Der Dokumentarfilm widmet sich den Surfern, die mitten in München eine einzelne Welle am Eisbach nutzen. Von den Anfängen der Szene vor rund 30 Jahren erzählt ein Veteran, zwei andere Porträtierte gelten ebenfalls als örtliche Legenden. Ein angehender Informatiker und ein Arzt zählen zur jüngeren Generation. Der Filmregisseur sieht und hört sich auch im Ausland um und begleitet einen amerikanischen Fluss-Surfer auf Besuch in München.
WERBUNG
| FILMKRITIK
Spaziergänger und Touristen versammeln sich in München gerne auf einer Brücke am Rande des Englischen Gartens, um auf einen schmalen Bach hinabzuschauen. Dort gibt es nämlich eine seit vielen Jahren etablierte Attraktion der Subkultur, die Abenteuer, Wildheit und junges Draufgängertum symbolisiert: Zu jeder Jahreszeit reiten hier ein paar Surfer auf einer schäumenden Welle von links nach rechts und wieder zurück, so lange wie sie sich auf ihrem Brett halten können. Nun hat endlich ein Dokumentarfilmer die Szene, die die Medien traditionell meidet, vor die Kamera geholt. Björn Richie Lob, der selbst am Eisbach surft, gibt sein Kinoregiedebüt.
Wenn die wendigen, gutaussehenden Sportler in ihrer Surferkluft auf der Münchner Eisbachwelle tanzen, begleitet von fetziger Musik und spektakulären Wasserspritzern, transportiert der Dokumentarfilm „Keep Surfing“ die Botschaft: Die küstenferne Biergarten-Stadt ist das Mekka der Fluss-Surfer! Dass sich der schmale Eisbach, ein Nebenarm der Isar, an einer Stelle stets munter aufbäumt, hat er einem Surfer zu verdanken: Walter Strasser war es irgendwann leid, dass sein Hobby vom Wasserstand abhing und montierte im Bach Planken, die für konstante Stauung sorgen.
Interessantes hat auch der Mann der ersten Stunde, Dieter Deventer, zu berichten: Anfangs benutzten die Surfer Seile, bis sie zufällig entdeckten, dass das auf einer solchen stehenden Welle nicht nötig ist. Der Amerikaner Eli Mack erkundet weltweit Flüsse nach Surfmöglichkeiten, und Lob begleitet ihn sogar nach Kanada, wo ein tosendes Gewässer das Wellenreiten lebensgefährlich macht.
Das Verwegene aber ist auch den Münchner Surfern zu eigen, wie Lobs Aufnahmen während eines Isar-Hochwassers beweisen: Männer mit einem Brett unter dem Arm laufen mitten in der Stadt auf die Wellen zu, die sich im aufgewühlten Wasser bilden. Von der um die Sicherheit der Bürger besorgten Polizei sogar mit dem Hubschrauber verfolgt, testen sie ein bisschen Outlaw-Atmosphäre. An späterer Stelle im Film geben sie allerdings zu, dass das Hochwassersurfen auf der Isar voller unkalkulierbarer Risiken ist.
Die Surfer werden auf der Eisbachwelle von oben gefilmt oder aus anderen Perspektiven, die die Eleganz und Leichtigkeit ihrer Drehungen auf dem Brett schön einfangen. Es gelingen Aufnahmen mit Seltenheitswert, als zum Beispiel der ins Ausland gezogene Wellenreiter Quirin Rohleder mitten im Winter dem Eisbach einen Besuch abstattet. Auch die zweite, leichtere Surfer-Welle an der Floßlände im Süden der Stadt ist Schauplatz einiger Aufnahmen. Dass der Regisseur jedoch mit den vielen kurzen Statements aus dem Ausland demonstrieren will, wie international wichtig sich Münchens Eisbach-Szene fühlen darf, wirkt etwas übertrieben.
| FAZIT
Ihre Kunststücke auf einer Welle in München locken täglich Zuschauer an: Die tollkühnen Surfer vom Eisbach sprechen über ihre Welt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung