Montag | 28. Mai 2012 | 03:03 Uhr
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  • FILM REVIEW | Der fantastische Mr. Fox
  • Der fantastische Mr. Fox

    Abenteuer, Komödie, Animation | USA 2009
  • | INHALTSANGABE

  • Mr. Fox ist der größte Hühnerdieb-Gauner; doch als seine Frau schwanger wird, setzt er sich zur Ruhe. Nach zwölf Jahren aber kitzelt es ihn wieder, er will raus aus seinem unterirdischen Bau, in einen hohlen Baum ziehen. Und von dort hat er Ausblick auf drei große, reiche Farmen… Heimlich in der Nacht überfällt er die Höfe von Boggis, Bunce und Bean und leert deren Scheunen und Vorratshallen. Doch die Farmer schlagen zurück, mit aller Macht: sie wollen den Fuchs haben, der sie zum Narren hält. Familie Fuchs und alle Tiere der Umgebung werden belagert, und der fantastische Mr. Fox muss sich einiges einfallen lassen, um zu überleben.

    Dabei hat er auch noch familiäre Probleme: seine Frau ist sauer wegen seiner Raubzüge, und sein Sohn Ash ist geknickt, weil Cousin Christoffer alles viel besser kann als er; und weil Papa Fox ihn plötzlich viel lieber zu haben scheint. Da aber wird Christoffer von den erbosten Farmern entführt, und nun kann sich Ash beweisen.
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      • | FILMKRITIK

      • Dass Mr. Fox im Original von George Clooney gesprochen wird, ist absolut passend und vollkommen konsequent: die Figur reiht sich ein in Clooneys Rollengeschichte, sie entspricht seiner Leinwandpersona des schlauen, gewandten, charmanten, verführerisch-gewitzten Hoppla-jetzt-komm-ich-Springinsfelds. Und Mr. Fox gibt gar so etwas wie ein Clooney-Rollen-Glaubensbekenntnis ab: „Ich habe eine Theorie über mich: ich will, dass alle mich für den Größten halten. Für den – in Anführungszeichen – ‚fantastischen Mr. Fox’“. Ja sicher, und er gibt sich alle Mühe, zu beweisen, wie toll er ist: allein schon durch sein Pfeifen-Zungeschnalzen-Coolsein, „hey, that’s my trademark!“

        Und zu diesem coolen Ironiker – oder ironischen Coolen – kommt die Inszenierungskunst von Wes Anderson, der beharrlich mit jedem neuen Film sein ganz eigenes filmisches Universum ausbaut. Diesmal tatsächlich als Trickfilm, ganz altmodisch als Stopmotion-Puppenspiel. Auch diese Erweiterung seines Oeuvres von Spiel- auf Animationsfilm ist konsequent: auch seine Spielfilme waren schließlich immer irgendwie auf ironische Weise graphisch, auch durchaus in der filmischen Vermittlung gebrochen – die brechtsche Verfremdung quasi heruntergebracht auf das absurd-groteske Spiel mit den Standardsituationen des (Hollywood)Films. Man denke nur an den exzessiven Zeitlupegebrauch, die Szenen, die die Szenerie des Films als Querschnitt à la Bühnenaufbau enthüllen, oder natürlich die überzeichnete Buntheit seiner Inszenierungen…

        Ein Animationsfilm ist also durchaus folgerichtig, und es ist ein echter Anderson geworden: ein Kinderfilm, auch für Erwachsene – oder vielleicht auch: ein Erwachsenenfilm, der kindlich aufgelöst ist. Mr. Fox, der schlaue Hühnerdieb, hat sich zur Ruhe gesetzt, aber die glorreichen Raubzüge der Vergangenheit lassen ihm keine Ruhe: die Farmen von Boggis, Bunce und Bean haben es ihm angetan, ein letzter großer Coup in drei Phasen, der den Höhe- und Endpunkt seiner Gauner-Laufbahn sein soll: das ist ein Topos des Heist-Movies – à la „Ocean’s Eleven“ –, und natürlich ist es nicht nur absichtlich-ironisch als Genrezitat inszeniert, sondern wird explizit als solches benannt. Und gebrochen: denn – aus unerfindlichen Gründen – sucht sich Fox ausgerechnet ein Opossum als Komplizen aus, ein Tier, das keinerlei Eigenschaften besitzt, eigentlich nur im Weg rumsteht und dessen lateinische Bezeichnung auch keiner kennt.

        Anderson-typisch kommt natürlich die Familie ins Spiel, einerseits Mrs. Fox (Meryl Streep), die nichts von den mit Leidenschaft ausgeführten Raubzügen des Gatten wissen soll, andererseits Sohn Ash (Jason Schwartzman), der in Form eines Alleskönner-Cousins Konkurrenz um die Gunst des Vaters bekommen hat. Und wie immer bei Anderson werden diese sehr realen familiären Konflikte und Misshelligkeiten ebenso wie die Bedrängnis, in die drei rachsüchtige Farmer die Tiere bringen, auf unkonventionelle Art gelöst.

        Will sagen: wo im normalen Hollywood-Film am Ende eine Moral steht, die (wenn sie auch ironisch vorgetragen werden sollte) Werte wie Familie, Gemeinsinn, schlicht: Menschsein und Menschlichkeit herausstellt, weiß Mr. Fox: er und all seine Bekannten, von den drei Farmern in die Enge getrieben, sind zuallererst eins: wilde Tiere. Jedes mit seinen eigenen Urinstinkten und Fähigkeiten – na gut: außer das Opossum –, die es einzusetzen gilt auf wirkungsvollste Weise. Und außerdem hilft natürlich das Whackbat-Spiel, eine Art wilde Baseball-Cricket-Variante à la Lewis Carroll. Dann wird man am Ende siegen. Und vielleicht gar den großen mystisch-mythischen Wolf sehen.
      • | FAZIT

      • Fantastischer Film über den fantastischen Fox von einem fantastischen Regisseur.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Harald Mühlbeyer

      • | Userwertung

      Wertung: 10.0/10 (1 vote)

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