Im Jahr 1891 erhält Lawrence Talbot, ein gefeierter Schauspieler, einen Brief: Er soll dringend nach Hause ins englische Blackmoor kommen, denn sein Bruder Ben ist verschwunden. Das schreibt ihm Bens Verlobte, Gwen Conliffe. Bei seiner Ankunft erfährt Lawrence von seinem Vater, dass Ben bereits tot aufgefunden wurde. Die Leiche ist bestialisch zugerichtet, wie von einem wilden Tier. Die Dorfbewohner glauben, dass es der Tanzbär aus dem nahen Zigeunerlager war, doch dann wütet dort in einer Vollmondnacht ein anderes Tier: Bevor es ein paar Schützen in die Flucht schlagen können, hat es Lawrence in den Hals gebissen.
Die Wunden von Lawrence heilen schnell und vollständig, und er entwickelt zarte Gefühle für die hübsche Gwen. Aber Lawrence suchen auch böse Kindheitserinnerungen heim, wie er seine Mutter ermordet auffand und in eine Anstalt kam. Als es wieder Vollmond wird, verwandelt sich Lawrence in einen Werwolf, der die ganze Nacht als reißende Bestie herumläuft. Am Morgen aber wacht er als Mensch auf, blutverschmiert und von seinen Verfolgern gejagt.
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| FILMKRITIK
Im englischen Blackmoor ist das Wetter so schlecht, dass man sich fragt, warum hier Leute wohnen. Die Antwort liefert die junge Schönheit Gwen, die gerade ihren Verlobten beerdigt hat und nun am Lager des verletzten Lawrence wacht: Es sei anscheinend unmöglich, diesem Ort zu entkommen. Über die karge Landschaft ziehen dichte, vom Wind getriebene Nebelschwaden, die Häuser im Dorf sind aus grauem Stein, das Herrenhaus der Talbots gemahnt auch ohne Schild an das Betreten auf eigene Gefahr. Der Vollmond lauert als weiße Riesenkugel hinter flüchtigen Wolken. Stimmung und visuelle Gestaltung sind das große Plus des Werwolfthrillers von Regisseur Joe Johnston. Das Remake basiert auf dem Originaldrehbuch von Curt Siodmak für „Der Wolfsmensch“ von 1941, das einige Veränderungen erfuhr.
Das Tier, das weder die weisen Zigeunerfrauen, noch die Dorfbewohner beim Namen nennen wollen, lässt sich auch von der Kamera lange Zeit nicht einfangen. Es huscht allenfalls als aufblitzender Schatten am Horizont vorbei, oder es lässt seine immensen Krallen vor die Linse hängen. Doch nach all dem Knurren und Heulen der Nacht bietet sich bei Tageslicht ein Bild des Grauens: abgetrennte Köpfe, herausgerissene Därme, verstümmelte Leichen. Die Wut des Wolfmanns ist unbezähmbar und sie kann jeden treffen. Wenn Lawrence Talbot aber morgens mit Blut im Gesicht unter einer Londoner Brücke oder in einer Baumhöhle erwacht, wirkt er schutzlos wie ein von Hunden umzingeltes Reh.
Benicio Del Toro spielt den schwermütigen Lawrence Talbot sympathisch als Gutmenschen, der den Mörder seines Bruders finden will. Für eine kurze Weile darf der ernste Mann, den dunkle Schatten aus der Vergangenheit niederdrücken, sogar von der Liebe träumen. Als Lawrence mit Gwen am Ufer eines Flusses Steinchen wirft, schenkt ihm Del Toro die Wärme eines Gemütsmenschen und die Erotik eines Charmeurs. Emily Blunt als meist in elegantes Schwarz gekleidete junge Lady ist zunächst vornehm zurückhaltend, später jedoch verletzlich und stark im Leiden. Anthony Hopkins, der undurchschaubare Vater und Hausherr, beherrscht den dämonischen Teil seiner Rolle ebenso mühelos wie den kühlen, ironischen Witz.
Lange Zeit vermag der stilvoll inszenierte Film zu fesseln. Man fahndet in den halbdunklen Hallen des Herrenhauses, die mal mit edlem Mobiliar gefüllt sind, mal aber von hereingewehtem Laub und von Spinnweben gesäubert werden müssten. Oder man irrt mit Lawrence durch einen furios geschnittenen Reigen von Halluzinationen, in denen sich seine Visionen, Erinnerungen und Interpretationen neu mischen. Wenn der zum Werwolf gewordene Lawrence in seiner Tageskleidung mit federnden Riesenschritten über die Dächer Londons läuft, fasziniert die Leichtigkeit, mit der diese Figur das Animalische und das Zivilisierte verbindet.
Doch die guten Schauspieler und die tragische Last der Geschichte müssen sich in dieser Version dann doch der Optik unterordnen. Hier erliegt die Inszenierung dem modernen Irrtum, dass Handlung und Präsentation die gewünschte Wirkung schon von selbst erzeugen. Der Konflikt von Lawrence mit seinem Vater und seine Liebe zu Gwen, die im zweiten Teil eine zentrale Rolle spielen sollten, haben wenig Raum, sich zu entfalten, denn der Film beachtet die Charaktere nicht genug. Das Heulen des Wolfes findet keine Entsprechung im menschlichen Ausdruck, als ob Gefühle gefürchtet werden müssten.
| FAZIT
Die Werwolflegende in einer stilvollen, visuell überzeugenden Inszenierung, in der das menschliche Drama aber vernachlässigt wird.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung