Burke Ryan ist DER Mann für die Trauerarbeit: nach dem tragischen Unfalltod seiner Frau hat er ein Selbsthilfebuch für Trauernde geschrieben, das reißenden Absatz findet; nun gibt er ein dreitägiges Seminar in Seattle, da, wo er mit seiner Frau glücklich gelebt hatte – und wird dort von seiner Vergangenheit eingeholt. Denn in Wirklichkeit hat er den Tod seiner Frau nie verwunden – ganz anders, als er es in seinem Buch behauptet –, er ist einsam, traurig und total blockiert; kann seine eigenen Ratschläge nicht auf sich selbst anwenden. Da lernt er Eloise kennen, die einen kleinen Blumenladen hat und ziemlich viel Pech mit Männern. Sie nähern sich an – doch Burke steht sich selbst im Weg, wenn es darum geht, eine neue Beziehung aufzubauen, sich emotional von seiner Vergangenheit zu lösen und sich womöglich noch mit dem Schwiegervater auszusöhnen.
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| FILMKRITIK
Burke Ryan ist unglücklich, und es kommt auch noch Pech dazu: Das Taxi bleibt im Stau stecken, natürlich setzt Regen ein, wenn er keinen Regenschirm dabei hat, und sein Gepäck ist beim Flug verloren gegangen. Und zudem ist er in Seattle, der Stadt seines Traumas, aber davor darf wiederum keiner wissen.
Denn Burkes Job ist der des Strahlemanns, der trauernden Hinterbliebenen den erfolgreichen Weg zurück ins Leben weist: sein Trauer-Lebenshilfe-Buch ist ein Bestseller, und nun leitet er hier ein ausgebuchtes Drei-Tages-Trauerarbeits-Seminar: Er weiß, wie sich Verlust anfühlt, und er beschreibt in seinem Buch genau, wie man damit umgeht. Sagt er. Und tritt auf wie ein Superstar, wie ein Messias gar, mit breitem Lächeln, das einerseits aufmuntern soll, das ihn andererseits als Sieger definiert.
Das ist alles total amerikanisch, für deutsche Augen eigentlich befremdlich: wie einer sich feiern lässt, nur weil er (angeblich) eine persönliche Krise überwunden hat, was ihm eine (scheinbare) Glaubwürdigkeit verleiht, um andere anzuleiten. Burke ist eine Führerfigur im emotionalen Bereich, und der Kniff des Films ist, dass er nur oberflächlich obenauf ist: in Wirklichkeit hat er den Unfalltod seiner Frau drei Jahre zuvor nie überwunden. Dabei verkündet er genau dies als sein Evangelium! Ein Heuchler, ja; aber kein Betrüger, denn er kann einfach nicht anders. Im Grunde sind die Seminare, die Selbsthilfebücher, die ganzen guten Ratschläge für andere seine Art der Trauerarbeit, die ihn aber nicht von seiner Blockierung, von seiner Fixierung auf das vergangene Glück mit seiner verstorbenen Frau erlösen können.
Nachdem wir so in Burkes Leben eingeführt wurden, schaltet der Film auf das Blumenmädchen Eloise, die immer die falschen Männer aussucht und jetzt glücklich ist mit ihrem Blumenladen, mit ihren Gestecken, und damit auch den jüngsten Liebeskummer überwinden kann. Burke trifft auf sie, und sie ist – warum auch immer – die erste Frau, die ihn in seinem Witwerdasein interessiert. Hier schwingt sich der Film ein in die romantische Komödie mit all den kleinen Elementen, die eine beginnende Liebesgeschichte im Kino so träumerisch leicht machen: Eloise kritzelt seltsame ungewöhnliche Wörter an Hotelflurwände; das erste Date geht gründlich schief; sie lädt ihn auf einen Kranwagen ein, um ein Konzert der Indie-Rock-Band „Rogue Wave“ von hoch oben mitzuerleben, für die sie keine Karten mehr bekommen haben; zwischendurch gibt’s touristische Blicke auf die Sehenswürdigkeiten von Seattle, und einen Poetry-Slam besuchen wir auch.
Nun also sind sie sich nähergekommen, und der Film schaltet auf Lebenshilfe-Modus. Denn Eloise wird für Burke der Tröster, den er gegenüber seinen Seminarteilnehmern mimt. Sie führt ihn heraus aus der Trauer, in der er festsitzt, und leitet ihn an, sein Leben wieder wirklich selbst zu leben. Tut genau das, was Burke erfolgreich bei den anderen Trauernden tut, ohne es selbst anwenden zu können. Was er vielleicht auch nur tut, um seinen etwas nervösen, aber findigen Manager zu befriedigen, der an großen Buch- und TV-Deals arbeitet, der Burke so richtig groß rauskommen lassen will. Zusätzlicher Druck auf Burke also, der seine permanente Lebenskrise auch nicht gerade erleichtert.
Fröhliche Blumenwelt also gegen ständiges Problemewälzen, Spontanität gegen Festgefahrensein in der Trauer: So ungefähr baut der Film Eloise und Burke auf, naja: ungefähr nur, denn so richtig tiefe Charakterisierungen sind nicht drin. Ebensowenig wie eine runde Dramaturgie oder eine konsistente Charakterentwicklung; zudem kann (oder will) der Film sich nicht entscheiden, ob’s nun eher romantisch-komödiantisch sein soll oder dramatisch-traueraufarbeitend. Und im übrigen funktioniert das Liebes-Doppel Aaron Eckhart – Jennifer Aniston gar nicht, da funkt nichts zwischen ihnen. Aber sie sind sowieso eher trockene Faktoren in einem Film, der irgendwo zwischendrin steckt: zwischen Konventionalität und dem Versuch von Originalität, zwischen Hohelied der Liebe und Trauermarsch der Einsamen, zwischen Beginn eines neuen Lebens und Abarbeitung von Trauer und Schuld, zwischen Komödie und Drama.
| FAZIT
Weil der Film nicht weiß, was er eigentlich will, passt nichts so richtig zusammen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung