FILM REVIEW | Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft
Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft
Drama,
Biografie
| Frankreich 2009
| INHALTSANGABE
Als kleines Mädchen wird Gabrielle Chanel zusammen mit ihrer Schwester Adrienne 1893 in ein Waisenhaus gebracht, wo sie vergeblich auf des Vaters Rückkehr hofft. Jahre später tingeln die beiden Schwestern als Sängerinnen gemeinsam durch die Variétes. Nach Adriennes Abschied und einem erfolglosen Vorsingen sieht Gabrielle, inzwischen nach einem Song in Coco umbenannt, ihre Showkarriere schwinden.
Glücklicherweise lernt die in Geldnöten steckende Näherin den Offizier Etienne Balsan kennen, in dessen Schloss sie sich kurzerhand selbst einquartiert. Bei einem der rauschenden Feste begegnet sie dem britischen Geschäftsmann Arthur „Boy“ Capel, der ebenfalls um sie wirbt. Um sie am Weggehen zu hindern, macht Balsan macht der burschikosen jungen Frau sogar einen Heiratsantrag, doch Coco ist stärker um ihre Unabhängigkeit bedacht. Die beweist sie gleichsam, indem sie ihre eigene Kleidung schneidert und damit Aufsehen erregt.
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| FILMKRITIK
Gleich mehrere filmische Biografien drehen sich um derzeit um Modezarin Coco Chanel. Nach einem Fernsehfilm mit Shirley MacLaine, den Jugendjahren mit Audrey Tautou sowie Jan Kounens Romanze „Coco Chanel & Igor Stravinsky“ mit Anna Mouglalis, dem Cannes-Abschlussfilm 2009, konzentriert sich demnächst Daniele Thompson auf den späteren Werdegang der kreativen Französin.
Wie der Originaltitel „Coco bevor Chanel“ unterstreicht, beschäftigt sich Anne Fontaine mit den frühen Jahre der selbst bewussten Gabrielle. Da spielt es keine Rolle, dass das elegant fotografierte Melodram um die talentierte Individualistin mit den Fakten relativ frei umgeht. Unter Mitarbeit des britischen Dramatikers Christopher Hampton ("Gefährliche Liebschaften") zeichnet Fontaine den Weg einer zwar mittellosen, aber selbstsicheren jungen Frau zwischen zwei Männern.
Coco Chanel muss bald erkennen, dass ihr auf Dauer eine Karriere als Sängerin verwehrt bleibt. Ohnehin bringt ihre Cabaretlaufbahn eher unangenehme Männerkontakte zwischen Säufern und vergnügungssüchtigen Soldaten mit sich. Daher ergreift sie die Gelegenheit, durch den Kontakt zu dem wortgewandten, großspurigen Baron Etienne Balsan einer wenig aussichtsreichen sozialen Lage zu entkommen, obwohl der Aristokrat auf den ersten Blick nicht unbedingt ein Mann nach Cocos Geschmack ist. Der zumeist in komödiantischen Rollen besetzte, schalkhafte Benoit Poelvoorde erhielt von den Autoren einige witzigen Dialoge auf den Leib geschneidert und bringt einen humorvollen Unterton in das Epochendrama ein. Dem ausgelassenen Lebemann steht bald der eloquente britische Geschäftsmann Boy Capel gegenüber, ein charmanter Gesprächspartner, wobei der Amerikaner Alessandro Nivola im Original durch ein fast akzentfreies Französisch überrascht. Letztlich weist die ungebundene Coco, von Audrey Tautou nuancenreich verkörpert, jedoch beider Heiratsanträge zurück.
Ihr Streben nach finanzieller Freiheit geht einher mit der Entwicklung des eigenen Modegeschmacks. Ebenso wie Coco stets für Aufmerksamkeit sorgt, indem sie raucht oder beim Ausreiten einen maskulinen Sitz einnimmt, orientiert sich die stolze junge Frau an der Herrenmode und entwirft bequemere, bodenständigere Kleidung, wie sie etwa mit grüner Krawatte zu hellbrauner Weste auf einer Feier erscheint. Ihre männlichen Gegenüber kommentieren Cocos unkonventionelles Auftreten mit Bezeichnungen wie „Anarchistin“, „Rebellin“ oder ironisch als „junger Mann“. Bald befreit sie sich von der unbequemen Korsage und setzt bei der Hutmode, etwa für die mit Balsan befreundete Schauspielerin Emillienne, auf eine Abkehr von Prunk und Protz. Wie Fontaine die Ablösung des Pferdegespanns durch das Automobil unterstreicht, was am Ende zu einem tragischen Umstand führt, wird die für Frauen wenig komfortable Kleidung durch einen nüchternen, modernen und reduzierten Modestil abgelöst. Dieses Motiv zieht sich mehr beiläufig, aber eindringlich durch den Film.
Gewiss dürfte für die ehemalige Schauspielerin Anne Fontaine, zu Beginn ihrer Akteurslaufbahn in Filmen wie „Zärtliche Cousinen“ vermutlich nicht unbedingt aufgrund ihrer darstellerischen Fähigkeiten besetzt, den eigenwilligen Charakter der so sensiblen wie temperamentvollen Coco Chanel besonders schätzen. Als Autorin und Regisseurin ging sie in der Filmwelt längst ebenso ihren eigenen Weg, wobei allerdings nicht alle ihre Werke so gelungen ausfielen wie dieses stilvolle Melodram.
| FAZIT
Der Aufstieg einer Modeikone mit individuellem Geschmack glänzt durch elegante Ausstattung, perfekte Kameraführung und eine überzeugende Hauptdarstellerin.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung