Was soll man groß sagen, der Film ist einfach schön. Aber es fehlt auch nicht die Burton typische Skurilität und so ist der Film für Tim Burton Fans definitiv eine Empfehlung.
03.02.2006
Bewertung:
Fox Mulder| Tim Burton hat es einmal mehr geschafft!
Wenn das nicht mal wieder ein typischer Tim Burton Film ist! Charlie und die Schokoladenfabrik ist ein spassiges Vergnügen für die ganze Familie. Burton erfand wieder einmal die skurrilsten Schauplätze und verbindet diese mit einem Charme, der nur aus seinem Kopf stammen kann. Johnny Depp spielt in diesem Tim Burton Film wieder einmal eine Hauptrolle. Er verkörpert den doch etwas speziellen aber kreativen Schokoladenfabrikbesitzer Willy Wonka. Und ja, einmal mehr mit Klasse! Anfangs wird man einmal mehr mit grandiosem Danny Elfman Score in die Geschichte eingeweiht und verfolgt diese mit Neugierde, da sie so märchenhaft erzählt wird, dass man seine Augen nicht abwenden kann. Dazu trägt auch der Jungschauspieler Freddie Highmore bei, der einfach vorzüglich spielt. Auch die restlichen Kinder sind einfach sehr gut ausgewählt worden und nerven keineswegs. Die Geschichte wird regelmässig durch kleinere Gesangseinlagen der Oompa Loompas, den Arbeitern in der Fabrik, untermalt, die ich im Deutschen doch etwas zu schräg fand. Vermutlich hört es sich im Englischen viel besser an, im Deutschen jedoch, fand ich es irgendwie unpassend, auch wenn sich ein zwei Stücke doch ganz lustig anhörten. Christopher Lee darf in seiner Nebenrolle ebenfalls die ganze Palette der Schauspielkunst vorzeigen und kann absolut überzeugen.
Tim Burton hat es doch wieder einmal geschafft ein Märchen auf seine geniale Weise zu erzählen. Der Stil wird aber wieder definitiv nicht jeden ansprechen. Wer bisher mit Tim Burton Filmen nichts anfangen konnte, wird auch mit diesem Film nicht glücklich werden. Mich hat der Film jedenfalls überzeugt. Auch wenn er hier und da seine Längen hatte, konnte man sich immer auf die nächste ausgefallene Idee Willy Wonkas freuen und wer die Rückseite der Verpackung nicht durchliest, der wird vermutlich auch so die ein oder andere Überraschung erleben. Sicherlich kein Meisterwerk der Filmgeschichte, aber ein weiteres Mal ein Dschungel aus Tim Burton Ideen. Entweder man mag den Stil oder eben nicht. Eines steht jedoch fest: Dieser Film ist dank seiner Seitenhiebe und seinem schwarzhumorigen Touch für jede Altersklasse geeignet.
Ich bin gerade aus dem Kino gekommen und muß sagen: Wow, was für ein Film! Dabei hatte ich vorher enorme Zweifel, ob ich mir den Film überhaupt ansehen sollte. Da waren zum einen eine Geschichte, die für mich zu sehr nach Kommerz und Disney-Machart roch, ein eher verschreckender Trailer, der einen Standarddrehbuchfilm zum Wohlfühlen verhieß, ein Johnny Depp, der sich tuntig benahm und einen an den klebrigen „Kinderfreund“ Michael Jackson gewahrte, die kitschige Marketingkampagne und keine Altersbeschränkung, was mich einen weichgespülten Gehirnplacebofilm ohne Risiko für Säuglinge erwarten ließ. Das einzige, das mir mehr verhieß, waren die Namen Burton, Depp und Elfman die mich noch nie enttäuscht hatten. Oh ich Zweifler, ich wurde eines besseren belehrt. Denn am Ende des Films war das Kinopublikum wie ausgewechselt und die Leute strahlten sich an. So etwas hatte ich nicht erwartet.
Als am Anfang das Warner-Logo mit Bugs Bunny erstrahlte hätte ich schon ahnen können, daß sich hier etwas bissigerer Humor anbahnt. Während ich bei den meisten Filmen dieser Art irgendwann schon die nächste Szene erraten kann, so war es mir hier fast unmöglich. Ständig kam genau das Gegenteil dessen, was man erwartet. Und mit welcher liebenswürdigen Drastizität! Sowohl phantasielose, egozentrische Eltern als auch deren konsumtrottelige, verwöhnte und fernsehgeschädigte Kinder bekommen auf absolut intelligente Weise ihr Fett weg und so auch das Publikum im Saal, das auf diese Weise vielleicht auch selbst den Spiegel vorgehalten bekommt. Aber auch der exzentrische Willy Wonka, der eigentlich von jedem anderen Regisseur als Tim Burton im Disneyland-"It's-a-small-world"-Look inszeniert worden wäre, muß seinem eigenen Ich gegenübertreten und seine Vergangenheit in Burtonesquer Art und Weise aufarbeiten.
