Es ist schon ein hoher Anspruch, wenn man versucht, einen Duft optisch so umzusetzen, dass er vom Publikum wahrgenommen werden kann. Und dass gelingt Tykwer gleich in den ersten zehn Minuten. Die Bilder vom stinkensten Ort der Erde, dem Pariser Fischmarkt, bringen den Ekel zum Zuschauer. Und man reagiert, wie man auch sieht, durch Brechreiz. Umso erstaunter verfolgt man den langen Herstellungsprozess eines so wundervollbringenden Parfums, bei dem so viele Mädels ihr Leben verlieren. Der Gesang von einer engelhaften Stimme schwebt fast immer dann über den Bildern, wenn die rothaarige Laura (Rachel Hurd-Wood) zu sehen ist und bietet erste Interpretationsmöglichkeiten für den Schluss: dieses Parfum bringt die Liebe in die Welt, alle Menschen werden sanftmütig und der Überbringer ist der Messias, den manche einen Engel nennen und dem sie huldigen. Dabei opfert er sich selbst – stets mit bitterer Leidensmiene: Ben Whishaw. Auch Märchen können grausam sein. Muss man gesehen haben.
Endlich ein deutscher Film bei dem alles stimmt. Handlung, Spannung, Bild, technische Umsetzung - alles stimmt.
04.04.2007
Bewertung:
MaChiHofmann| Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders
Dies ist ein Film in dem wenig gesprochen wird. Was wunderts, wenn doch der Protagonist selber mehr über die Nase als über die Sprache lebt. Es entsteht durch den äußerst virtuosen Einsatz von Bild und Ton die Illusion der Gerüche eben des "Parfüms". Das ganze verschmilzt zu einem Film, der weit über das hinausgeht, was Buchverfilumungen üblicherweise auf die Leinwand bringen. Ein Zeugnis menschlicher Einsamkeit.
Wenn ein Regisseur wie Stanley Kubrick erklärt, dass „Das Parfüm“, der Bestseller des deutschen Autors Patrick Süskind, nicht verfilmbar wäre, dann muss die Erzählung schon etwas ganz besonderes sein. Jahrelange Überredungskünste brauchte der Filmproduzent Bernd Eichinger um Süskind dazu zu überreden die Filmrechte an ihn abzutreten.
Herausgekommen ist eine Verfilmung die sich zwar nicht immer exakt an die Buchvorlage hält, aber es dennoch schafft die Magie des Buches einzufangen. Zwar wirkt der von der Natur gesegnete oder verfluchte Grenouille rein optisch gar nicht so abstoßend wie im Buch, aber durch die schauspielerische Leistung von Ben Whishaw und dem Engagement von Regisseur Tom Tykwer wirkt der Protagonist dennoch herrlich merkwürdig skurril, abstrakt, eigenartig und bezüglich seiner Obsession auch abstoßend. Überhaupt leisten die meisten Darsteller eine hervorragende Darbietung ihres Könnens, was vermutlich auch an den zum Einsatz kommenden Hollywoodgrößen wie Dustin Hoffman und Alan Rickman gelegen haben könnten. Ebenfalls können die Kostüme und die Ausstattung sehr überzeugen, denn alles wirkt sehr detailliert, authentisch und realistisch. Auch an Spannung und Dramatik hat der Streifen einiges zu bieten und wirkt aufgrund seiner abwechslungsreichen Story nie langweilig.
Eine gelungene Verfilmung des Klassikers vor allem wenn man bedenkt, dass der Streifen zum größten Teil eine deutsche Produktion ist. Selbst wenn der Streifen sich nicht immer exakt an die Buchvorlage hält ist dem deutschen Regisseur Tom Twyker mit „Das Parfüm“ eine bewundernswerte Literaturverfilmung gelungen.