Die Dokumentation porträtiert drei Ehepaare im so genannten Deutschen Dorf in Südkorea. Das Dorf wurde für Gastarbeiter errichtet, die nach langen Jahren in Deutschland als Rentner in die Heimat zurückkehren. Die drei Koreanerinnen, die als Krankenschwestern in Deutschland arbeiteten, leben nun mit ihren deutschen Ehemännern in hübschen, im deutschen Stil erbauten Häusern mit roten Ziegeldächern und Holzgeländern. Sie haben sich hier in einem Alltag eingerichtet, der Elemente aus beiden Kulturen mehr oder minder harmonisch verbindet.
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| FILMKRITIK
Die koreanische Regisseurin Sung-Hyung Cho sorgte in Deutschland bereits 2007 mit ihrer Dokumentation „Full Metal Village“ für Aufsehen. Jetzt hat sie in ihrer Heimat drei deutsch-koreanischen Ehepaaren über die Schulter geschaut, die im „Deutschen Dorf“ als Rentner leben. Die drei koreanischen Frauen kamen wie viele ihrer Landsleute in den siebziger Jahren nach Deutschland, um als Krankenschwestern zu arbeiten. Sie heirateten deutsche Männer, mit denen sie nun ihren Lebensabend in Südkorea verbringen. Das Dorf mit den so deutsch aussehenden schmucken Häusern wurde zwischen den Bergen und der Küste auf einer malerischen Anhöhe errichtet, damit die ehemaligen Gastarbeiter im Alter unter sich sein können.
Vor seinem Haus erklärt Armin, wie ein deutscher Handwerker die Terrasse abdichtet und zeigt seine aus Deutschland mitgebrachte Betonmaschine. Armin aber bringt noch mehr Heimat an die südkoreanische Küste: Er verkauft selbstgemachte Würste. Wenn man dem Perfektionisten und Tatenmenschen eine Weile zuhört, wähnt man seine Frau in seinem Schatten, doch weit gefehlt: Alle drei koreanischen Rentnerinnen können sich neben ihren Männern wortstark behaupten.
Die Filmemacherin porträtiert die drei Paare in ihrem Alltag sehr unterhaltsam, lässt die Eheleute einzeln Stellung beziehen zu den kulturellen Unterschieden in Deutschland und hier und fängt viele witzige Situationen ein, in denen die deutschen Männer freimütig kommentieren, was sie von der koreanischen Bauweise, dem Alltag im Dorf und den fremden Bräuchen halten. Der Blick der Ehemänner, der sowohl distanziert, als auch wohlwollend über die Umgebung schweift, sorgt dafür, dass es viel zu lachen und zu schmunzeln gibt.
Armins Frau singt auch in Südkorea deutsche Lieder und bäckt Brötchen, deren Gewicht genauestens stimmen muss. Sie sagt, sie denke längst mehr deutsch als koreanisch. Ludwigs Frau führt ihn in einen buddhistischen Tempel und ein Schwitzhaus, und feiert koreanisches Neujahr mit einer Zeremonie, bei der alle vor der Sitzgarnitur auf dem Boden Platz nehmen. Willis Frau redet nur mit ihm Deutsch, aber wenn sie sich mit einem Gast unterhält, versteht Willi kein Wort. Das schmucke Dorf ist, durchaus nicht zur Freude seiner Bewohner, längst zur Touristenattraktion geworden: Koreaner fahren hierher, um sich vor den weißen Häusern und in den Vorgärten zu fotografieren.
Ganz nebenbei durchzieht ein zweites Thema die Dokumentation, in der die alten Leute so bereitwillig tiefe Einblicke in ihr Privatleben gewähren: wie gut sich die Ehepartner ergänzen und wie gelungen ihre Beziehung ist. Sie ist der lebendige und manchmal erstaunliche Beweis, dass kulturelle Unterschiede zur Nebensache werden, wenn Menschen einen emotionalen Draht zueinander haben. Dem Dokumentarfilm mit den zauberhaften Stimmungsbildern und den treffenden Kommentaren der Protagonisten hätte etwas mehr Information, zum Beispiel über die Entstehung des Dorfes, gutgetan.
| FAZIT
Drei deutsch-koreanische Rentnerpaare geben humorvoll und offen Einblicke in ihren Alltag im „Deutschen Dorf“ in Südkorea.
| BEWERTUNG
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