Sonntag | 27. Mai 2012 | 22:57 Uhr
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  • FILM REVIEW | Durst
  • Durst

    Horror, Drama | Südkorea 2009
  • | INHALTSANGABE

  • In Afrika meldet sich der katholische Priester Sang-hyun freiwillig für einen Impfstofftest gegen ein tödliches Virus, was einem Selbstmord gleichkommt. Zunächst erkrankt er ebenfalls, aber durch eine Transfusion von Bluts unbekannter Herkunft überlebt der zunächst tot geglaubte Geistliche. Jedoch mutiert Sang-hyun zum Vampir, weshalb er künftig im Interessenkonflikt zwischen seinem Glauben und der frisch erwachten Gier nach Blut steht, das sein Überleben sichert.

    Zurück in Korea beherbergt ihn sein kränklicher Schuldfreund Kang-woo und dessen herrische Mutter, unter deren Aufsicht die junge Ehefrau Tae-ju zu leiden hat. Kurzerhand geht sie eine heimliche Affäre mit dem gepeinigten, lüsternen Theologen ein. Als sie von Sang-hyuns düsterem Geheimnis erfährt, reagiert die Ehebrecherin zunächst mit Ablehnung, später jedoch zunehmend fasziniert von den übersinnlichen Fähigkeiten, die das Blutsauer-Dasein mit sich bringen. Auf Dauer stehen ihrem hemmungslosen Begehren aber der gehörnte Ehemann und die allmählich misstrauische Schwiegermutter im Weg.
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      • | FILMKRITIK

      • Zum ersten Mal beschäftigt sich Park Chan-Wook, einer der renommiertesten Vertretern von Koreas „Neuer Welle“, mit einem Horrorsujet. Doch hinter der Ausgangssituation des unsterblichen, Tod bringenden Vampirs finden sich vertraute Themen des für seine drastischen Gewaltdarstellungen bekannten Filmemachers. Schuld und Sühne waren stets wichtige Themen seiner „Rache“-Trilogie sowie die Frage, wie sich der Einzelne in einer Extremsituation verhalten würde.

        Besonders die untreue, lebenshungrige Tae-ju macht eine Entwicklung von der schuldbewussten Ehefrau zur machtlüsternen, rachsüchtigen Geliebten durch. Aber ebenso der an seinem Glauben (ver-)zweifelnde Priester Sang-hyun lässt immer stärker alle Skrupel fallen. Der Umgang mit den eigenen Sünden und seinem Verlangen verkommt ihm zur Routine. Erneut trifft man auf Koreas wandlungsfähigen Superstar Song Kang-ho („The Good, The Bad, The Weird“), der die Gespaltenheit seiner Figur zwischen Seelsorger und Killer eindrucksvoll unterstreicht.

        Für diese moralischen Fragen wählt Park Chan-Wook symbolhaft-überhöhte Bilder. Immer wieder wird die Mutter Gottes als Verweis auf das bigotte Verhalten der Charaktere ins Bild gerückt. Optisch dient die Farbe Weiß, mit der viele Räume ausgestattet sind, als Zeichen der Reinheit, das durch das frevelhafte Verhalten der Protagonisten zunehmend beschmutzt wird.

        Die Ehebruch-Ausgangssituation zwischen gehörnten Gatten, untreuer Ehefrau und dem Fremden in ihrer Mitte mag an James M. Cains „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ erinnern. Vielmehr beruft sich Park Chan-Wook auf Emile Zolas gleichfalls mehrfach verfilmten Klassiker „Thérèse Raquin“, welcher der Dreieckssituation noch eine dominante Schwiegermutter hinzu fügt, unter deren Diktatur Tae-ju zu leiden hat. Die späte Strafe des Hausdrachens besteht darin, dem lasterhaften Treiben aus Ehebruch, Mord und Totschlag willenlos zusehen zu müssen, ohne eingreifen zu können.

        Im Grunde sind Park Chan-Wooks sämtliche Filme schwarze Komödien (außer vielleicht „Old Boy“), die den dunklen Themen um erbarmungslose Alltagsgewalt, fatale Schicksalsfügungen, Fremdsteuerung und Folter mit absurder Komik begegnen. Auch dieses Mal findet Chan-Wook für den plötzlichen Blutdurst des Gottesmannes und sein inneres Dilemma manchen schrägen Einfall. So verkommt ein sterbender Patient im Krankenhaus zunächst zum bequemen Mittel zeitweiliger Sättigung.

        Doch bevor in einem so dramatischen wie poetischen Finale das Schicksal der Protagonisten besiegelt wird, kommt das überlange Horrormelodram nicht ohne inhaltliche Durchhänger und Wiederholungen aus. In ihrer Dramaturgie erscheinen Park Chan-Wooks frühere Werke weitaus präziser und bissiger auf den Punkt gebracht.
      • | FAZIT

      • Surreale, tragikomische Mischung aus Glaubensdrama, Ehebruchstudie und Vampirschocker mit grandiosen visuellen und inhaltlichen Einfällen, aber ebenso repetitiven Momenten.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

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