Der Film erteilt eine klare Absage an übersteigerten Fernsehkonsum, der Wissen und Erfüllung vorgaukelt, an Egozentrismus, Egoismus, Konsumvernarrtheit als Reaktion auf Sinnentleertheit und übersteigertes, skrupelloses Erfolgsdenken. Was dieser Welt in Gestalt der vier Kinder und ihrer Eltern, die ihre Kinder erst zu dem erzogen haben, entgegensteht sind ganz klar Aufrichtigkeit und Familiensinn. Damit ist der Film aktueller denn je. In der heutigen Welt, wo in Filmen die intakte Familie als präventive oder heilsame Institution für psychosoziale Defekte nur noch plakativ oder wenn es ins Bild paßt erwähnt, ansonsten ausgeblendet wird, und statt dessen Außenseiter wie Willy Wonka der Star sein würden, ist es hier der kleine, schon fast Dickenssche Züge tragende Charlie, der viele verlorengeglaubte oder belächelte Werte lebt. Besonders hat mich hier die Ungezwungenheit überrascht, wie vor allem die älteren Familienmitlieder, die Großeltern, vor allem auch mit ihren Eigenheiten charakterisiert werden. In den Familien der anderen Kinder sind diese vermutlich längst sozial entsorgt worden. Ein unmerklich in die Geschichte eingebetteter Seitenhieb auf heutige Auswüchse neoliberaler Wirtschaft darf natürlich auch nicht fehlen: der Vater, einst am Fordschen Fließband als Geringqualifizierter tätig – der aber wenigstens seine Familie leidlich ernähren kann - wird durch Rationalisierung "freigesetzt" d. h. entlassen, ohne daran zu Denken, ob er wieder eine Arbeit finden könnte. Auch der lotterieartige Zug der Eintrittskarten wird ad absurdum geführt, wenn klar wird, daß der Hauptgewinn und die damit verbundene Medienpräsenz eigentlich keinerlei Erfüllung bringt, sondern selbige nur suggeriert. Wenn schließlich diese Mediengeilheit der Menschen nach dem Motto "Ich bin im Fernsehen" parodiert wird (Charlie bekommt übrigens nicht den "Genuß" interviewt zu werden), dann macht Burton auch noch dem letzten klar, daß es hier um unsere Welt, durch seine phantastische Brille gesehen, geht, die entzaubert wird.
Der ganze Film ist auch noch durchgehend spannend, voll von Wendungen, filmischen Verweisen (auf Hitchcocks "Psycho" und besonders Kubricks "2001", wo endlich geklärt wird, woraus der Monolith in der Affenszene wirklich besteht), bissigen schwarzhumorigen Gags und Billy Wonkas zynischen Kommentaren: eines ist sicher: dieser Film ist definitiv nicht nur für Kinder gemacht, sondern schafft es, alle Altersgruppen anzusprechen.
Die Schauspieler sind allesamt großartig, allen voran Johnny Depp, der alle meine Trailerbefürchtungen mit seiner vielschichtigen Darstellung entkräften konnte, aber auch die andere Kinoikone, Christopher Lee brilliert als mal düsterer, mal versöhnlicher Vater.
Für mich ist eine überzeugende Filmmusik für das Gelingen eines Filmes außerordentlich wichtig und so erfreut es mich, daß Danny Elfman hier einen richtig genialen Score abgeliefert hat. Ich konnte mich überhaupt nicht daran satt hören. Traumhaft photographierte Bilder mit diesem wahren Cocktail an musikalischen Einfallsreichtum gepaart ließen mich jede Minute des Films genießen.
Fazit: Tim Burton beweist mal wieder, daß er einer der kreativsten, phantasievollsten und visuell denkensten Regisseure ist und er es wirklich schafft, eine Geschichte, die normalerweise so voll von Fallstricken wie diese ist, unkonventionell und lebendig erzählen kann, fernab vom Nemo- und Ice-Age-Kommerz. So bissige frische Gags kenne ich eingentlich nur aus Futurama. Eltern, zieht euch warm an, hier kommt nicht das, was ihr erwartet!