Alex ist 15 als seine Mutter ihm völlig beiläufig mitteilt, dass sein Vater ausziehen und sich von ihr scheiden lassen wird. Von da an überschlagen sich die Katastrophen, die Alex das Leben zur Hölle machen. Zuerst stellt er fest, dass sein Vater mittlerweile mit seiner Sekretärin zusammenlebt, die bereits ein Kind von ihm erwartet. Und auch seine Mutter erlebt – sehr zu seinem Missfallen – einen zweiten Frühling. Ihr Auserwählter heißt Seth und ist Schauspieler.
Da Seth für einen Dreh ins englische Kent geht, beschließt Alex´ Mutter kurzerhand, ihr Haus in Bremen zu vermieten und ihm nach England zu folgen. Alex - für den in Deutschland nun kein Platz mehr ist - bleibt nichts anderes übrig, als den Sommer ebenfalls in dem kleinen Dorf auf der britischen Insel zu verleben.
Doch so langweilig wie sich die Sommerferien zunächst anfühlen entwickeln sie sich gar nicht. Bereits an seinem ersten Tag im neuen Zuhause lernt Alex die selbstbewusste Streunerin Louie kennen, die sich inmitten wilder Natur ein eigenes Zuhause geschaffen hat. Dort pflegt sie kranke und ausgesetzte Tiere und zeigt Alex, dass es nicht unbedingt ein funktionstüchtiges Elternhaus braucht, um glücklich zu sein.
Außer Louie tritt jedoch noch ein weiteres Mädchen in Alex´ Leben. Faye, die gleichaltrige Tochter von Seth kommt aus Amerika zu Besuch. Bereits auf den ersten Blick kann Alex die selbstsichere und scheinbar perfekte Faye nicht leiden. Doch dann erkennt er nach und nach, dass auch in ihrem Leben nicht alles so glanzvoll läuft wie es den Anschein hat. Und während Alex mit dem Chaos in seinem Leben kämpft, geht sein Herz ganz eigene Wege.
WERBUNG
| FILMKRITIK
Was täten debütierende Filmemacher ohne die Pubertät? Sie hätten so gar nichts zu erzählen. Wie zum Beispiel Lisa Marie Reich, die in ihrem ersten Langfilm eine leichte Coming-of-Age-Geschichte zum Leben erweckt, wie man sie besonders gut an warmen Sommertagen genießen kann.
Francois Goeske, der kein unbeschriebenes Blatt mehr ist, schlüpft in die Rolle des heranwachsenden Alex Homann. Seine Eltern erleben ihren zweiten Frühling während Alex noch auf seinen ersten wartet. Gleichzeitig muss er sich das erste Mal in seinem Leben in Eigenverantwortung üben, da ihm seine frische verliebten Eltern klar machen, dass auch sie ein Recht auf eigenständiges Glück haben. Und so steht seine Welt Kopf, zumindest so lange, bis ihm bewusst wird, dass sie gerade durch die großen Veränderungen in seinem Leben erstmals gerade gerückt wird.
Denn nicht jede Veränderung muss schlecht sein, vor allem dann nicht wenn gleich zwei selbstbewusste und hübsche Mädchen dazu gehören. Ihre Anwesenheit verkompliziert Alex´ Lage jedoch noch zusätzlich, denn welchem 15jährigen Jungen würde es keine Probleme bereiten, gleichzeitig die Scheidung der Eltern und das Erwachen der ersten großen Liebe - mit all den dazu gehörenden Irrungen und Wirrungen - zu verkraften.
"Summertime Blues" wird konsequent aus Alex´ Sicht erzählt, was besonders durch seine kommentierende Voice-Over-Stimme hervorgehoben wird, die seine Gefühlswelt erklärt. Nicht immer ist dieser Kommentar wirklich notwendig, denn bereits die komplex gestalteten Charaktere sorgen dafür, dass der Film nicht auf der Oberfläche verharrt. Während die Eltern teilweise etwas zu flach und klischeehaft wirken, nimmt der Film die jungen Darsteller sehr ernst. Lisa Marie Reich lässt ihnen den Freiraum den sie brauchen, ohne sie in alberne Pseudo-Jugendlichkeit zu drängen.
Im Gesamten betrachtet ist "Summertime Blues" ein nettes Erstlingswerk, bei dem zwar nicht alle Darsteller auf gleichem Niveau agieren und das bisweilen auch etwas zu sehr in Richtung Klischee und Kitsch tendiert, dessen Geschichte aber ebenso überzeugend ist wie der gelungene Score und der angenehm leichte Humor, der den Film wie ein roter Faden durchzieht.
| FAZIT
Ein angenehmes, leichtes Erstlingswerk über die Schwierigkeiten des Älterwerdens und den Irrungen und Wirrungen der ersten großen Liebe.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung