Die elfjährige Anna Fitzgerald wurde von ihren Eltern gezeugt, um ihrer älteren Schwester Kate das Leben zu retten. Als genetische Entsprechung von Kate konzipiert, spendet sie der an Leukämie Erkrankten Knochenmark und Blut. Doch jetzt weigert sich Anna, auch eine Niere herzugeben. Sie nimmt sich einen Anwalt und zieht gegen ihre Eltern vor Gericht.
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| FILMKRITIK
Regisseur Nick Cassavetes hat mit der Verfilmung des Romans „Beim Leben meiner Schwester“ von Jodi Picoult ein ergreifendes Drama geschaffen. Der Leidensweg einer Familie mit einer krebskranken Tochter wird so emotional erzählt, dass es an manchen Stellen sehr schwerfällt, die Tränen zurückzuhalten. Die Kraft der Gefühle entfaltet sich umso stärker, als Cassavetes ihnen auch nüchternen Realismus entgegensetzt. Dies ist kein Film, der auf eine bestimmte Wirkung schielt, sondern der sich in den Dienst seines schweren Themas stellt.
Cameron Diaz spielt die Mutter Sara, eine erfolgreiche Anwältin, die wegen der kranken Tochter nicht mehr arbeitet. Sie widmet sich eisern dem Wohlergehen von Kate, und sie war auch die treibende Kraft hinter der genetisch passenden Zeugung von Anna. Dieses Mädchen, das eines Tages den aus der Werbung bekannten, von Alex Baldwin gespielten Anwalt Campbell Alexander aufsucht, wird von der aufgeweckten Abigail Breslin dargestellt.
Dass ein elfjähriges Mädchen gegen die eigene Mutter vor Gericht antritt und von ihr im Zeugenstand befragt wird, könnte der Glaubwürdigkeit des ganzen Films leicht zum Verhängnis werden. Doch Cassavetes stellt den Prozess und andere Fragezeichen der Geschichte nicht in den Mittelpunkt. Er nähert sich mit vielen, von den Off-Kommentaren einzelner Familienmitglieder begleiteten Rückblenden und Momentaufnahmen dem Lebensgefühl dieser fünf Menschen an. Nicht nur Kate, wunderbar und zunehmend engelsgleich gespielt von Sofia Vassilieva, kämpft gegen den Tod, auch Sara, ihr Mann Brian, der jugendliche Bruder Jesse und die kleine Anna stehen im Dienst dieses Kampfes, denn die Krankheit ist zur Existenzfrage für die ganze Familie geworden.
Cassavetes zeigt, wie die besorgte Sara nachts ans Fenster geht, als Kate von einem Date mit ihrem krebskranken Freund Taylor heimkommt, oder wie die Mutter im Krankenhaus sitzt, stumm, aufmerksam, die permanente Begleiterin ihrer Tochter. Die wunderbare Cameron Diaz ist in dieser Rolle zurückhaltend und setzt einen Kontrapunkt zu dem sehr emotionalen Geschehen. Nicht nur Anna gegenüber ist sie eher kühl, wirkt aber dennoch präsent und groß.
Es gibt Stummszenen mit lachenden Gesichtern, Seifenblasen oder sich brechenden Wellen am Strand. Dazu lässt Cassavetes Popsongs erklingen. Wie der Regisseur den Abschied vom Leben als eine große Hymne darauf gestaltet, erinnert sogar an die Intensität des von Julian Schnabel inszenierten „Schmetterling und Taucherglocke“. Cassavetes verschont die Zuschauer aber nicht mit schrecklichen Bildern. Und er bleibt offen für die Wirklichkeit der Umgebung, die oft indifferent ins Bild strömt und die Spannung eher noch verstärkt.
| FAZIT
Bewegendes Drama von Nick Cassavetes über ein Mädchen, das seiner krebskranken Schwester nach dem Willen der Eltern Knochenmark und Organe spenden soll.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung