Montag | 28. Mai 2012 | 02:24 Uhr
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  • FILM REVIEW | Diese Nacht
  • Diese Nacht

    Thriller, Drama | Deutschland / Frankreich / Portugal 2008
  • | INHALTSANGABE

  • Oberst Ossorio, ein Held des Widerstandes, kehrt in die belagerte Stadt Santa Maria zurück: er will mit seiner Geliebten Clara auf dem einzigen und letzten Schiff fliehen, das am nächsten Morgen ablegen wird. Er wird hineingezogen in einen Sog von Gewalt, Korruption und Sadismus in dieser Nacht des Untergangs: der Widerstand ist zersplittert, die Geheimpolizei verübt willkürliche Gewaltakte, und Clara ist nirgends aufzufinden. Jeder versucht, seine Haut zu retten, bevor der General die Stadt einnehmen wird; und der Tod ist allgegenwärtig.
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      • | FILMKRITIK

      • „In einer Nacht passiert alles, was eine Gesellschaft zersetzen und zerstören kann: Und daraus mache ich ein Fest von grausiger Schönheit“, sagt Regisseur Werner Schroeter; tatsächlich hat er sein Fest mit allem Pomp und aller Opulenz hergerichtet, aber wie das halt so ist bei Partys: manchmal will die richtige Stimmung nicht aufkommen.

        Schroeters Bilder sind Tableaus, kunstvoll arrangierte Stillleben; und deshalb erstarren die Filmfiguren immer mal wieder, die Kamera weidet sich an den bombastischen Settings, die der Film bietet. Ausgeklügeltes Set-Design, Farbdramaturgie, Bildkonstellationen machen aus diesem Film ein visuelles Erlebnis – was freilich von seinem Inhalt kaum abgedeckt werden kann.

        Schroeter hat einen Roman eines südamerikanischen Schriftstellers verfilmt, der 1942 erschienen ist und sich inspirieren ließ von zwei Flüchtlingen aus dem faschistischen Spanien. Es geht um die letzte Nacht vor dem Untergang einer Stadt, eine Nacht, die zwischen realer Zeichnung und phantasmagorischer Abbildung von alptraumhafter Qualität changiert – solche Bilder, wie Schroeter sie bietet, findet man nicht oft im deutschen wie im internationalen Film. Doch hinter all den vielen Symbolismen, hinter all den gewollten Absurditäten und den Skizzierungen von schönem Schrecken steckt - nein, dahinter steckt zwar nicht nichts, keine hohle Leere, aber dafür spürbar eine Konstruktion aus Behauptungen, die aus dem Kunstvollen etwas Künstliches macht.

        Oberst Ossorio ist zurückgekehrt, um seine Geliebte zu suchen, und lässt sich durch die Nacht treiben, von einem Nachtklub, in der am Rande des Vulkans getanzt wird, zum Hauptquartier des Widerstands, durch Straßen mit Erschossenen und in eine Pension, wo so etwas wie Ruhe bestehen könnte, und auch in das Versteck des untergetauchten Herrn über die Stadt, der einen goldenen Thron hat und eine Menge Sprengstoff und eine Maschinenpistole (wie sowieso fast jeder) und auf dem Fußboden eine Menge Flaumfedern, die sich über rotem Samt verstreuen. Was sehr schön aussieht. Am nächsten Tag wird der General die Stadt einnehmen, vorher müssen noch die aussichtsreichsten Positionen für die neue Zeit eingenommen werden: Widerständler und Geheimpolizeichef bekriegen sich gegenseitig, und wer von der geflohenen Regierung übrig ist, will auch einen Teil der künftigen Macht für sich sichern. Keiner hat sich irgendeine Form der Menschlichkeit bewahren können. Dazwischen Ossorio, der als einziger zwei Tickets hat für das Schiff, das einzige, das am Morgen den Hafen verlassen wird, in die Sicherheit…

        Doch was soll hier erzählt werden? Von Huren und Gewalttätern, von Korrupten und Lebensgierigen, von Verrat und Verzweiflung, von Blut und Vergewaltigung, Sadismus und Macht – doch richtig spürbar wird die Untergangsstimmung nicht, die Psychologie der Figuren ist beschränkt auf die niedersten Instinkte von fight or flight, von money and fucking. Und es ist auch vom Plot her inkonsistent erzählt: Ossorio, der so sehr nach seiner Clara sucht, steigt gleich zu einer Bekannten in die Badewanne, als er sie nackt gesehen hat, und vögelt sie heftig durch; unter den Augen eines Kindes.

        Und so bekommt man zwar eine Ahnung dessen, was da für eine Untergangsdystopie präsentiert werden soll; doch wirklich heineinkommen, in die Figuren, in die Atmosphäre, kann man nicht. Hinter der Bildgewalt fehlt die Erzählgewalt.
      • | FAZIT

      • Ein großangelegtes Gemälde von Tod und Untergang und dem unbedingten Willen zu überleben; leider kann das Inhaltliche mit dem Visuellen nicht mithalten.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Harald Mühlbeyer

      • | Userwertung

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