Montag | 28. Mai 2012 | 05:01 Uhr
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  • FILM REVIEW | Taking Woodstock
  • Taking Woodstock

    Musik, Komödie | USA 2009
  • | INHALTSANGABE

  • Um seine Eltern zu unterstützen, hilft der junge Elliott Teichberg in ihrem herunter gekommenen Motel aus, obwohl er lieber nach New York ziehen würde. Als der Teenager von der Absage eines angekündigten Open Air-Festivals im benachbarten Wallkill erfährt, sieht er eine Chance, die marode Absteige zu retten. Zwar entpuppt sich ihre sumpfige Wiese ungeeignet als Austragungsort für eine gigantische Musikveranstaltung, doch Milchbauer Max Yasgur willigt gegen eine entsprechende Summe ein, sein Grundstück zur Verfügung zu stellen.

    Dabei ahnen sie noch nichts vom Ansturm an Organisatoren, Fans und Musikern, die bald ins verschlafene Dorf Bethel einfallen. Der Besuch freizügiger Hippies und Freaks, teils ohne Tickets, wird von der Bevölkerung wenig begrüßt. Für Elliott bietet sich jedoch die Möglichkeit, aus seiner konservativen Welt auszubrechen, zu seiner sexuellen Orientierung zu stehen und Abstand von den dominanten Eltern zu gewinnen.
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      • | FILMKRITIK

      • Nach dem autobiografischen Roman von Elliott Tiber, der sich nicht nur als Retter des Woodstock-Festivals, sondern zugleich als Vorreiter der Schwulenbewegung einen Namen machte, wirft Ang Lee einen humorvollen Blick auf die wilde Flower Power-Ära der ausgehenden sechziger Jahre. Inhaltlich lässt sich der Taiwanese auf kein Genre festlegen, wobei er seit dem „Hochzeitsbankett“ nicht mehr im Komödiensektor tätig war. Sieht man vom Motiv des Coming Outs ab, dem Erkennen der eigenen Homosexualität als Thema von „Brokeback Mountain“ und „Das Hochzeitsbankett“, zieht sich das Element des Generationskonflikts als roter Faden durch Ang Lees Werk. Zurückzuführen ist dies auf die Reaktion von Lees Vater, der lange Zeit den Regisseursberuf abschätzig betrachtete und erst nach dessen Festivalerfolgen stolz auf seinen Sohn war. Daher bezeichnet der vielseitige Filmemacher seinen Einstieg ins Filmgeschäft als „Father knows best“-Trilogie.

        In der Verfilmung des Woodstock-Stoffs nimmt diese Position eher Elliotts Mutter als weiblicher Dagobert Duck ein. Knauserig, grantig und unnachgiebig presst die russischstämmige Jüdin jeden Cent aus den Motelgästen heraus und hält sowohl ihren wortkargen Mann Jake als auch den braven Sohn an der kurzen Leine. Immerhin ist es der großartigen Imelda Staunton als Hausdrache in Kittelschürze und Hornbrille zu verdanken, dass ihre Figur nicht völlig zur Karikatur degradiert wird und die tragische Seite der raffgierigen Immigrantin zum Tragen kommt.

        Dabei dient das Festival mit Sex, Drugs & Rock n Roll für Vater und Sohn als Auslöser, sich von der aggressiven Mrs. Teichberg zu lösen. Dass sein Vater ihn häufiger schlug, verschweigt die Kinoadaption von Tibers Biografie. Vielleicht dürfte die eher positive Zeichnung des schwachen Erziehers darauf fußen, dass sich Elliott später mit dem Vater versöhnte, nicht allerdings mit der ungeliebten Mutter. Sein schwules Outing spielt dagegen eine geringere Rolle. Im Gegensatz zum tatsächlichen Geschehen erkennt der Jugendliche erst durch die Affäre mit einem Mitarbeiter des Organisationsteams und eine Drogen umnebelte Nacht mit einem Hippiepärchen seine wahre Bestimmung.

        Überraschend erscheint während des Nachspanns die Liste an populären Bands, die in den Film tatsächlich Einzug fanden, denn davon hört und besonders sieht man relativ wenig. Das mag einmal darauf zurückzuführen sein, dass die bekanntesten Songs der Ära zu teuer für eine Independentproduktion sind.

        Zum anderen interessieren sich Lee und sein steter Drehbuchautor/Produzent James Schamus weniger für das Musikfestival selbst als für die chaotischen Begleitumstände und die beteiligten (Neben-)Figuren. „American Pie“-Dad Eugene Levy erhielt als geschäftstüchtiger Bauer Max Yasgur eine ernste Rolle, während Liev Schreiber als Transvestit-Bodyguard und der hier noch erträgliche Komiker Dan Fogler als ausgeflippter Leiter der Theatergruppe Earth Light für komische Einlagen sorgen. Mit den Neurosen und Panikattacken von Elliotts Freund Billy (Emile Hirsch) kommen die seelischen Verletzungen der Vietnamgeneration zur Sprache, während sich in der Figur des Michael Lang (Jonathan Groff) naive Hippieseeligkeit und kalkulierendes Geschäftsgebaren vereinen.

        Wenn dieser am Ende sein nächstes Projekt ankündigt, ein Rolling Stones-Open Air-Konzert, das bekanntlich zu mehreren Todesfällen führte, erinnert es daran, dass von der friedlichen Woodstock-Atmosphäre nach kurzer Zeit wenig übrig blieb.
      • | FAZIT

      • Abgesehen von manchen klischeehaft angelegten Charakteren gelingt Ang Lee einen atmosphärisch-hintergründigen Rückblick auf die kurze Sechziger-Utopie von „Love and Peace“.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

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