Montag | 28. Mai 2012 | 08:11 Uhr
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  • FILM REVIEW | Salami Aleikum
  • Salami Aleikum

    Komödie | Deutschland 2009
  • | INHALTSANGABE

  • Der Deutsch-Iraner Mohsen wohnt mit Ende 20 noch bei seinen Eltern in Köln. Sein Vater will, dass er die Familien-Metzgerei weiterführt. Doch Mohsen kann kein Blut sehen und zieht sich bei Stress zum Stricken auf sein Zimmer zurück. Doch dann wird der Metzgerei die Lizenz entzogen und der Vater landet im Krankenhaus. Mohsen verspricht, dass er nun antritt. Zum Glück schlägt ihm ein Mann gegen Vorauskasse ein Geschäft vor: Er soll aus Polen Schafe importieren, die er nicht selbst schlachten muss.

    Mohsen fährt also in Richtung Polen. Doch irgendwo im Osten Deutschlands macht das Auto schlapp. Hier in Oberniederwalde funkt es zwischen Mohsen und der großen, starken Kfz-Meisterin Ana. Die ehemalige Kugelstoßerin ist Vegetarierin, und deshalb behauptet Mohsen, er brauche die polnischen Schafe für seinen Textilhandel. Das lässt Anas Vater, den Wirt, hoffen: Endlich ist jemand gekommen, der in die geschlossene Textilfabrik aus DDR-Zeiten investieren könnte. Die Kneipe wird also persisch gestylt und Mohsen ist der Ehrengast. Doch dann stehen plötzlich Mohsens Eltern vor der Tür.
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      • | FILMKRITIK

      • In Oberniederwalde tanzen die Ossis wie in einem Bollywood-Film zum Gesang eines Iraners. Doch in der spritzigen Culture-Clash-Komödie „Salami Aleikum“ herrscht nicht immer so viel Einigkeit. Mit Wolfgang Stumph, einer iranisch-stämmigen Schauspielerriege und Anna Böger als Kfz-Meisterin hat Regisseur Ali Samadi Ahadi die Rollen seines Spielfilmdebüts optimal besetzt. Nach der preisgekrönten Dokumentation „Lost Children“ verblüfft der im Iran geborene deutsche Filmemacher mit treffsicherem Witz und gutem Gespür für verschiedene Milieus. In Oberniederwalde bewegt er sich genauso sicher wie in der Kölner Metzgerei der Taheris.

        Für eine deutsche Komödie sind Stilmittel wie animierte Tagträume und das Sprechen der Figuren direkt in die Kamera ungewöhnlich. Es dauert eine Weile, bis die eingestreuten Trips des Liebespaars auf dem fliegenden Teppich oder der Popgesang zu rosarot gemalten Fleischbergen mit der Realhandlung harmonieren. Doch weil diese in einem Wirtshaus im hintersten Osten dann so komisch gelingt, erscheint die locker-flockige Versponnenheit der Beigaben nur sinnvoll: Sie erzeugt eine unbeschwerte Stimmung, die die satirische Freiheit erhöht. So kann im wodkaseligen Dialog der Väter im ostdeutschen Schlafzimmer aus Mohsen ein Moses werden und diese Ausgelassenheit das Terrain für mehr Toleranz pflügen.

        Wenn Mohsen in Ossiland das Gasthaus betritt, hat man ihn bereits als Loser kennen gelernt. Sein Vater beklagt sich über den strickenden Sprössling, der nicht in die uralte Heldenkultur der Perser passt. In Oberniederwalde fällt er auch unangenehm auf, nur weil er ausländisch aussieht. Der Wirt nötigt ihn hämisch zum Verzehr von Schweinenierchen. Wolfgang Stumph beginnt seine Rolle als Ekel aus dem Bilderbuch der Vorurteile, nur um mühelos zum weltoffenen Gastgeber zu mutieren, der sich für die persischen Sitten begeistert. Gemeinsam mit seinem Gegenspieler, dem Wiener Michael Niavarani in der Rolle des Metzgers Taheri, bildet Stumph das Herz der Komödie.

        Der in Köln lebende Schauspieler und Popsänger Navid Akhavan spielt Mohsen als ernsten jungen Mann, der Ärger gewöhnt ist. Doch für die große blonde Ana ist der schüchterne Außenseiter ein Held, der ihr selten gehörte Komplimente über ihr Haar und ihr Wesen macht. Anna Böger spielt die zu DDR-Zeiten gedopte Kugelstoßerin aber nicht als Mannweib, sondern als empfindliche Seele mit weichem Herz.

        Die größte Stärke des Films, dessen Drehbuch der Regisseur mit Arne Nolting verfasst hat, liegt im Dialogwitz. Mit frechem Mut reden vor allem die beiden Väter, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Scharfzüngig kommentieren sie sich gegenseitig ebenso wie die Vertreter anderer Kulturen. Auch die Grenzpolizei äußert ein paar Unfreundlichkeiten, die sonst in einer Spaßgeschichte eher vermieden werden. Die Ossis sind in diesem Film nicht gerade fremdenfreundlich, aber sie erweisen sich als wandlungsfähig und werden richtig sympathisch. Brüderlicher und vergnüglicher kann ein Film 20 Jahre nach dem Mauerfall nicht durch die blühenden Landschaften ziehen.
      • | FAZIT

      • Ein Iraner aus Köln verheißt einem ostdeutschen Kaff den wirtschaftlichen Aufschwung: Heitere Komödie mit treffsicherem Witz von Ali Samadi Ahadi.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 1.0/10 (1 vote)

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