Von dem 82-jährigen Unternehmer Henrik Vanger (Sven-Bertil Taube) wird der durch fingierte Beweise in Ungnade gefallene Journalist Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) beauftragt, das Verschwinden seiner Lieblingsnichte Harriet während eines Familientreffens in den Sechzigern aufzuklären. Seit diesem Zeitpunkt erhält der längst gesundheitlich angeschlagene Industrielle zu seinem Geburtstag ein anonymes Paket mit einer gepressten Blüte hinter Glas, wie sie Harriet ihm einst schenkte. Vanger vermutet, dass das Mädchen längst tot ist und ihr innerhalb seiner weit verzweigten Sippschaft zu findende Mörder ihn damit verspotten will. Als Biograf getarnt, zieht Blomkvist auf die abgelegene Hedeby-Insel, was bei Vangers Nachkommen zunehmend auf Misstrauen stößt. Überraschende Unterstützung erhält der Enthüllungsreporter durch Lisbeth Salander (Noomi Rapace), eine verschlossene Angestellte einer Sicherheitsfirma. In Vangers Auftrag wurde sie einst auf „Kalle“ Blomquist angesetzt und hackt sich seitdem regelmäßig in dessen Computer. Gemeinsam kommen sie einem düsteren Familiengeheimnis und einen lange im Verborgenen agierenden Serienkiller auf die Spur.
WERBUNG
| FILMKRITIK
Nach dem ersten Teil der erfolgreichen „Millenniums“-Romantrilogie schuf TV-Regisseur Niels Arden Oplev, der mit dem nostalgischen Kinderfilm „Der Traum“ in Schweden reüssierte, einen düsteren, fesselnden Thriller. Im Mittelpunkt der drei Bücher des früh verstorbenen Neonazismus-Experten Stieg Larsson stehen die fatalen Auswirkungen des zweiten Weltkriegs auf die Gegenwart zwischen Generationskonflikten, Schuldverdrängung, Rassismus und Rechtsextremismus. Die Schuld der Väter überträgt sich hier längst auf die nächste Generation.
Angesichts einer umfangreichen Vorlage von rund 700 Seiten beim ersten Band mussten die Autoren notwendigerweise Kürzungen vornehmen. Allein Pro- und Epilog, in der 2 1/2-stündigen Adaption in wenigen Minuten abgehandelt, umfassen schon je 100 Seiten. Deshalb belässt man es bei den amourösen Abenteuern des Protagonisten mit seiner verheirateten Kollegin Erika Berger von der Zeitung „Millennium“ und mit Cecilia Vanger, verdächtige Tochter des Nazi-Anhängers Harald Vanger, bei vagen Andeutungen. Der Verzicht auf die Ladykiller-Ausstrahlung von Starreporter Mikael Blomkvist nutzt nicht nur der Dramaturgie, sondern lässt ihn weitaus gebrochener und desillusionierter wirken.
In der introvertierten, störrischen Lisbeth Salander, als Kind in einer psychiatrischen Anstalt untergebracht, findet dieser nicht nur eine unerwartete Helferin, sonder auch eine Gesinnungsgenossin, so dass sich Oplev sinnvollerweise auf ihre verhalten entwickelnde Beziehung konzentriert. Bis beide im Mittelteil aufeinander treffen, verknüpft der Film ihre Recherchen parallel, wobei die punkige, tätowierte Lisbeth als distanziert und abweisend eingeführt wird, was angesichts ihres sadistischen Vormunds und früherer Erlebnisse verständlich erscheint.
In Nebenrollen treten mit Sven-Bertil Taube („Der Adler ist gelandet“), Marika Lagercrantz als Cecilia und Peter „Kommissar Beck“ Haber einige Stars des schwedischen Kinos auf. Durch notwendige Verkürzungen der Handlungsstränge und Streichungen beim Figurenarsenal wirkt die Intrige zwar etwas durchschaubar, so dass man relativ bald auf die Identität des Killers tippen kann. Das schmälert allerdings nicht die geschickt aufgebaute Dramaturgie, die noch mit einigen Wendungen aufwarten kann und die Spannung der mit kurzen Rückblenden versetzten Mörderjagd bis zum Ende hält.
| FAZIT
Fesselnde skandinavische Krimikost mit einigen Härten, die zwar das Krimigenre nicht revolutioniert, aber für solide Unterhaltung sorgt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung