Seitdem die Frau, die er liebte, ihn verschmähte und stattdessen seinen Bruder wählte, lebt Quyang Feng in der westlichen Wüste. Als Agent heuert er Schwertkämpfer für Auftragsmorde an. In jedem Frühling bekommt er Besuch von seinem Freund Huang Yaoshi, der ihm dieses Mal einen Zauberwein des Vergessens offeriert. Ein geheimnisvoller Kunde namens Yin verlangt von Ouyang, Huang zu töten, weil dieser Yins Schwester Yang sitzen ließ. Erst später muss der verbitterte Einsiedler erkennen, dass es sich bei Yin und Yang um dieselbe Person handelt.
Im Sommer erscheint ein mittelloses Bauernmädchen, das Ouyang auffordert, den Mord an ihrem Bruder zu rächen. Aufgrund mangelnder Bezahlung lehnt der Geschäftsmann diese Bitte ab. Ein fast blinder Krieger stellt sich dagegen dem aussichtslosen Kampf gegen die Banditenübermacht.
Im Herbst taucht zunächst ein zerlumpter Schwertkämpfer und später seine zu allem entschlossene Frau auf, die Ouyang an seine unerreichte Geliebte erinnert. Am Ende des Winters begibt er sich selbst in das Dorf der Kirschblüte, von dem ihm der erblindete Soldat erzählte. Sowohl er als auch sein Freund Huang werden schließlich mit den Erinnerungen an ihre verflossene Liebe konfrontiert.
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| FILMKRITIK
Auf der Grundlage von Louis Chas Martial Arts-Reihe „The Eagle-Shooting Heroes“ produzierte Wong Kar Wai 1993 eine wilde Kung Fu-Klamotte. Ein Jahr später inszenierte er selbst mit fast identischer Besetzung ein kunstvoll-enigmatisches Melodram, das die Vorgeschichte der Buchserie um die Herrscher des Ostens und Westens (Huang und Ouyang) erzählt.
Jedoch lief die Produktion aus dem Ruder, die Dreharbeiten verzögerten sich, und eine Darstellerin musste daher ausgetauscht werden. Das nur in wenigen Ländern gestartete Ergebnis kam erst nach Wong Kar Weis Meisterwerk „Chungking Express“ in die Kinos und fiel sogar in Hongkong durch, da es bewusst die Erwartungshaltung eines Kampfkunst-Epos unterlief. Der Experte rätselhaft-poetischer Beziehungsdramen verfremdete nämlich die Schwertduelle, immerhin choreografiert von Sammo Hung, in dem er die Zeitlupensequenzen in verschwommene Detailaufnahmen zerlegte.
Unzufrieden mit dem technischen Standard des Originals sowie der Kopienqualität überarbeitete Wong Kar Wai das bei uns unveröffentlichte Werk und entfernte sieben Minuten. Dies macht die tragische Meditation um Einsamkeit, Sehnsucht, Verlust und Vergessen um einen Vermittler für Auftragsmorde, seinen Freund und ihre unglücklich endende Liebe nicht eben verständlicher.
Neben einigen Action-Einlagen fehlt nun unter anderem zu Beginn das erste Treffen der beiden Antihelden. Besonders beim Einstieg sollte man nicht zu sehr versuchen, die unterschiedlichen Zeitebenen und Personenkonstellationen auseinander zu flechten. Dazu bleiben manche Handlungssprünge zu abrupt, und zahlreiche Plotteile letztlich ohne geradlinige Auflösung, woran Kar Wai auch weniger gelegen war. Schließlich verweist schon der Titel darauf, dass die Zeit sich auflöst und zerfließt.
Hierfür findet der Australier Christopher Doyle wunderbare Bilder aus Sand, Wasser und Feuer, die als Symbole von Vergänglichkeit und Verlorenheit wiederholt in den Blick gerückt werden. In der Neufassung bearbeitete man viele Bildkompositionen digital nach und verstärkte die Farbgebung, was den Einstellungen in Kombination mit dem neuen Score eine traumhafte Atmosphäre vermittelt. Den fatalistischen Unterton unterstreicht ein Off-Erzähler.
Zudem erfolgt ein beispielloses Auftreten von Hongkong-Stars, die später erneut dem Ruf des gefeierten Filmemachers folgen sollten. Während Leslie Cheung 2003 Selbstmord beging, sind Tony Leung Chiu Wai (der blinde Schwertkämpfer) und Tong Leung Ka Fei immer noch bestens im Geschäft, wohingegen es um die weibliche Riege wie etwa Maggie Cheung in einer Nebenrolle zuletzt eher still wurde. Auch dank ihnen stellt das sperrige Episodenwerk ein Erlebnis dar.
| FAZIT
Das Who-is-Who der Neunziger-Hongkong-Stars in einem faszinierenden Arthouse-Drama um Liebe, Entsagung und Tod.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung