Drama
| Deutschland / Frankreich / Österreich 2009
| INHALTSANGABE
Waris (Soraya Omar-Scego) ist gerade mal 13 Jahre alt, als sie mit einem Mann verheiratet werden soll, der ihr Großvater sein könnte. Obwohl ihr Vater sie von den Vorteilen überzeugen möchte, glaubt ihm das resolute kleine Mädchen nicht. Schweren Herzens nimmt sie Abschied von ihrer Nomaden-Familie und stiehlt sich in der Nacht davon.
Wie durch eine Wunder schafft sie es barfuß durch die Steinwüste Somalias und findet in Mogadischu Unterkunft bei ihrer Großmutter. Doch auch dort kann sie nicht bleiben. Ihre Großmutter vermittelt sie als Hausmädchen an die somalische Botschaft in London. Dort angekommen, darf Waris das Haus nicht verlassen und lebt das Leben einer Sklavin.
Als in Somalia der Bürgerkrieg ausbricht, muss die Diplomatenfamilie ausreisen. Doch die nunmehr zu einer jungen Frau herangewachsene Waris (Liya Kebede) will unter keinen Umständen zurück. Nur mit einer Plastiktüte bewaffnet, setzt sie zum ersten Mal den Fuß in das hektische Großstadtleben.
Durch Zufall trifft sie auf die flippige Verkäuferin Marilyn (Sally Hawkins). Die kontinuierlich quasselnde Möchtegern-Tänzerin hat es Waris angetan und sie folgt der Britin quer durch London. Marilyn ist zunächst irritiert von ihrer neuen Bekanntschaft, doch dann erbarmt sie sich und nimmt sie mit in ihre Unterkunft. Die Wirtin Pushpa (Meera Syal) ist zwar zunächst alles andere als erfreut, doch nachdem Waris einen Job als Putzfrau in einem Schnellrestaurant gefunden hat, darf sie bleiben.
Das Leben mit Marilyn tut Waris gut, bald blüht sie auf und beginnt englisch zu lernen. Doch dann holt sie der Schatten der Vergangenheit ein. Als sie fünf Jahre alt war, wurde Waris, wie es in ihrer Familie Tradition ist, beschnitten und zugenäht. Schockiert stellt Waris fest, dass nicht alle Frauen der Welt diese Tortur erleiden müssen, und entschließt sich dazu sich operieren zu lassen, um nicht ständig unter Schmerzen leiden zu müssen.
Dort trifft sie auf den Fotografen Terry Donaldson (Timothy Spall). Der ist von der gazellenhaften Schönheit sofort angetan und lässt ihr seine Karte da. Doch Waris ist misstrauisch, sie weiß nicht so recht, was sie sich unter einem ,Modefotografen‘ vorzustellen hat.
Doch dann siegt die Neugier und sie geht in Donaldsons Atelier. Nachdem sich Waris vor der Kamera als atemberaubend erweist, vermittelt Donaldson sie an die Agenturchefin Lucinda (Juliet Stevenson). Diese wittert Waris‘ Talent und nimmt sie unter Vertrag. Doch Waris lebt illegal in London, und der gefälschte Pass, den Pushpa ihr besorgt, fliegt sofort bei der ersten Auslandsreise auf. Verzweifelt geht Waris auf das Angebot des Hausmeisters Neil (Craig Parkinson) ein und heiratet ihn. Doch Neil empfindet mehr für Waris, als sie zunächst ahnte. Dabei kann Waris nicht aufhören an den New Yorker Harold (Anthony Mackie) zu denken, den sie in einem Club kennen gelernt hat.
WERBUNG
| FILMKRITIK
Waris Dirie schockierte die Öffentlichkeit, als sie sich eines Tages entschloss nicht erneut ihre Aschenputtel-Geschichte zu erzählen, sondern von dem Tag, der tatsächlich ihr Leben veränderte. Sie war 5 Jahre alt, als sie ihre Mutter mit in die Wüste nahm, wo das kleine Mädchen unter unvorstellbaren Qualen genital verstümmelt wurde. Tagtäglich fallen 6000 Mädchen diesem archaischem Ritual zum Opfer, trotz allem war die Weltöffentlichkeit schockiert, den bisher hatte sich niemand so offen darüber geäußert. Waris Dirie konnte die Menschen mit ihrer Geschichte wachrütteln, und so ist es nur konsequent, dass ihr Bestsellerroman nun verfilmt wurde.
Waris Diries Erfolgsgeschichte liest sich wie eine Märchen. Das kleine Mädchen aus der somalischen Wüste, das einmal über die Catwalks der Welt schweben sollte. Doch das Leid dahinter, ist die Kerngeschichte von Diries Buch und spiegelt sich auch in Sherry Hormanns Verfilmung wieder.
Mit Liya Kebede fand die Regisseurin eine Frau, die in der Lage ist, Waris Unschuld und Trauer, ihre neugierige Verspieltheit und ihre Verunsicherung lebendig wiederzugeben. Dabei konnte das Model bisher nur in kleineren Rollen in Der Gute Hirte und Lord of War - Händler des Todes glänzen. Mit diesem Film schafft sie ihren Durchbruch als ernstzunehmende Schauspielerin. Es ist Kebede zu verdanken, dass Wüstenblume nicht ins graue Mittelmaß der Filmlandschaft absinkt. Denn immer wenn Hormanns Film wieder einmal in die grobschlächtige Skizzierung der Ereignisse verfällt, kann Kebede dem Film wenig etwas Zauber verleihen.
Doch leider kann sie den Film damit nicht retten. Auch wenn sich Hormann die märchenhafte Aschenputtel Geschichte betont unauffällig erzählt, und sich auf Waris tragisches Schicksal konzentriert; Leben kann sie den Charakteren nicht einflößen. Sally Hawkins Charakter wird zu einer monotonen Randfigur, die der Schauspielerin keinesfalls gerecht wird. Die Freundschaft zwischen Marilyn und Waris wirkt an den Haaren herbeigezogen, es fehlt an echten Momenten wie der Szene, in der sich Waris Marilyn zum ersten Mal nackt zeigt. Ein wenig mehr Subtilität hatte der Geschichte gut getan, so wirkt es oft, als hätte Sherry Hormann ihre Schauspieler ins Stadion geschickt, ohne vorher die Taktik zu besprechen.
Hormanns Entscheidung Teile der Geschichte dokumentarisch zu drehen, ist interessant, doch leider misslungen. Nicht nur dass Passanten immer wieder in Kamera schauen, auch die Schauspieler lassen sich dadurch immer wieder von ihrem Spiel ablenken. Einzig allein die Szenen in Afrika können der literarischen Vorlage Stand halten und wirken durch ihre großartige Bildsprache und die emotionale Musik nach.
Das Resultat ist ein Film, in dem man das Gefühl vermittelt bekommt, dass man viel wollte, aber eben nur wenig vermocht hat.
| FAZIT
Eine großartige Hauptdarstellerin in einem mittelmäßig inszenierten Film.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung