FILM REVIEW | Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau
Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau
Komödie,
Romanze
| Großbritannien 2009
| INHALTSANGABE
Als der frisch getraute John Whittaker mit seiner amerikanischen Frau Larita ins Landgut der englischen Familie zurückkehrt, zeigen sich Eltern und Schwestern wenig erfreut von seiner kurzfristige Vermählung. Mit dem Vater, einem Ex-Major und Hobbymechaniker, versteht sich die schon einmal verheiratete Rennfahrerin noch am ehesten, doch die unterkühlte Mutter hegt sofort Abneigungen gegenüber der nicht standesgemäßen jungen Frau.
Zunächst bemüht sich Larita noch, es allen Recht zu machen, aber nach einigen Missgeschicken geht die pazifistische Gegnerin der traditionellen britischen Fuchsjagd zum Angriff über. Weil man ihre Vergangenheit enthüllt, fürchtet die als schwarzes Schaf abgestempelte Larita jedoch, John zu verlieren.
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| FILMKRITIK
„Let´s Misbehave“: Cole Porters Swingnummer könnte als Motto für das Aufeinandertreffen zweier Kulturen dienen. Eine zwar elegante, aber Hosen tragende, rauchende Amerikanerin, die in der Männerdomäne des Rennsports reüssiert, Sex liebt und „Lady Chatterley s Lover“ liest, trifft auf eine gelangweilt-snobistische Aristokratie, in welcher der Schein über dem Sein steht. Bei diesem „Culture Clash“ der Gesellschaftsschichten kann es nicht ausbleiben, dass sich schnell feindliche Lager bilden.
Während Johns Schwestern zuerst begeistert auf den unkonventionellen Familienzugang reagieren, schlagen sie sich rasch auf die Seite der abweisenden Mutter, die in Laritas Pollenallergie eine Achillesferse entdeckt. Nach ersten Bemühungen um einen Konsens eckt das platinumblonde Energiebündel mit frei geistigem Lebenswandel bei allen an, wobei ihr Mann John bald eine Entscheidung zwischen Sippschaft und Ehefrau fällen muss. Erst im weiteren Verlauf schält sich die desolate finanzielle Familiensituation heraus, so dass der schöne Anstrich schließlich deutliche Risse erhält.
Nach neunjähriger Pause meldet sich Stephan Elliott, dessen Kultfilm „Priscilla - Königin der Wüste“ sein einziger Kassenhit blieb, mit der Neuverfilmung eines weniger bekannten Noel Coward-Stücks zurück. Nach eigenen Worten wollte der Australier den satirischen Kostümstoff, 1928 schon einmal von Alfred Hitchcock verfilmt, als modernen Kinofilm adaptieren. So treffen die vertrauten Exzentriker des britischen Boulevards auf eine emanzipierte Frau mit ungebührlichem Verhalten und klassische Cole Porter-Titel auf aktuelle Popnummern wie „Sex Bomb“, „Car Wash“ oder „When the Going Get s Tough“, interpretiert allerdings in Ragtime-Arrangements. Ebenso zielen die bissigen Dialoge gelegentlich tiefer unter die Gürtellinie als es bei Coward wohl der Fall war.
Wenn Elliotts Werk mit dem Zeichen der berühmten Ealing-Studios öffnet, knüpft sein filmisches Comeback bewusst an die goldene Zeit britischer Komödientradition an. Schräge Musical- und Slapstick-Einlagen erinnern zudem an Hollywood-Glamour. In extremen Kameraperspektiven, oft durch Gläser, Spiegel oder Scheiben fotografiert, findet sich seine vertraute Handschrift wieder. Häufig warf man Elliott vor, Stil dominiere bei ihm über Inhalt. Das trifft hier nicht unbedingt zu, obwohl sich in der zweiten Hälfte Längen einstellen und die Gags mitunter reichlich albern wirken. Wenn sich am Ende Larita und der stets gelangweilte Mr. Whittaker, frustriert vom britischen Understatement, als Geistesverwandte entpuppen, bringt diese Wendung einen wohltuend tragischen Unterton in die leichtfüßige Geschichte.
Zwar spielt Jessica Biel nicht in der gleichen darstellerischen Klasse wie die großartige Kristin Scott Thomas, doch der Ex-Tenniestar schlägt sich achtbar unter den britischen Kollegen, zumal sie Gelegenheit erhält, ihre tänzerischen und gesanglichen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Die meisten Lacher verbucht jedoch Kris Marshall als rauchender, sarkastische Butler, der auf das tolle Treiber seiner Herrschaft mit dauerhaftem Desinteresse reagiert.
| FAZIT
Stephan Elliotts Rückkehr auf die Leinwand kann das anfängliche Tempo und den scharfen Witz nicht über die volle Laufzeit durchhalten, bringt aber frischen Wind ins leicht angestaubte Kostümfilm-Genre.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung