Steve Lopez ist Kolumnist der Los Angeles Times. Er lernt in der Stadt einen begabten Musiker kennen, der obdachlos ist. Nathaniel Ayers, so erfährt Lopez und erzählt es seinen Lesern weiter, war früher Student des renommierten Juilliard Musikkonservatorium. Doch dann erkrankte er an Schizophrenie. Ayers steht am liebsten in einem Straßentunnel, um Geige zu spielen.
Bald kann Lopez seinem neuen Freund ein Cello überreichen, das eine Leserin gespendet hat. Und er will den Musiker von der Straße holen, mit Hilfe einer Hilfsorganisation im Elendsviertel Skid Row. Doch Ayers bezieht seine neue Wohnung nur widerstrebend, und weitere Hilfsangebote von Lopez führen zum Eklat. Lopez, der durch seinen Freund erkennt, wie einsam und freudlos sein eigenes Leben war, muss Ayers so akzeptieren, wie er ist.
WERBUNG
| FILMKRITIK
Das Drama „Der Solist“ von Regisseur Joe Wright erzählt die wahre Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft in Los Angeles. Steve Lopez lernte Nathaniel Ayers im Jahr 2005 kennen und machte ihn mit seiner Zeitungskolumne weithin bekannt. Viele Leser nahmen regen Anteil am Schicksal des begabten Musikers, dessen ganze Habe ein mit allerlei wertlosen Fundstücken vollgestopfter Einkaufswagen war. Jamie Foxx spielt in dem Film, der sich in die normalerweise gemiedenen Obdachlosen-Gebiete von Los Angeles vorwagt, den schizophrenen Cellospieler beeindruckend. Robert Downey Jr. als Steve Lopez hingegen wirkt eher hölzern.
Nathaniel Ayers redet schon bei der ersten Begegnung mit Steve Lopez ohne Unterlass. Er verbindet Themen scheinbar ohne Zusammenhang, erwähnt häufig Gott und behauptet absurde Dinge. Lopez, der das Musikgenie in Ayers erkennt, forscht nach seiner Herkunft. Er erfährt, dass der Mann in seiner Jugend die berühmte Juilliard-Schule besuchte und dort Cello spielte. In Rückblenden sieht man, wie der junge Musiker während der Proben von Stimmen in seinem Kopf gestört wurde – so sehr, dass er die Schule verließ. Nun hat er nur noch eine Geige mit zwei Saiten, und die spielt er gerne in einem Straßentunnel.
Lopez hat ein ganzes Bündel toller Ideen, wie er dem Mann helfen kann: Wohnung, Kontakte zu Orchestermusikern, sogar ein eigenes Konzert. Und eine Behandlung der Schizophrenie mit Medikamenten, notfalls auch gegen Ayers’ Willen. Doch ein junger Mann von der Hilfsorganisation Lamp Community bremst die Euphorie von Lopez: Ayers wolle keine medizinische Behandlung. Lopez solle lieber nur sein Freund sein, anstatt ihn heilen zu wollen. Es gibt konfliktreiche Situationen, wenn Ayers in Panik gerät, und lustige Komplikationen, wenn Lopez den übervollen Einkaufswagen des Obdachlosen mit zur Philharmonie schieben muss, damit Ayers sich dort eine Orchesterprobe anhört.
Ähnlich wie in „Das Streben nach Glück“ des italienischen Regisseurs Gabriele Muccino, nur noch viel drastischer, wirft hier erneut ein europäischer Filmemacher einen Blick auf die Schattenseiten des amerikanischen Traums. Das Viertel Skid Row erscheint normalerweise nicht in Filmen über Los Angeles und es wirkt erschreckend, wie viele Tausende von obdachlosen, drogenabhängigen, kranken und hilflosen Menschen dort die Straßen bevölkern. Der britische Regisseur Wright arbeitete mit obdachlosen Statisten in einem benachbarten Stadtviertel. Lopez lernt in den verwahrlosten Gestalten, die auf den Treppen der Lamp Community sitzen, liebenswerte Menschen kennen.
Jamie Foxx spielt Nathaniel Ayers als schillernde Figur zwischen Genie und Wahnsinn, voller Feuer und Dynamik. Auch seine herzlichen Gefühle für seinen neuen Freund Lopez wirken glaubhaft, ebenso wie sein abstruses Gedankengebäude, in dem Beethoven stets gegenwärtig ist. Es passt sehr gut zu diesem sperrigen Charakter, der nicht nach Mitleid schielt, dass er sich in fantasievolle, glitzernde Klamotten kleidet, die er irgendwo aufgabelt. Steve Lopez allerdings, unrasiert und nach der Scheidung einsam, außerdem an seiner Gefühlsarmut leidend, mutiert nicht zum Sympathieträger. Er gibt sich Mühe, doch die Coolness von Robert Downey Jr. schadet der Glaubwürdigkeit dieses Charakters.
| FAZIT
Jamie Foxx versetzt sich in diesem Drama, das sich in ein Obdachlosengebiet von Los Angeles wagt, sehr glaubhaft in einen schizophrenen Musiker.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung