Während sich London augenscheinlich mitten im Zweiten Weltkrieg befindet, und deutsche Bomber des Nachts aus dem Nichts auftauchen, lässt sich die Londoner Szene von solchen Nichtigkeiten kaum vom Amüsieren abhalten. Man trifft sich im Untergrund und bietet dem Niedergang mutig die Stirn. Die junge Waliserin Vera Phillips (Keira Knightley) betreibt ihre ganz eigene Art von Motivation. Ihre glockenklare Stimme und ihr Schlafzimmerblick bringt nicht nur das Herz des Soldaten William Killicks (Cillian Murphy) zum Schmelzen.
Killick lässt sich von dem schlechten Timing nicht abhalten und versucht Vera hartnäckig von seiner aufrichtigen Bewunderung zu überzeugen. Doch diese wird vom plötzlichen Erscheinen ihrer Jugendliebe Dylan Thomas (Matthew Rhys) abgelenkt. Der Poet schlägt sich mehr schlecht als recht beim britischen Nachrichtendienst durch, wo er deutlich unterfordert ist. Vera und Dylan finden schnell zu ihrer ehemaligen Vertrautheit zurück. So trifft es Vera hart, als sie auf Dylans Ehefrau Caitlin (Sienna Miller), eine temperamentvolle Irin, trifft. Dylan hatte mit keinem Wort etwas von seiner Ehe, noch von seinem Kind erwähnt.
Vera steckt den Verlust nur schwer weg und geht eher zaghaft auf die Annäherungsversuche des scheinbar perfekten William ein. Ihr Kontakt zu Dylan und Caitlin stellt die junge Beziehung immer wieder auf eine harte Probe. Das trinkfeste Ehepaar zieht Vera bald in einen Strudel von verwirrenden Emotionen und Versuchungen, die durch Williams Weggang nur verstärkt werden. Doch zuvor geben sich Vera und William das Ja-Wort, und bald erwartet die junge Sängerin ihr erstes Kind.
Während William in Griechenland kämpft, zieht die ménage à trois aufs walisische Land in zwei kleine Häuser, die sich malerisch in die Klippenlandschaft fügen. Das Leben könnte kaum schöner sein, zwar vermisst Vera ihren wackeren Soldaten, doch die Freundschaft zu Caitlin vertieft sich. Und trotzdem – je näher sich die Drei kommen, desto gefährlichere Wege scheinen sie einzuschlagen. Es wird klar, dass niemand auf diese Art glücklich werden wird. Als der paralysierte William aus dem Krieg zurückkehrt, trifft er auf alles andere als eindeutige Verhältnisse.
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| FILMKRITIK
The Edge of Love verschreibt sich mit Haut und Haaren seinen Darstellern. Während die Kamera fast schon wollüstig die Gesichter von Keira Knightley und Sienna Miller abtastet, geht die Erzählung und Charakterentwicklung mehr als einmal baden. Regisseur John Maybury vertraut auf Schönheit, wo er auf Hässlichkeit setzen sollte, und in den Momenten, in denen der Ästhetik der Vorrang gegeben werden könnte, wird er belanglos und konventionell.
Das ist im Falle von Sienna Miller nicht weiter tragisch. Selbst in ihren schlechtesten Momenten, gewährt die Mimik der jungen Actice Einblick in das unheilvolle Seelenleben von Caitlin MacNamara, die den Zuschauer zu Fesseln vermögen.
Der Fall von Keira Knightley liegt anders. Nicht zu ersten Mal fragt man sich, warum die Knightley eigentlich immer wie ein bockiger Teenager wirkt. Das mag für manche Rollen wie die der Elizabeth Bennett in Pride & Prejudice durchaus seine Berechtigung haben, hier wirkt es unangebracht und an manchen Stellen höchst lästig.
Böse Zungen behaupten, dass ihr Engagement kein Zufall war, und liest man den Abspann sorgfältig, stößt man bald auf den Namen der Drehbuchautorin Sharman Macdonald, niemand Geringes als Knightleys Mutter.
Es bleibt zu hoffen, dass Keira Knightley irgendwann einmal über ihren Schatten springen wird, Mut zur Hässlichkeit beweist und uns alle überraschen wird. Oder sie spielt auch weiterhin, Zeit ihres Lebens immer wieder den gleichen Charakter – doch jetzt einmal ernsthaft, wer hat schon Lust sich das anzuschauen?
Eine wahre Wonne ist es hingegen Matthew Rhys zuzuschauen. Der Schauspieler, bekannt aus der Serie Brothers & Sisters, spielt seine Kollegen spielend an die Wand und schafft es dabei mehr als einmal zu überraschen. Sein Kollege Cillian Murphy bleibt hingegen bedauerlicherweise blass.
Sieht man von der oben erwähnten Kritik ab, erzählt The Edge of Love eine durchaus spannende Geschichte, in der es am Ende um nichts Geringeres als Freundschaft geht. Während man den Charakteren dabei zuschaut, wie sie sehenden Blickes ins Unglück laufen, beginnt man zu ahnen, dass ihnen offensichtlich gar keine andere Wahl bleibt. Die Beziehung zwischen Caitlin und Vera bleibt erstaunlich vage – es wird zwar immer wieder eine Liebesbeziehung angedeutet, doch jegliche Konkretisierung wird schon im Keim erstickt. Doch die Attraktion zwischen Vera und Dylan, und die unwiderstehliche Anziehungskraft, die daraus resultiert, ist die treibende Kraft hinter der Geschichte. Die beiden scheinen füreinander bestimmt, und doch gibt es nichts Abwegigeres als sie als Paar. Das ist tragisch und wird glücklicherweise bis in die letzte Konsequenz ausgereizt.
Letztendlich ist The Edge of Love ein sehenswerter Film, der zwar einige Fehler hat, mit seiner düsteren und ambivalenten Grundstimmung dennoch überzeugen kann.
| FAZIT
Alles in allem durchaus sehenswert, wenn auch zuweilen etwas langatmig.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung