Sonntag | 27. Mai 2012 | 23:43 Uhr
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  • FILM REVIEW | Nokan - Die Kunst des Ausklangs
  • Nokan - Die Kunst des Ausklangs

    Drama, Komödie | Japan 2008
  • | INHALTSANGABE

  • Nachdem sein Orchester aufgelöst wurde, kehrt der frustrierte, verschuldete Cellist Daigo Kobayashi mit seiner Frau zurück in sein Heimatdorf im Nordosten Japans. Auf Jobsuche landet er bei einem auf „Reisen“ spezialisierten Unternehmen, das sich bald als Balsamierungsinstitut entpuppt. Aufgrund der lukrativen Bezahlung nimmt Daigo die ungewöhnliche Stelle nach einigem Bedenken an. Der skurrile Geschäftsführer Ikuai Sasaki lässt sich nicht von anfänglichen Pannen beeinflussen und hält weiterhin an der Wahl des neuen Mitarbeiters fest. Dagegen reagiert Daigos Umwelt reichlich befremdet auf dessen neue Tätigkeit. Besonders seine stille Ehefrau rebelliert plötzlich, nachdem sie vom wahren Beruf ihres Mannes erfährt, der mit Hochzeitszeremonien nichts zu tun hat.
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      • | FILMKRITIK

      • Eine der wenigen Überraschungen der diesjährigen Oscarverleihung bestand im Auslandsoscar für das japanische Drama „Departures“, der Favoriten wie „Die Klasse“ ausstach. Dabei wurde Regisseur Yojiro Takita, der seine Laufbahn beim „Pink Eiga“ begann, dem japanischen Softsexfilm, schon mehrfach ausgezeichnet. Bereits „When the Last Sword is Drawn“ von 2003 erhielt unzählige Auszeichnungen. Bei uns kennt man höchstens seine gefälligen Fantasyabenteuer um den „Ying-Yang Master“. Mit Takitas vorletztem Werk liegt eine tragikomische Studie über die Schwierigkeit des Loslassens und Abschiednehmens vor, die ihre Thematik besonders im ersten Drittel mit absurdem Humor entwickelt.

        Neben dem Missverständnis rund um Daigos Jobsuche beim vermeintlichen „Reiseunternehmen“ und seinem unbeholfenen Auftreten während der ersten Aufträge sorgt das beharrliche Insistieren seines Chefs für reichlich Komik. Wo Massahiro Motoki gelegentlich zu aufdringlich agiert, wirkt Altstar Tsutumu Yamazaki („Tampopo“) in seiner stoischen Art weitaus souveräner. Im Verlauf ihrer Arbeitsbeziehung schlüpft Sasaki zunehmend in eine Art Vaterrolle, wobei er seinen Schützling unter die Fittiche nimmt und ihm neuen Lebensgeist vermittelt. Mehrfach wird in Rückblenden das problematische Verhältnis zu Daigos leiblichem Vater angeschnitten, der die Familie in frühen Jahren verließ, was für ein anhaltendes Trauma sorgte.

        Daneben erfährt man einige unbekannte Details über die Kunst der Sterbezeremonie, die aus Respekt vor den Verblichenen in aller Ausführlichkeit zelebriert wird. Das Ritual findet vor den Hinterbliebenen statt, um die unmittelbare Bewältigung der Trauer zu unterstützen. Für westliche Verhältnisse wirkt Daigos Ächtung aufgrund seines neuen Jobs bei Bekannten und seiner Ehefrau eher befremdlich, was jedoch mit dem Tabuthema Tod und der Ausgrenzung des Berufsstandes innerhalb der japanischen Kultur zusammen hängt. Takita will eine Lanze brechen für die missachtete Kunst der Aufbewahrung, der Totenreinigung, des Ankleidens und Schminkens der Verstorbenen.

        Im Mittelteil der Chronik einer Selbstfindung hängt die Dramaturgie mitunter etwas durch, und die Cello-Musikuntermalung gegen Ende erscheint zu aufdringlich, doch gerade das Finale führt die Handlungsstränge zu einem bewegenden, eindringlichen Appell für den Respekt vor Toten und Lebenden zusammen. Trotz einiger Schwächen überzeugt „Nokan“ durch einen schwebenden-surrealen Unterton, skurrile Charaktere sowie dem leichten Umgang mit einer düsteren Thematik.
      • | FAZIT

      • Poetischer, in ruhigem Erzählrythmus entwickelter Einblick in die japanische (Sterbe-)Kultur mit zu rührseligem Score.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Gregor Ries

      • | Userwertung

      Wertung: 10.0/10 (1 vote)

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