Montag | 28. Mai 2012 | 05:25 Uhr
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  • FILM REVIEW | The Girlfriend Experience
  • The Girlfriend Experience

    Drama | USA 2009
  • | INHALTSANGABE

  • Chelsea (Sasha Grey) arbeitet als hoch bezahltes Call Girl in Manhattan. Es ist Oktober 2008, die Wahlkampagnen der Präsidentschaftskandidaten laufen auf Hochtouren und die Weltwirtschaft droht zusammen zu brechen. Chelseas Klienten bezahlen sie nicht nur für Sex. Die reichen einsamen Männer New Yorks wollen der Realität entfliehen, wollen vergessen, dass sie ihren Frauen und Kindern schon lange nichts mehr zu sagen haben, sie wollen sich verliebt und geliebt fühlen. Chelsea kuschelt mit ihnen abends auf dem Sofa bei einem Glas Wein, sie geht mit ihnen aus, hört ihnen aufmerksam zu und lässt sich Finanztips geben. Natürlich gibt es auch Klienten, die eine härtere Gangart bevorzugen, aber Chelsea lässt sich immer mit dem gleichen professionell undurchsichtigen Gesichtsausdruck auf ihre Wünsche ein.

    In einem Interview erzählt sie einem Journalisten von ihrem Leben, sie trifft sich mit Image Beratern, lässt ihre Homepage auf Vordermann bringen. Ihr Leben ist auf den Job ausgerichtet, sie geht darin auf und nimmt dafür die hohe Summe von 2000 Dollar pro Stunde.

    Chelsea, die in Wirklichkeit Christine heißt, hat einen Freund, Chris (Chris Santos). Chris arbeitet als Personal Trainer und nimmt 125 Dollar die Stunde. Auf perfide Art und Weise ähnelt sein Job dem seiner Freundin, auch er lässt Menschen glauben durch ihn würde sich ihr Leben zum Positiven wenden.

    In dieser Welt von Schein und Sein bewegen sich die beiden auf einem schmalen Grad. Die Funktionstüchtigkeit ihrer Beziehung scheint im gleichen Sinne möglich wie unmöglich zu sein, entweder führen die beiden das perfekte Leben, oder sie sind der Unterwelt näher als sie glauben.
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      • | FILMKRITIK

      • Manhattan kurz vor der Finanzkrise, eine Stadt einsamer Menschen, die sich mit Geld Nähe und Bestätigung kaufen. Steven Soderberghs neuer Film hat nichts mit seiner „Oceans“-Reihe zu tun und reiht sich in seine frühen Werke wie „Sex, Lügen und Video“ ein. Mit ungeschöntem Blick zeigt er die kleinen und größeren Abgründe der menschlichen Seele, ohne dabei in Sentimentalitäten zu verfallen.

        Es ist dabei kein Zufall, dass Sasha Grey, hauptberuflich Pornodarstellerin, sie Hauptrolle übernimmt. Nicht, weil sich in dem Film außerordentlich viele Sexszenen oder Nacktauftritte befinden, sondern weil Soderbergh jemanden brauchte, der seine professionelle Einstellung gegenüber Sex und vor allem dem Verkauf eben diesem, mit auf die Leinwand bringt.

        Chelsea ist die perfekte Freundin. Sie hinterfragt nichts, mischt sich nicht ein, nimmt ihre Klienten so hin wie sie sind. So sehr sie in ihrem Beruf aber auch brilliert, sie kann ihre Rolle nicht einfach abstreifen. Ihr Umgang mit ihrem Freund Chris unterscheidet sich in keiner Weise von ihrem täglichen Job. Und das ist der Moment, in dem die Maske zu splittert droht.

        Kann ein Mensch tatsächlich dieses Theaterspiel zelebrieren, ohne davon Schaden zu nehmen? Soderbergh beantwortet diese Frage nicht. Sein äußerst fragmentarischer Film zeigt nur einen Ausschnitt aus Chelseas Leben und auf eigentümliche Weise ähnelt der Film damit seiner Protagonistin. Auch der Film hinterfragt nichts, rutscht nicht zu nahe, wird nicht ungemütlich oder wirft einen scharfen Blick auf die Geschehnisse.

        Dem Zuschauer bleibt es selbst überlassen wie er die Geschichte auf der Leinwand zu deuten hat. Damit ist der Film im Grunde genommen nicht mehr als ein soziales Experiment. Trotz der eindrucksvollen Bilder, die in ihrer Schönheit durch den rauhen Digital Look nichts einbüßen, scheitert der Film an dieser Stelle. Nach anderthalb Stunden hat man einen Einblick in ein fremdes Leben gehabt, das einem trotz aller visuellen Nähe fremd bleibt. Chelsea wie auch der Film sind eine Projektionsfläche, man kann viel hinein deuten, aber man weiß am Ende nicht, ob auch etwas davon haften geblieben ist. Das ist eine interessante Erfahrung, mehr aber auch nicht.
      • | FAZIT

      • Soderberghs neuer Film ist im positivsten Sinne verhalten, doch zu einer wirklich interessanten Begegnung kommt es nicht.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Laura Samide

      • | Userwertung

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