Im Irak ist Krieg, und es gibt keine Medikamente mehr in der umkämpften „Terroristenhochburg“ Falludscha. So fährt der zerknitterte Arzt Alain (Matthias Habich) nach Bagdad, um Nachschub zu organisieren. Ein Waffenstillstand bietet die Chance. Doch Alains Freundin Kim (Thekla Reuten) kann nicht die offizielle Erlaubnis bekommen – so machen sie sich heimlich auf den Weg. Mit dabei: der idealistische TV-Reporter Oliver (Max von Pufendorf) und sein Kameramann Ralf (Hannes Jaenicke), die sich aus der abgeriegelten Stadt tolle Bilder erhoffen.
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| FILMKRITIK
Eine Abenteuerfahrt im Ford Transit Kleinbus durch die Wüste, die Zeit drängt und Gefahr lauert überall. Ein spannendes Szenario steht Regisseur Lancelot von Naso also zur Verfügung, der hier den Irakkrieg als Kulisse nutzt, um eine Mischung aus Western, Abenteuerfilm und Antikriegsdrama hinzulegen.
Das ist löblich und verspricht einiges, und tatsächlich bietet „Waffenstillstand“ so manche Spannung, lässt eindringlich zerschossene Häuser vorbeisausen und Iraker ihr Leid klagen, harte Amis auftreten und den Krieg – oder wie man den Zustand da am Golf nennen mag – ganz schlimm sein. Bloß gerät der Film gerade was Letzteres betrifft, zu behäbig und moralisch, um mehr zu sein als letztlich gute Fernsehunterhaltung.
Da sind zum einen Figuren. Matthias Habich ist eine wunderbare Besetzung für den grantelnden, gebrochenen Arzt Alain – vielleicht eine zu wunderbare: Alain ist ein Beinahe-Zyniker, der den Peter-Scholl-Latour geben darf, erinnert, wie toll der Irak früher mal war, ehe Sadam kam, wie verlogen und rücksichtslos die Amerikaner nun herrschen, dass die Medien nur sensationsgeil sind, sich am Unglück der Einheimischen laben und sich nicht an Hintergründen interessieren. Usw. Dagegen verteidigt sich dann der junge rasende Reporter Oliver, den Pufendorf mit großen Augen spielt. Jaennicke gibt – Überraschung! – den harten Kerl mit weichem Kern – und letztlich gerät „Waffenstillstand“ zwischen den langweiligen Typen und ihren Sentenzen, die letztlich wenig mehr tun als hölzern die Botschaft zu transportieren zum braven Aufrüttel-Abenteuer, das nichts erzählt, was nicht schon jeder x-beliebige Tagesthemen-Beitrag ohne TV-Drama-Mitteln an den Mann bringt. Achtung Spoiler: Krieg ist unmenschlich, ein Menschenleben zählt wenig darin, die unschuldige Bevölkerung trifft’s immer besonders hart und Ärzte reiben sich im Kampf gegen Windmühlen ziemlich auf.
Zuletzt entpuppen sich all die Figuren als die Gutmenschen, auf die man sie auf die Reise geschickt hat, und aus deren Sicht es sich gefahrlos anklagen und verwundeten Kindern helfen lässt. Sogar Oliver lässt dafür das Reportieren. Überhaupt: Die Iraker sind schon arm dran, dürfen den Bus fahren oder gastfreundlich sein, Geld für ihre Story wollen und auch mal die bösen Indianer spielen. Die Amis sind roh oder ignorant: „Waffenstillstand“ rennt offene Türen ein, tut in seiner moralischen Rechtschaffenheit keinem weh, in seinem „kolonialen“ Von-oben-Herab-Blick auf Land und Leute.
Das passt vielleicht zu den Figuren und ihren Funktionen, die der Film ausstellt. Und tatsächlich wird auch ein bisschen (aber eben nicht genug, nicht konsequent und nirgendwo hinführend) Medienschelte betrieben wie die Aufopferungsbereitschaft und die Chuzpe von „echten“ Helfern beklatscht. Aber darüber mangelt es „Waffenstillstand“ eben an echter und origineller oder zumindest eindringlicher Dramatik. Nichts gerät in dieser Bravheit fesselnd oder drastisch genug, nie bekommt man das Gefühl des wirklichen Ausgeliefertseins. Natürlich ist Fallutscha und der Weg dahin ein gefährliches Pflaster, wird der Minibus beschossen. Weil aber vieles versatzstückhaft dahin erzählt wird, zieht der Film kaum wirklich hinein.
Mit weniger Zeigefinger und mehr selbstgenügsamer Spannung wäre man in und mit dem Minibus besser gefahren.
Gedreht wurde übriges in Marokko.
| FAZIT
Routiniertes Kriegsabenteuerdrama, gut gemeint und nett gemacht, aber zu versatzstückhaft und oberflächlich um mehr zu bieten als gehobenes TV-Filmniveau.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung