Anna ist eine erfolgreiche junge Frau in Boston. Als ihr Freund Jeremy, ein Kardiologe, den lange erwarteten Heiratsantrag auch beim jüngsten Date nicht macht, möchte Anna selbst für klare Verhältnisse sorgen. Sie wird auf einen alten irischen Brauch aufmerksam, wonach am 29. Februar Frauen ihren Wunschpartnern Heiratsanträge machen. Da trifft es sich gut, dass es gerade Februar in einem Schaltjahr ist und Jeremy in Dublin auf einem Kongress weilt. Anna fliegt nach Irland.
Doch stürmisches Wetter zwingt das Flugzeug zur Landung in Wales. Von dort muss sie einen kleinen Fischkutter nehmen, um auf die Grüne Insel zu gelangen, und dort geht es bei strömendem Regen zu Fuß weiter. Im ersten Dorf gibt es ein Pub, doch der junge Wirt, der auch einen Taxidienst betreibt, weigert sich zunächst, nach Dublin zu fahren. Am nächsten Morgen jedoch nimmt der mürrische Declan ihr Angebot an, sie für 500 Euro zu fahren, denn er muss dringend Schulden begleichen. Der klapprige Renault 4 landet bald im Tümpel und die beiden Streithähne müssen sich in einer Dorfpension als Ehepaar ausgeben.
WERBUNG
| FILMKRITIK
Die junge Amerikanerin Anna hat sich aus schwierigen Verhältnissen mit Fleiß und Zielstrebigkeit hochgearbeitet. Wenn Makler ihre Apartments nicht an kaufkräftige Kundschaft bringen können, dekoriert sie sie mit sicherem Gespür zu einem gemütlichen Zuhause, in dem es nach frischgebackenen Brötchen riecht. Und schon finden sich Käufer. Als ihr Freund, der Kardiologe Jeremy, auch nach vier Jahren keinen Heiratsantrag über die Lippen bringt, will Anna auch der Romantik ein bisschen auf die Sprünge helfen. Die Komödie „Verlobung auf Umwegen“ von Regisseur Anand Tucker lehrt Anna jedoch, dass, zumindest in Irland, die Romantik auch eine wilde Seite hat.
Eine Notlandung in Wales, eine stürmische Überfahrt auf einem Fischkutter und ein Fußmarsch mit dem Ziehkoffer im strömendem Regen zum nächsten Dorf lassen die zierliche Anna noch lange nicht verzweifeln. Möge der Wirt im einzigen Pub noch so unhöflich sein und selbst die Bestellung eines Abendessens für Anna zur Geduldsprobe werden, die rothaarige Amerikanerin mit den hochhackigen Schuhen bleibt auf Kurs. Am nächsten Morgen warnen die alten Männer sie zwar vor der Fahrt in Declans R4, aber nicht etwa, weil der Wagen so klapprig ist, sondern weil eine schwarze Katze ihren Weg gekreuzt hat. Bei so viel bemühtem Lokalkolorit trifft es sich gut, dass Pubbesitzer Declan nicht abergläubisch ist, sondern das andere Extrem eines typischen Einheimischen abgibt: mürrisch, unempfänglich für Annas Glauben an den Leap Day, ein zynischer Spötter, eine schulterzuckende Kulturbanause. Er weiß noch nicht mal, dass der Name auf ihrem Koffer eine teure Marke ist!
Doch der bärtige Declan weicht Anna auf ihrem kindischen Fußmarsch über mit Steinwällen gesäumte Landstraßen nicht mehr von der Seite, nachdem der R4 in einem Tümpel zurückgelassen werden musste. Zunächst giften sie sich ausgiebig an, doch dann findet der Ire irgendwie Gefallen an dem Roadtrip. Und auch Anna erwärmt sich langsam für den rauen Charme von Land und Leuten. Die urige Landschaft wird allerdings in ihrer Wirkung zuweilen von Greenscreen-Aufnahmen geschmälert, die imposante Hintergründe kulissenhaft angeklebt aussehen lassen.
Dass die romantische Komödie nicht richtig auf Touren kommt, liegt jedenfalls nicht an Hauptdarstellerin Amy Adams. Ihr kann man stundenlang zuschauen, wie sie eine unschuldige Verletzlichkeit jenseits der Worte aufscheinen lässt, wie sie sich mit ihrer Rolle identifiziert und selbst in Momenten starker Verunsicherung nicht zur Karikatur mutiert. Auch der Wortwitz, über den die Originalversion verfügt und der sich aus sprachlichen und kulturellen Unterschieden zwischen den Iren und der Amerikanerin entfaltet, gehört zu den Stärken des Films.
Den Schwung nehmen der Geschichte hingegen der männliche Hauptdarsteller und die folkloristischen Klischees in einem Irland, das Kulisse bleibt. Matthew Goode spielt den maulfaulen Declan, der seine wenigen Worte meistens schnöder Verachtung widmet. Oft steht er im Bild wie ein verirrter Statist, mal nur langweilig, mal mit einer zur Schau getragenen Gleichgültigkeit.
| FAZIT
Amy Adams irrt durch ein verregnetes Irland auf der Suche nach der Liebe, doch einen passenden Schauspielerkollegen findet sie nicht.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung