Montag | 28. Mai 2012 | 02:36 Uhr
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  • FILM REVIEW | Zerrissene Umarmungen
  • Zerrissene Umarmungen

    Drama, Crime, Romanze | Spanien 2009
  • | INHALTSANGABE

  • Drehbuchautor Mateo ist 1994 bei einem Autounfall erblindet, seine Geliebte Lena ist gestorben. Nun, 2008, schreibt er noch immer Drehbücher, zusammen mit Diego, dem Sohn seiner Produzentin Judit. Regieführen freilich kann er nicht mal, das durfte er nur einmal, damals, 94, bei einer Komödie namens „Frauen und Koffer“. In der Hauptrolle Lena, die wiederum mit dem Finanztycoon Martel liiert war, der den Film finanzierte, um Lena an sich zu binden. Und der sie und Mateo bei ihrer Affäre eifersüchtig von seinem schwulen Sohn per Video überwachen ließ, unter dem Vorwand, ein Making of zu drehen... Wobei die ganze Zeit auch Judit in Mateo verliebt ist. Und dann, 2008, taucht Martel Junior wieder auf, der einen Film über seinen Vater drehen will.
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      • | FILMKRITIK

      • Pedro Almodovar mit einem Film im Film-Film? In dem er Komik mit heftigem Melodram vermischt und einen Schuss Noir beigibt? Den er in seiner typisch verdrehten, ja überdrehten Weise strukturiert und inszeniert, dem er seine hyperreale Farbgebung verleiht, den er mit vielen Filmzitaten spickt, die alle zurückspiegeln auf die Befindlichkeiten seiner Filmfiguren? Der also ein auf vielen Ebenen arbeitendes, verzwickt-verzweigtes tragikomisches Vergnügen sein sollte, mit all den Emotionen und Absurditäten, die man sich wünschen kann: kann das schief gehen?

        Es kann.

        „Zerrissene Umarmungen“ wirkt selbst in sich zerrissen. Nach langer Exposition, in der die verschiedenen Figuren ausführlich etabliert werden, weiß man noch immer nicht, wohin der Film will; besser: worum es eigentlich geht. Er verzettelt sich in Nebenhandlungen, die zunächst ununterscheidbar sind vom roten Faden des Films. Und das wird nicht besser: denn am Ende findet man heraus, dass das, was den Film im Innersten zusammenhält, eigentlich ganz harmlos ist, ziemlich dünn und auf jeden Fall nichts, was den Zuschauer in irgendeiner Weise fordern würde; oder auch nur überraschen. Genau das freilich hat die Form des Films eigentlich versprochen.

        Ein Drehbuchautor, Mateo, der erblindet ist und mit Diego, dem Sohn seiner Produzentin Judit, seine Filmscripts verfasst; die wiederum seit Jahren unglücklich in ihn verliebt ist; während er selbst nur noch unter seinem Pseudonym Harry Caine lebt, sein wirkliches Ich hat er 14 Jahre zuvor, mit seinem Unfall, abgegeben, bei dem seine Geliebte Lena starb; die wiederum verbandelt war mit einem Finanztycooon, Martel, der in einer Besessenheit von ihr gefangen war, so dass er ihr einen Film mit Mateo als Regisseur finanzierte, sie aber zugleich durch seinen schwulen Sohn, der ein Making of drehte, überwachen ließ: Das ist alles so verkorkst, so miteinander vernetzt, spielt auf zwei Zeitebenen (2008 und 1994, bei den Dreharbeiten vor Mateos Unfall), doppelt zudem alles mit dem Film im Film von Mateo und zudem mit dem Making of, aus dem Martel alles erfährt über Lena und Mateo – dank einer Lippenleserin wegen des verrauschten Videotons; ist auch durchsetzt von heftigen Leidenschaften und großen Gefühlen der Liebenden untereinander, wobei sich das Drama deshalb entfaltet, weil diese Leidenschaften fehllaufen, kein Gegenüber finden: doch irgendwie kann sich alles nicht so recht entwickeln, wie es erwartbar wäre, und vor allem verpufft ihre Wirkung innerhalb des Films, überträgt sich nicht auf den Zuschauer. Das Potential des Films bleibt unausgeschöpft.

        Was nicht heißt, dass es keine großartigen Bilder, Schauspieler, Dialoge oder Szenen gäbe. Es mangelt schlicht an Substanz, die dahinterstehen könnte.

        Diego und Mateo/Harry erfinden im Film einmal die Story für ein Drehbuch, inspiriert von Blutspendeplakaten: „Dona Sangria“ soll es heißen, und sie reden sich in Feuer, spielen sich die Ideen hin und her, dass es eine Lust ist: In all den Blutbanken arbeiten Vampire, die die Blutspenden für sich behalten; die die perfekten Nachtarbeiter sind, in Discos und Gastronomie ganz dick im Geschäft stecken; die auch eine Menge Geld verdient haben, weil sie eine ganz starke Sonnencreme – zum eigenen Schutz – entwickelt haben. Eine dieser Vampire, Dona, nun verliebt sich in einen Normalsterblichen, hat aber Angst, ihn in einer Stunde der Leidenschaft zu beißen (kennen wir so was nicht von Stephenie Meyer? Aber es wird heftiger): Küssen ist nicht, Schwanzlutschen schon gar nicht; wenn er sie leckt, zerbeißt sie ein Kissen; und schließlich, wenns richtig zur Sache geht, trägt sie einen Maulkorb wegen ihrer erigierenden Zähne... Es wäre spannend gewesen, wenn Almodovar in seiner ganz eigenen Stilistik, mit seinen eigenen Manierismen diesen Film gedreht hätte.
      • | FAZIT

      • Irgendwie verliert Almodovar in „Zerrissene Umarmungen“ den Faden; und seine verdrehte Geschichte bleibt verdreht.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Harald Mühlbeyer

      • | Userwertung

      Wertung: 5.0/10 (3 votes)

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