Drama,
Komödie
| Deutschland / Kasachstan / Polen / Russland / Schweiz 2008
| INHALTSANGABE
Der junge Kasache Asa hat als Matrose seinen Militärdienst absolviert und wohnt jetzt bei seiner Schwester und deren Familie in der Steppe. Samal und ihr Mann, der Schafhirte Ondas, sowie ihre drei Kinder teilen ihre Jurte mit Asa. Gerne würde Asa eine eigene Existenz aufbauen mit einer Herde und einem Wohnzelt. Aber dafür braucht er zunächst eine Frau.
In der ganzen Region gibt es nur ein heiratsfähiges Mädchen, Tulpan. Asa, sein Freund Boni und Schwager Ondas besuchen Tulpans Eltern und Asa macht seinen Heiratsantrag – doch umsonst: Tulpan lässt ausrichten, dass sie seine abstehenden Ohren nicht mag.
WERBUNG
| FILMKRITIK
„Tulpan“ des kasachischen Regisseurs Sergei Dvortsevoy wurde 2008 in Cannes bester Film in der Reihe „Un Certain Regard“. Die internationale Produktion unter deutscher Beteiligung erzählt sehr lebendig und realitätsnah eine in der kasachischen Steppe angesiedelte Geschichte. Der heimgekehrte Matrose Asa muss in der Jurte seiner Schwester und deren Familie schlafen, bis er eine eigene Frau findet. Denn der Genosse Vorsteher, der gelegentlich vorbeischaut, will Asa erst dann eine eigene Herde genehmigen. In dieser Gegend, die Hungersteppe genannt wird und den Schafen kaum Futter bietet, könne ein Hirte ohne die Mitarbeit einer Frau nicht überleben, meint der Funktionär.
Doch was tun, wenn die einzige mögliche Braut in der ganzen Region einen nicht nehmen will? Asa sieht seine Zukunft in Gefahr. Immer, wenn es Streit mit seinem Schwager Ondas gibt, rennt Asa wütend davon und seine Schwester weint. Doch er kommt zurück, denn die menschenleere Steppe reicht bis zum Horizont. Tag für Tag ist die Familie mit ihrer Herde allein, nur Boni kommt mit seinem Traktor regelmäßig vorbei, um den Wassertank aufzufüllen und die bestellten Lebensmittel zu bringen.
Boni zeigt Asa abgegriffene Zeitschriften mit Fotos von nackten Frauen, Motorrädern, Autos und richtigen Häusern. Gemeinsam träumen die jungen Männer im Staub der Steppe von Reichtum und Status. Boni drängt Asa, mit ihm in die ferne Stadt zu ziehen und dort sein Glück zu versuchen. In diesem Spannungsfeld zwischen dem traditionellen Leben und den Verlockungen der Zivilisation wachsen auch Asas Neffen und die Nichte auf: Das Kleinkind bettelt, mit ihm nach Almati fahren zu dürfen, der größere Junge sitzt am liebsten in der Jurte und hört Nachrichten aus seinem Kofferradio.
Dvortsevoys Motive vom Nomadenleben in der Steppe sind im Kino nicht mehr neu. Aber der Filmemacher bezaubert mit seiner frischen, lebhaften Inszenierung, die Humor und Widersprüche zulässt. Ähnlich wie in den mongolischen Geschichten von Byambasuren Davaa gibt es auch hier Szenen idyllischen Familienlebens, in denen jede Kleinigkeit einen Wert besitzt. Der Blick irrt über die vertrockneten Gräser der Steppe und klammert sich schließlich an ein paar Haustiere, die reglos unter dem wolkenverhangenen Himmel stehen. Das Gehör ist dem Brausen des Windes ebenso ausgeliefert wie dem Blöken eines Lämmchens.
Mit einer optimal eingesetzten Handkamera gelingen Aufnahmen von betörender emotionaler Kraft. Die Kamera tanzt im Freudentaumel mit Asa, wenn er aus dem fahrenden Traktor hängt und zum Klang von Boney M.s „By the Rivers of Babylon“ Jubelschreie ausstößt. Sie beugt sich über sein Gesicht, wenn er nach der Geburtshilfe für ein Lamm auf dem Rücken liegt, ein Ausdruck purer Glückseligkeit.
| FAZIT
Sergei Dvortsevoy erzählt die Geschichte eines jungen kasachischen Hirten auf Brautsuche mit authentischer Frische und Intensität.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung