Alex Fayard ist französischer Krimi-Bestsellerautor und glühender Verehrer (und Nacheiferer) des japanischen Krimimeisters Shundei Oe, der eine geheimnisumwitterte Existenz führt: niemand weiß, wer er ist… Fayard hofft, sein Idol dennoch treffen zu können, erhält von diesem aber nur Drohungen – ist Oe neidisch, weil Fayards neues Buch das seine von den Bestsellerlisten gedrängt hat? Da lernt Fayard die Geisha Tamao kennen, in die er sich verliebt. Und die ihm offenbart, ebenfalls bedroht zu werden; denn der Mann, dessen Liebe sie einst verschmäht hatte, war niemand anderes als Shundei Oe, der nun offenbar zum Psychopathen geworden ist.
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| FILMKRITIK
Der Film beginnt knallhart, im Rotlichtmilieu irgendwo in Japan, wo ein Polizist in eine böse Falle tritt. Maskiert und von absoluter Bosheit erfüllt tritt der Schurke aus dem Nebel, nachdem der Polizist eine enthauptete Geisha vorgefunden und versehentlich, in höchster Anspannung, eine andere erschossen hat – die, die er liebt… Damit ist er in der Zwickmühle gefangen zwischen Schuld, Sünde, Schmerz und Tod, aus der er nie wieder herauskommen wird, manipuliert und ausgenutzt zum größtmöglichen sadistischen Vergnügen des Bösen…
Was wir gesehen haben, war eine werkgetreue Verfilmung eines Romans von Shundei Oe, dem geheimnisvollen Bestsellerautor, den noch niemand zu Gesicht bekommen hat. Dessen größter Bewunderer, der Franzose Alex Fayard, zu einem Konkurrenten anwächst, als dieser in Japan mit seinen eigenen, epigonischen Werken die Bestsellerlisten erklimmt. Der Oes Werk analysiert hat: darin fehlt jede Anwandlung von Moral; das Gute ist nicht-existent, oder es wird genussvoll vernichtet; während Fayard in seinen Krimis dieselben Elemente wie Oe verwendet, in seinem Werk aber dem Guten, dem Moralischen Raum zugesteht…
Tatsächlich, das lernen wir im Lauf des Films, braucht Oe gar keinen Grund, jemanden in eine tödliche Intrige zu verwickeln; nicht in seinem literarischen Werk und nicht im wahren Leben, wo er es auf Fayard abgesehen hat. Er tut es einfach: So wie er in seinen Romanen von Lust und Schmerz und Tod erzählt und jede Moral außen vor lässt, geht er gegen die vor, die er sich als Widersacher auserkoren hat. Mit Alex entdecken wir dieses Netz von Bosheit, das der mysteriöse Oe über ihn geworfen hat.
Der große Fehler des Films ist, dass er als Whodunit angelegt ist, dass es zu einem Teil zumindest für den Zuschauer darauf ankommt, mitzurätseln, wer denn der geheimnisvolle psychopathische Bösewicht ist… Problem dabei: Das ist so ziemlich von Anfang an klar; und der deutsche Titel hilft nicht gerade, das ganze geheimnisvoller zu machen…
Während Barbet Schroeder in dieser Hinsicht versagt (die er leider in den Mittelpunkt seiner Dramaturgie rückt), kann der Film immerhin am Drumherum punkten. Und das ist vor allem die Ausgestaltung einer Atmosphäre des Ausgeliefertseins, des Verlustes der eigenen Souveränität, die man selbst gar nicht gleich bemerkt; des unbemerkten Manipuliertwerdens in einer fremden, unübersichtlichen Welt. Da fließen der Clash der Kulturen (mit dem Franzosen in Japan, der meint, zu verstehen, und doch gar nichts weiß) ebenso ein wie kleine Spannungselemente um die Frage, wer noch alles in die Intrige involviert ist. Und genauso auch die ironischen Verweise auf die Standards der Kriminalliteratur wie auch des filmischen Thrillergenres der B-Klasse, die der Film in seiner Handlung immer wieder aufgreift – eine Kriminalverfilmung über Krimischriftsteller, die wiederum Stoff für Filme liefern…
| FAZIT
Dafür, dass der Film in seiner dramaturgischen Struktur als Whodunit gescheitert ist, ist er insgesamt doch nicht völlig misslungen. Und hat sogar ein paar unvergesslich atmosphärische Szenen zu bieten.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung