Die rothaarige Marta beendet ihr Philosophiestudium in Rom mit Auszeichnung. Während ihr Freund eine akademische Laufbahn in Amerika beginnt, sucht Marta in Rom eine Stelle. Doch weder bei Verlagen, noch bei Zeitschriften oder dem Schulamt wird sie mit offenen Armen empfangen. Sie besucht ihre krebskranke Mutter in Palermo, die sie mit dem Satz tröstet: „Du hast das ganze Leben vor Dir!“
Ein kleines Mädchen drückt Marta in einem öffentlichen Verkehrsmittel einen Zettel in die Hand. Ein Babysitter-Job wird darauf angeboten. Marta nimmt an, und lernt eine andere Seite von Rom kennen: die alleinerziehende Mutter Sonia, die finanziell kaum über die Runden kommt und ihre Tochter vernachlässigt, sowie das Callcenter, in dem Sonia jobbt und fortan auch Marta. Die Akademikerin hat unerwarteten Erfolg am Telefon, wo sie fremden Hausfrauen Vertreterbesuche zur Vorführung eines sinnlosen Haushaltsgeräts aufschwatzt. Marta erlebt, wie das Unternehmen seine jungen Mitarbeiter unter Druck setzt.
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| FILMKRITIK
Marta ist klug und gebildet und die betagten Professoren im Prüfungsgremium umarmen sie, um der jungen Doktorin der Philosophie zu gratulieren. Mit dieser herzlichen Geste werden wohl nur die allerbesten Absolventen geehrt, und die strahlende Marta glaubt für ein paar Wochen tatsächlich, dass ihr das intellektuelle Rom nun zu Füßen liegt. Doch dann stellt sie fest, dass sie nur an zwei Orten gebraucht wird: in der Wohnung der einsamen kleinen Lara, und im Callcenter von Multiple Italia. „Das ganze Leben liegt vor Dir“ ist eine augenzwinkernde Satire über ausbeuterische Firmen und verzweifelte Arbeitssuchende.
Der taxifahrende Akademiker, die brotlose Kunst der Philosophie: Marta hatte vermutlich davon gehört, doch sie studierte aus Leidenschaft und sie besteht mit Summa cum laude. Isabella Ragonese spielt die hübsche Frau mit einer kindlichen Neugier auf das Leben und intellektueller Reserviertheit. Wenn es ganz schlimm kommt, fliegt sie mal schnell nach Palermo, zu ihrer kranken Mutter. Es gibt keine halbwegs angemessenen Stellen für Marta, im Grunde fährt sie ziellos durch die Straßen, bis ihr die kleine Lara ein Jobangebot macht: Sie soll ihre Babysitterin werden.
So kommt die Akademikerin in eine verwahrloste Wohnung, in der sie ein Zimmer bezieht. Wenn Laras Mutter jobbt oder Männer trifft, erzählt Marta dem wissbegierigen Mädchen Platons Höhlengleichnis. Am Vormittag aber sitzt Marta fortan in einem Callcenter unter lauter jungen Frauen, die von Chefin Daniela lückenlos überwacht werden. Jeder Tag beginnt mit Gesang und Tanz rund um das Glaubensbekenntnis, ein besonderer Mensch für eine besondere Aufgabe zu sein. Sie müssen Hausfrauen anrufen und ihnen ein neuartiges, unentbehrliches Gerät anpreisen, samt Terminvereinbarung für eine Vorführung daheim. Marta beherrscht die geforderte Überredungskunst mühelos und wird von Daniela gelobt.
Regisseur Paolo Virzi, der einen Tatsachenbericht aus der Welt der Callcenter als Vorlage benutzte, schildert mit leichter Hand und wohl nur gelinder Übertreibung, wie sich die Mitarbeiter der fiktiven Firma Multiple Italia zum Affen machen müssen. Wenn die männlichen Kollegen ihr Motivationstraining haben, springen sie brüllend und Fäuste reckend durchs Büro. Marta lernt Lucio 2 kennen, einen dieser jungen Übermotivierten, der das System zu spät durchschaut.
Chefin Daniela und der Oberboss Claudio bleiben auch als Karikaturen glaubhaft, zumal sich hinter ihrer Verlogenheit ebenfalls geschundene Seelen verbergen. Die humorvoll lockere Atmosphäre des Films, der mit Marta philosophische Forschung in den Niederungen des Lebens betreibt, rechtfertigt allerdings nicht seine Länge von 117 Minuten. Diese ziehen sich etwas unmotiviert dahin, weil sich die Geschichte nicht so recht entscheiden kann, ob es ihr um Martas Person, um den Wahnsinn des Callcenters oder um die Frage nach dem Wert einer akademischen Bildung geht.
| FAZIT
Augenzwinkernde italienische Gesellschaftssatire, in der eine Philosophin in einem Callcenter jobben muss.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung