Nahe Warschau lebt der siebenjährige Stefek (Damian Ul) mit seiner 18-jährigen Schwester Elka (Ewelina Walendziak) bei ihrer allein erziehenden Mutter. Den Vater kennt der eigenwillige Junge nur von einem alten Foto. Als er auf dem Dorfbahnhof einen Geschäftsmann (Tomasz Sapryk) erblickt, setzt sich der Knabe in den Kopf, es handele sich dabei um seinen unbekannten Papa. Fortan will Stefek mit allen Mitteln eine Begegnung des Fremden mit seiner Mutter herbei führen, was möglichst beiläufig erscheinen soll. Schließlich brachte ihm seine Schwester bei, wie man das Schicksal mit bestimmten Methoden heraus fordern und beeinflussen kann.
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| FILMKRITIK
In seinem zweiten Spielfilm porträtiert Andrzej Jakimowski den Alltag eines so aufgeweckten wie verträumten Jungen und seiner 18-jährigen Schwester, die in einer Kneipe Geschirr wäscht, aber von einem besser situierten Job in einer italienischen Fabrik träumt. Obwohl die beiden einen vertrauten Umgang miteinander pflegen, schreckt Stefek mitunter nicht davor zurück, Elka zu eigenen Gunsten auszubooten. Als ihr Freund Jerzy, ein Automechaniker, einmal zum Rendezvous erscheint, stellt der Junge die forsche Behauptung auf, sie habe schon einen anderen Termin und lädt sich kurzerhand selbst zur Spritztour auf dem Motorrad ihres Verehrers ein. Die Kamera folgt den beiden darauf in leicht schwankender Travelling-Manier, wie die Bildgestaltung überhaupt ebenso beiläufig wie präzise wirkt.
Ähnlich zwiespältig scheint das Verhältnis des Filmemachers zu seiner ebenfalls 13 Jahre älteren Schwester gewesen zu sein, wenn er ihr im Vorspann den Film widmet - „obwohl sie mich so oft bestraft hat“. Dabei gelingt ihm das treffliche Porträt einer selbstbewussten, aber letztlich noch unentschlossenen jungen Frau, die ihren Weg erst noch finden muss.
Dass Jakimowski die Rollen mit Laien besetzte, auf Proben verzichtete und nach eigenen Worten nie eine Einstellung wiederholte, sieht man dem fertigen Werk in keiner Weise an.
Was anfangs wirkt wie beiläufige, stimmungsvolle Beobachtungen aus der polnischen Provinz, entpuppt sich im Verlauf als perfekt komponierter, präziser Handlungsaufbau.
Jakimowski greift gewisse Szenen, Motive, Ideen, etwa um Zinnsoldaten, Melonen, das Motorrad oder Tauben, immer wieder auf, variiert sie und setzt sie fort. Wie in einem Jazzstück kehrt die originelle kleine Geschichte stets zu einem früheren Handlungsstrang zurück, setzt eine Pointe und entfernt sich wieder. Entsprechend unterlegt er die unaufdringliche Handlung mit verhaltenen, stimmigen Jazzklängen.
Es gelingt dem Regisseur das Kunststück, vor einem realistischen Ambiente mit perfekt ausgewählten Schauspielern eine poetische, magische Atmosphäre zu kreieren, ohne die melancholischen Untertöne der wirklichen Welt auszusparen. Hierbei verschweigt er nicht, dass Stefeks Spiel mit dem Schicksal auch negative Auswirkungen haben kann. Wenn der Junge Spielzeugsoldaten postiert, um seinen ‚Vater’ am Verlassen der Bahnhofsgaststätte zu hindern, erscheint dies als versponnener, amüsanter Einfall. Die Platzierung von Geldstücken auf den Zuggleisen als Schicksalsexperiment könnte dagegen gefährliche Auswirkungen haben.
Das macht Jakimoskis wunderbares Kleinstadtporträt letztlich aber nur glaubwürdiger und lebendiger, zumal das warmherzige Filmgedicht, zur Recht für den Auslandsoscar nominiert, bis zuletzt seinen Optimismus bewahrt.
| FAZIT
Die charmante, witzige Tragikomödie um Hoffnung, (Selbst-)Vertrauen und Schicksalslenkung gehört zu den angenehmen Überraschungen dieses Kinosommers.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung