am pathetischen Ende bei der Vereidigung von Neubürgern, die den bürokratischen Hürdenlauf überwunden haben, patriotisch die „Stars & Stripes“-Flagge bildfüllend in Szene.

        Um differierende Perspektiven zu kontrastieren, wählt der in Südafrika aufgewachsene Regisseur Charaktere aus verschiedenen Schichten, Generationen und Positionen aus. Den von Harrison Ford oder Ashley Judd verkörperten Figuren, die helfend eingreifen wollen, selbst aber wenig Macht besitzen, steht der von Ray Liotta gespielte Verwaltungsbeamte gegenüber, der seinen Status ausnutzt. Das mag etwas akademisch entworfen erscheinen, aber Kramer schafft es letztlich, sein Personal mit Stärken und Schwächen auszustatten, um platte Stereotypen weitgehend zu unterlaufen. Wenn man mitunter gerne mehr über die Figuren erfahren hätte, liegt dieser Umstand nicht unbedingt am Regisseur selbst. Einmal mehr griff „Harvey-mit-den-Scherenhänden“ Weinstein ein und zwang Wayne Kramer, sein überlanges Werk auf unter zwei Stunden zu kürzen. Bei Miramax beziehungsweise der heutigen Weinstein-Company besitzen nur wenige Filmemacher Narrenfreiheit – sprich: das Recht auf den „Final Cut“.

        Man findet Motive aus den beiden ersten Arbeiten des vielseitigen Regisseurs wie etwa Generationskonflikte wieder. Ebenso wie in seinem märchenhaften, wunderbaren Debüt „The Cooler“ dreht sich die Story um Identitätsfindung von Individuen, die letztlich den eigenen Weg erkennen müssen. Für die komischen Elemente sorgt der falsche Jude Garvin mit seinem unbeholfenen Jüdisch-Crashkurs, während der koreanische Jugendliche Yong Kim in einem dramatischen Handlungsstrang an falsche Freunde gerät. Das führt zu einer furiosen, aber etwas unglaubwürdigen Actioneinlage: den Schusswechsel zwischen dem zwielichtigen Cop Baraheri und den asiatischen Möchtegern-Gangstern während eines Ladenüberfalls, der an Kramers gewalttätigen zweiten Film „Running Scared“ erinnert.

        Über weite Strecken glückt Kramer ein packendes Bild des „Culture Clash“ auf engstem Raum. Neben überflüssigen Sentimentalitäten gegen Ende schmälert allerdings die aufdringliche Musikuntermalung die Wirkung. Ausgerechnet Mark Isham, dessen Score schon häufiger Mainstream-Produktionen subtil und eingängig unterstützte, dreht dieses Mal zu stark auf. Ein weiteres Mankos stellt Alice Eves schwache Leistung als australisches Sternchen dar, das den eigenen Körper bedenkenlos zur Erlangung ihrer Ziele einsetzt. Häufig wirkt sie schlicht überfordert. Trotzdem glückt Wayne Kramer ebenfalls mit seinem dritten Film einen vielschichtigen Kommentar zum amerikanischen Traum.
      • | FAZIT

      • Ein dramatischer, mitunter sentimentaler Appell für Rassenverständigung, verbunden mit Betrachtungen zu realen und imaginären Grenzen im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

      Wertung: 7.0/10 (1 vote)

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