Das schwarze Mädchen Tiana wächst in New Orleans Anfang des vorigen Jahrhunderts auf. Ihre Mutter näht der gleichaltrigen weißen Charlotte hübsche Kleider und erzählt den Mädchen dabei das Märchen vom Froschkönig. Tiana beteuert, dass sie niemals einen Frosch küssen würde...
Einige Jahre später ist Tiana eine junge Frau, die mehrere Kellner- und Bäckerjobs ausübt, um endlich den Traum ihres verstorbenen Vaters von einem eigenen Restaurant zu verwirklichen. Sie soll auch ihre berühmten Krapfen auf dem Maskenball von Charlotte servieren, die einen echten Prinzen eingeladen hat. Dieser leichtlebige Prinz Naveen aus Maldonia ist in Wirklichkeit mittellos, aber er schwärmt vom Jazz, den er auf den Straßen von New Orleans hört.
Der böse Voodoo-Zauberer Dr. Facilier verwandelt den Prinzen in einen Frosch und seinen Diener in den Prinzen, weil er hofft, auf diese Weise selbst an das Geld und die Macht von Charlottes Vater zu kommen. So kommt es, dass Tiana, die auf dem Maskenball wie eine Prinzessin aussieht, von einem sprechenden Frosch viel Geld versprochen bekommt, wenn sie ihn küsst. Das tut sie widerstrebend, doch nun ist sie selbst auch ein Frosch, und muss mit Naveen schleunigst davonhüpfen, denn die Verfolger nahen. Die Flucht führt die streitenden Frösche in die Sümpfe des Mississippi, wo sie ungewöhnliche Verbündete finden.
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| FILMKRITIK
Der 49. Animationsfilm von Disney knüpft als handgezeichnete Märchenhandlung mit Musicaleinlagen an die Klassiker des Hauses an. Die Regisseure John Musker und Ron Clements benutzen die Vorlage des Märchens vom Froschkönig, um ein frisches Abenteuer in der Jazz-Ära des alten New Orleans auszumalen. Die schwarze Prinzessin Tiana ist eine moderne, aufstrebende junge Frau, die Schauplätze der Stadt und ihrer wasserreichen Umgebung bieten samt Mardi-Gras-Umzug eine vielfältige, bunte Kulisse für Musik, Trubel und exotischen Voodoo-Zauber.
Die Geschichte riskiert gleich mehrere Verfremdungen des Märchens, die spannend und witzig wirken. Tiana ist keine verwöhnte Königstochter, sondern die hart arbeitende junge Frau aus einfachen Verhältnissen. Auch Prinz Naveen ist von dunkler Hautfarbe und außerdem Tianas charakterliches Gegenteil, als sorgloser Partymensch, dem seine Eltern den Geldhahn zugedreht haben. Die wichtigste Abänderung aber ist der Ausgang der Kuss-Szene: Diesmal wird die junge Frau ebenfalls zum Frosch und die Chancen für eine Rückverwandlung sind ungewiss.
Die Musik spielt eine ebenso wichtige Rolle wie die Stadt New Orleans als Kulisse. In der deutschen Fassung singen Cassandra Steen, Roger Cicero, Bill Ramsey, Marianne Rosenberg, die auch die Synchronstimmen von Tiana, Naveen, dem Alligator Louis und von Mama Odie sind, die kunterbunte lokale Songpalette von Komponist Randy Newman. Alligator Louis, mit dem sich die sprechenden Frösche im Exil des Mississippi-Deltas anfreunden, ist ein tapsiger Typ, der nur eines wirklich gut kann: Trompete spielen. Auch er will unbedingt in einen Menschen verwandelt werden, weil er in einem Jazzorchester mitmachen möchte.
Die andere wirklich skurrile Nebenfigur ist das fliegende Glühwürmchen Ray, dessen Hinterteil aus einer Glühbirne besteht und das mit seinen schiefen, lückenhaften Zähnen und den seltsamen Bartstoppeln wie ein alter Mann wirkt. Ray ist eine romantische Seele und himmelt seine große, ferne Liebe Evangeline an. Die schönsten Animationen des Films gelingen, wenn zahllose Glühwürmchen sich zu Ray gesellen und die Landschaft mit ihren Lichtpunkten verzaubern. Nicht alle Bilder sind von gleicher Qualität: Die Frösche sehen relativ einfach aus und die Fantasie von Tiana über ihr nobles Restaurant ebenfalls.
Andere Bilder wiederum verwenden sehr viel Farbe, was zur poppigen, rauschhaften Stimmung passt. Der Voodoo-Magier Dr. Facilier und seine dämonischen, schattenhaften Verbündeten hingegen sind Geschöpfe der Dunkelheit. Wenn sie auftreten, gibt es manchmal angsteinflößende, grelle Fantasien wie aus Albträumen. Mama Odie, die steinalte, aber schrille Voodoo-Dame aus den Sümpfen, setzt der bösen Magie etwas Gutes entgegen und mildert so den Schrecken. Für Kinder dürften die Voodoo-Anteile dieser doch stellenweise etwas verworrenen Geschichte unverständlich sein. Die Handlung verhält sich insgesamt ein wenig wie ein Glühwürmchen, indem sie von einer funkelnden Verlockung zur nächsten fliegt.
| FAZIT
Das Märchen vom Froschkönig erhält in der goldenen Jazz-Ära von New Orleans eine frische Verwandlung.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung