Erneut geht Jigsaws Nachfolger, der immer noch unentdeckte Agent Hoffmann, auf Rachetour, bei der er sich nun den herzlosen Krankenhausmanager Williams vorknöpft. Mit vier angehefteten Sprengsätzen am Körper bleiben dem skrupellosen Analytiker nur eine Stunde, um vier schmerzhafte, mörderische Prüfungen zu bewältigen. Zur gleichen Zeit bekommen Hoffmanns Kollegen zunehmend Zweifel, ob der vorgeschobene falsche Täter tatsächlich für die Serienmorde verantwortlich war. Zudem taucht eine neugierige blonde Journalistin bei Jigsaws Witwe Jill auf, deren Mann ihr sechs Unheil verheißende Umschläge als Vermächtnis hinterließ.
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| FILMKRITIK
Frage: Was haben „Saw“ und „Die wilden Kerle“ gemeinsam? Antwort: Je schlechter die Filme, umso mehr spielen sie an der Kinokasse ein. Immerhin fielen die ersten beiden Fortsetzungen der erfolgreichen Horrorserie trotz aller Unplausibilitäten und auf die Spitze getriebener Foltereinlagen noch relativ fesselnd aus, und jenseits aller Effekte konnten sich Akteure wie Tobin Bell, Shawnee Smith oder Donnie Wahlberg hier darstellerisch profitieren – ganz im Gegensatz zur deutschen Kinderkickerreihe. Für die These spricht allerdings, dass der etwas gelungenere „Saw 6" an der Kasse schlechter als die Vorgänger abschnitt, was allerdings auch auf die allmähliche Übersättigung an der endlosen Variation des Bewährten zurück zu führen sein könnte.
Wieder krachen im sechsten Aufguss des unendlichen Splatterfranchise von den ersten Minuten an eifrig die Knochen, werden Körper gefoltert, aufgeschnitten und (selbst-)verstümmelt. Weiterhin folgt Detective Hoffman Jigsaws Spuren, der zwar schon in Teil drei das Zeitliche segnete, aber noch reichlich offene Rechnungen zu begleichen hat. Wundern darf man sich nicht, dass ein todkranker alter Mann Zeit und Energie fand, Dutzende von mörderischen Fallen für eine ausufernde Anzahl an Feinden zu entwerfen, ihre Wohnorte und Geheimnisse auszuspionieren, für seine Nachfolger präzise Mordanweisungen zu hinterlassen sowie darauf zu hoffen, dass alle seine sadistischen Pläne brav ausgeführt werden. Schon ab dem zweiten Teil ergab sich die Frage, wer all die elektronisch perfekt funktionierenden Folterfallen wie das aus dem Trailer bekannte Todeskarussell baut, für die man eigentlich eine ganze Riege gewissenloser Techniker benötigt.
Im Gegensatz zu den ersten drei Teilen wirken Inszenierung, Kulissen und Besetzung wie eine bestenfalls durchschnittliche Indieproduktion. Auch die Auftritte von Bell und Smith in weich gezeichneten Rückblenden und Traumsequenzen, denen "Saw" ein regelmäßiges Einkommen sichert, können keine darstellerischen Glanzlichter setzen. Obwohl der Plot etwas raffinierter ausfällt als in den beiden Vorgängerfilmen, ahnt man doch schon frühzeitig, auf welche nicht sonderlich originelle Schlusspointe die fiese Geschichte hinaus läuft.
Wer auf ausgedehnte Foltereinlagen hofft, dürfte nach dem harten Prolog mit zwei drastisch bestraften Steuereintreibern seltener auf seine Kosten kommen, was allerdings kein Qualitätsmerkmal darstellt. Trotzdem wirkt es reichlich perfide, wie Unschuldige in Reihe ihr Leben lassen müssen, damit ein uneinsichtiger Geschäftsmann seine Lektion erhält. Der überraschendste Umstand liegt hier in der Kritik am amerikanischen Gesundheitswesen und den Kapitalismusmechnismen, was sich schnell in vertrauten Schockeinlagen verliert.
| FAZIT
Routinierter Heizungskeller-Horror mit Sozialkritik-Einschlag und riesigen Logiklöchern.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung