John Dillinger war ein berüchtigter Bankräuber während der Great Depression in den USA. Das Bureau of Investigation, John Edgar Hoovers Vorläufer des FBI, erklärte ihn zum ersten Staatsfeind Nr. 1. Von 1933 bis zu seinem Tod im Juli 1934 raubte Dillinger Banken im Mittleren Westen aus, brach wiederholt aus dem Gefängnis aus und führte Polizei und Regierung an der Nase herum. Er hatte viele Bewunderer und Sympathisanten in der Bevölkerung.
Hoovers Bundespolizei setzte einen jungen Agenten namens Melvin Purvis auf Dillinger an. Purvis nutzte moderne Techniken wie das Abhören von Telefongesprächen, um Dillingers Schritte zu verfolgen. Während das FBI mehrere massive Rückschläge hinnehmen musste, konnte Dillinger mit seiner Geliebten Billie Frechette für kurze Zeit von einer glücklichen Zukunft träumen.
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| FILMKRITIK
Regisseur Michael Mann hat der amerikanischen Gangsterlegende John Dillinger ein filmisches Monument geschaffen. Johnny Depp verkörpert den Bankräuber der Depressionsära, der schnelle Autos, Maschinenpistolen und ein gut organisiertes Netzwerk von Kriminellen nutzte, um der Polizei ihre Grenzen aufzuzeigen. „Public Enemies“ ist mit akribischer Detailtreue inszeniert, wenn es um den Look der dreißiger Jahre geht. Insgesamt durchzieht die bleihaltige Action eine entrückte, sehr ästhetisch orientierte Romantik, die auszudrücken scheint, dass man Legenden nicht wirklich nahe kommen kann.
Der eigentliche Gegenspieler von John Dillinger ist in diesem Film der junge FBI-Agent Melvin Purvis, den Christian Bale verkörpert. Bale stattet den Charakter mit einer zähen, immer ernsten Leidenschaft für seinen Auftrag aus. Dass es dabei um Leben und Tod geht, steht in seinem getriebenen, freudlosen Gesicht förmlich geschrieben. Ist Johnny Depp als Dillinger bereits sehr ernst, so wirkt Bales Charakter immer noch eine Spur besessener. Purvis und seine Kollegen hatten die bundesweite Aufmerksamkeit im Nacken und nach jedem Schnippchen, das ihnen Dillinger schlug, einen um so größeren Erfolgsdruck.
Mal entkommt Dillinger aus dem schwer bewachten Gefängnis am Steuer des Dienstwagens des Sheriffs, mal entwischt er der Mannschaft von Purvis aus einer abgelegenen Waldpension in Wisconsin. Dass Michael Mann die misslungene Festnahme am Originalschauplatz in der Little Bohemia Travel-Lodge drehte, verstärkt den eigentümlich nostalgischen Charme des Films.
John Dillinger fährt stets glänzende schwarze Automobile, die im Stadtbild der dreißiger Jahre die perfekten Symbole für Status und Reichtum sind. Die penible Sorgfalt, die Mann bezüglich der zeittypischen Straßenbilder, Kostüme und Utensilien beweist, zeigt er auch bei den Lichtkompositionen und Kameraperspektiven. Harte Schatten, viel Dunkel, von unten oder leicht schräg gefilmte Gesichter vor Gebäuden mit der damaligen strengen Architektur bezeugen Manns Interesse an der optischen Herausforderung.
In manchen Szenen steigert Mann die ästhetische Freude am Bebildern zu Ausflügen in die Romantik. Endlos lange hält Dillinger aus dem fahrenden Fluchtauto einen verwundeten Kumpel am Arm fest, der scheinbar schwerelos mitgeschleift wird, bis er schließlich im Staub der Straße versinkt. Der Sinn mancher langsamen Annäherung zum Beispiel an einen Tatort erschließt sich jedoch nicht und angesichts der vielen Zeit, die zur Verfügung steht, ist es besonders ärgerlich, wie wenig der Film Wert auf Charakterdarstellung legt oder darauf, wie die Menschen damals tickten. Atmosphäre und Lebensgefühl der dreißiger Jahre werden nicht wirklich eingefangen.
| FAZIT
Regisseur Michael Mann ist mehr an ästhetischen Bildern interessiert als an der Person des legendären Bankräubers John Dillinger.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung