Drama,
Historie
| Australien / China / Deutschland 2008
| INHALTSANGABE
Der junge Brite George Hogg reist 1937 durch China, um in Fotoreportagen über den japanisch-chinesischen Krieg zu berichten. In Nanking wird er Zeuge eines Massakers an Zivilisten und soll wegen seiner Fotos hingerichtet werden. In letzter Sekunde rettet ihn der chinesische Partisanenkämpfer Jack Chen. Die Flucht der beiden Männer führt in ein Lazarett, in dem die amerikanische Krankenschwester Lee Pearson arbeitet. Sie schlägt vor, dass der verwundete Hogg zur Erholung in den abgelegenen Ort Huang Shi gebracht wird.
In Huang Shi findet Hogg ein heruntergekommenes Schulgebäude, in dem jetzt über 60 Waisenjungen wohnen. Nur eine alte Frau kümmert sich unermüdlich um die Kinder. Die traumatisierten Kriegswaisen sind Hogg gegenüber zunächst reserviert bis feindselig, doch das ändert sich bald. Der Brite findet Gefallen an seiner neuen Aufgabe, für die Jungen zu sorgen. Als die Japaner immer näher rücken, macht sich Hogg mit den Kindern und begleitet von Lee Pearson und Jack Chen auf einen 700 Meilen langen Marsch zu einem Dorf am Rand der Wüste Gobi.
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| FILMKRITIK
Nach „John Rabe“ wird in „Die Kinder der Seidenstraße“ ein weiterer Held und Retter aus der Zeit der japanischen Besatzung in China porträtiert. Der britische Reporter George Hogg rettete zwar nicht so viele Menschen wie Rabe, aber sein Marsch über das Gebirge im Winter 1944 mit 64 Kindern eignet sich ebenfalls dazu, als Leinwandabenteuer verewigt zu werden. Regisseur Roger Spottiswoode inszenierte die deutsch-australisch-chinesische Produktion, die vor allem durch ihre Zurückhaltung überrascht.
George Hogg, gespielt von Jonathan Rhys Meyers, will der Welt auf seinen Fotos zeigen, wie die japanischen Soldaten in Nanking wüten. Doch dann wird er beinahe hingerichtet, und muss in Huang Shi seine Wunden pflegen. Nur sehr widerwillig bleibt er in der verlassenen Schule, in der jetzt Waisenkinder hausen, deren Eltern von den Japanern getötet wurden. Vor allem die blonde amerikanische Krankenschwester Lee Pearson, auf deren medizinische Hilfe die Kinder angewiesen sind, imponiert Hogg und bewirkt seinen Sinneswandel. Hogg stellt für die Kinder einen Basketballkorb auf, bringt einen alten Generator wieder in Schwung, so dass die Glühbirnen abends wieder brennen. In der Schule findet bald wieder Unterricht statt und Hogg legt ein Gemüsebeet an.
Die meisten Kinder helfen Hogg gerne, nur ihr jugendlicher Anführer Shi-Kai lehnt den Engländer feindselig ab. Im Ort lernt Hogg die Händlerin Wang kennen, von der er Saatgut erhält. Michelle Yeoh spielt die Chinesin, Chow Yun Fat den Partisanen Jack Chen, die sich beide mit Hogg anfreunden. Radha Mitchell bringt als die selbstlose, idealistische Lee Pearson die Liebe in Hoggs neues Leben.
In stimmungsvollen Bildern vor malerischer Naturkulisse wird Hoggs segensreiches Schaffen in Huang Shi festgehalten. Doch der nahe Krieg sorgt für dramatische Zwischenfälle und tragische Wendungen, auch auf dem späteren Fußmarsch über das Gebirge. Die Geschichte bleibt insgesamt spannend und erhält am Schluss noch eine besondere authentische Note, als einige der damaligen Kinder, die jetzt alte Männer sind, ihre Erinnerungen vor der Kamera schildern.
Aber dem Film fehlt der Glanz eines großen Kinoabenteuers. Vielleicht aus Kostengründen, vielleicht um möglichst viel an Informationen unterzubringen, verweilt die Geschichte nicht an geeigneten Punkten, setzt keine Meilensteine auf ihrem Weg. Die Liebe zwischen Lee Pearson und Hogg, die Beziehungen des Briten zu den chinesischen Kindern und seinen Freunden Jack Chen und Madame Wang bleiben eher hingetupft. Keiner der Charaktere erhält die Gelegenheit zu wirklicher Entfaltung. Die Dialoge und Motive der Figuren wirken manchmal wie bloße Behauptungen und die interessante Handlung wird emotional unter Wert verkauft.
| FAZIT
Ein Brite rettet chinesische Waisenkinder vor der japanischen Besatzung: Zurückhaltend inszenierte Heldengeschichte.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung